Bernhard Panzer Vor einem guten halben Jahrhundert beschäftigte ein Großprojekt die Herzogenauracher Kommunalpolitiker und Bürger, das auch heute wieder Thema ist: der Neubau eines Rathauses. Damals, in den 1960er Jahren, war es der Neubau an einer komplett neuen Stelle. Heute ist es wieder ein Neubau, jedoch an der gleichen Stelle.

Das damals neue Gebäude ist inzwischen abgerissen, die Baustelle wird noch viele Monate andauern, bis das neue Gebäude bezogen werden kann. In den kommenden Wochen beginnt erst der Rohbau. Es wird noch viele Diskussionen und Debatten geben. Manch Problem wird noch zu meistern sein, andere Sorgen werden sich indes vielleicht nicht bewahrheiten. Es wird eine lebendige Zeit werden, bis das neue Rathaus dann endlich steht. Und dann wird man, so wie damals, wohl auch wieder zufrieden sein mit dem, was man vorgehabt hat: einen Bau für die Zukunft zu schaffen.

Es war vor 57 Jahren, ein Abend Ende April. Damals genehmigte der Stadtrat einstimmig die Planungen für den Neubau eines Rathauses. Das Amtsblatt berichtete ausführlich über die Sitzung und einen vorangegangenen Besprechungstermin mit Regierung und Denkmalpflege. Ein "sehr schön ausgearbeitetes Modell" wurde damals vorgelegt. Einer von vier vorgelegten Planentwürfen fand damals die Zustimmung der zuständigen Stellen.

Schmückende Worte

Der ausgesuchte Standort wurde in dem Bericht mit schmückenden Worten in verschachtelten Sätzen beschrieben: "Wenn man in den Schlosshof trete, befände sich dann gegenüber an der Stelle, an der heute noch das alte Gefängnis stehe, ein dreigeschossiges Gebäude, links davon, in der Nord-Südrichtung also, wird ein größeres Gebäude mit vier Geschossen und einer Ost-Westbelichtung erstellt." So lautete die Beschreibung eines Objekts, dessen Bau damals eine erhebliche Aufgabe darstellte.

So wie es heute, beim anstehenden Neubau an gleicher Stelle, auch wieder ist. Nur dass die Objektbeschreibung jetzt einfacher dargestellt wird. Und weiter heißt es im Amtsblatt vom 3. Mai 1963: "An der Nordseite wird in einem kleinen Gebäude außerdem der Rathaussaal untergebracht. Ein Teil der Schloßmauer wird abgebrochen und die Mauer niedriger gehalten."

Durch den Neubau würde, der Darstellung im Bericht zufolge, ausreichend Verwaltungsraum geschaffen und es sei möglich, hier alle Dienststellen des Rathauses zu konzentrieren. Diese Sichtweise liegt auch dem Vorgehen ein gutes halbes Jahrhundert später zugrunde.

Auch der jetzige Neubau soll genügen, um die Verwaltung unterzubringen. Hierfür wurde das Gebäude entsprechend größer geplant , als es bisher war. Und das Schloss steht ja auch weiterhin zur Verfügung. Kritiker indes behaupten heute, dass der Platz nicht reichen werde, man für die Rathaus-Abteilungen also vielleicht auch zwei Standorte brauche.

Im Amtsblatt wird 1963 weiter berichtet, dass man im Kellergeschoss die Heizung, das Archiv und untergeordnete Räume unterbringen könne. Auch der Zugang war Thema: "Durch eine kleine Pforte in der nördlichen Schloßmauer kann man das Verwaltungsgebäude auch von der Anlage her betreten. Die Garagen für die Landpolizei werden nicht mehr an der bisher geplanten Stelle untergebracht, sondern im Südtrakt im sogenannten Pferdestall."

Damals wie heute waren die Bürgermeister begeistert von den Vorhaben. Damals wie heute gehör(t)en sie übrigens der SPD an. Hans Maier bezeichnete das Projekt als einen Plan für die Zukunft. Damit werde auch dem größeren Publikumsverkehr Rechnung getragen.

Auf die Anfrage von Stadtrat Georg Simon, ob das ganze Rathaus umziehen solle, meinte der damalige Bürgermeister, es sei sinnvoller, sämtliche Behörden der Stadt zentral zusammenzufassen. Interessant auch die Aussage zum alten Rathaus: Das solle wieder öffentlichen Zwecken zugeführt werden.

Weitere Wortmeldungen gab es in der damaligen Sitzung von Karl Prokop und Albert Spieß. Letzterer bezeichnete den geplanten Neubau als ein Bauwerk, das dem alten Schloss angepasst werde und doch zweckentsprechend ausgerichtet sei. Zuletzt erklärte Bürgermeister Hans Maier damals noch, dass der Verwaltungsbau in einem Zuge erstellt werden solle. Er werde einen umbauten Raum von 6760 Kubikmeter haben und rund 850 000 DM kosten. Stadtkämmerer Fritz Maier sagte damals, dass 750 000 DM bereits im Haushalt bereitgestellt werden konnten.

Damals wie heute also war und ist so ein Vorhaben durchaus finanzierbar. Nur dass das jetzt anstehende Großprojekt keine 850 000 DM, sondern etwa 28 Millionen kostet. Euro wohlgemerkt.