In Herzogenaurach sollte im November 1945 das Kino wieder geöffnet werden. Wohnungen von Parteimitgliedern wurden dagegen für Flüchtlinge beschlagnahmt. Eine erste Preiserhebung über dringend benötigte Güter erfolgte.

Am 20. November 1945 erhielten Nahrungsmittelgeschäfte gegen eine Gebühr von 0,20 Reichsmark ein Plakat mit einer Verfügung der Militärregierung, auf dem den Truppen der amerikanischen Besatzungsarmee der Zutritt verwehrt wurde. Mit ihrer Unterschrift bestätigten in Herzogenaurach 49 Geschäfte, ein derartiges Plakat erhalten zu haben. Außer dem Konsum am "Plätzla", der Zusammenführung von Hinterer Gasse und Bamberger Straße, deckten sich die Stadtbürger damals noch in den zahlreichen kleinen Läden mit dem Lebensnotwendigen ein.

Vom 20. November 1945 datieren zwei Erhebungsbögen, die an das Bayerische Statistische Landesamt eingesandt werden mussten. Im Erhebungsbogen A wurden die Einzelhandelspreise für Nahrungsmittel, Heizstoffe und Leuchtmittel abgefragt.

So kostete ein Kilogramm Brot 38, ein Kilogramm Nudeln 54 und ein Kilogramm Reis 64 Reichspfennig. Höhere Preise waren dagegen für Fleisch zu bezahlen. Je ein Kilogramm kostete vom Rind 1,60, vom Schwein 2,60, vom Kalb 1,60 bis 1,70, die Leberwurst 2,20 Reichsmark. Für die lose bezogene Vollmilch waren ab Laden für einen Liter 0,23 Reichspfennig, für ein Kilogramm Markenbutter 3,60, für ein Kilogramm Halbfettkäse 1,60 Reichsmark zu entrichten. Ein Ei kostete zwölf Reichspfennig.

Aufgelistet wurde auch das Bier, sowohl beim hellen als auch beim dunklen Lagerbier kostete der Liter 47 Reichspfennig. Beim damals üblichen Heizmaterial Steinkohle schlug ein Zentner mit zwei Reichsmark zu Buche.

Der Erhebungsbogen B beinhaltete die Einzelhandelspreise für Bekleidungsstücke, Einrichtungsgegenstände und Verschiedenes. Am 20. November 1945 wurde die Ausstaffierung eines Herren wie folgt angegeben: Der Straßenanzug mit 90, ein Oberhemd mit zehn und das dazu gehörige Paar Männerstraßenschuhe mit 18 Reichsmark.

Bei den Damen kostete die Konfektion: ein Frauenkleid aus Kunstseide 25, ein Frauenunterkleid "aus Kunstseidentrikot, mit Trägern, glatt, ohne Garnierung" vier und Frauenstraßenschuhe 12,50 Reichsmark.

Für das Städtische Wannenbad waren 50 Reichspfennig zu entrichten, ein "Platz für einen Erwachsenen in einem einfachen Lichtspielhaus, Abendvorstellung, zweitbilligster Sitzplatz" war mit 80 Reichspfennig zu bezahlen.

Probleme bereiteten nach wie vor die Hinterlassenschaften des deutschen Militärs. Landrat Fröhlich ließ am 22. November den Gemeinde- und Stadtverwaltungen mitteilen, dass die Militärregierung eine Meldung über noch vorhandene Lager oder Material der Wehrmacht wünscht: "Es muss im Auftrag der Militärregierung auch alles Material, was vielleicht noch in den Ortschaften oder auf freiem Feld herumliegt, seien es Fernsprechgeräte oder sonstige Ausrüstungsgegenstände, gesammelt und in gemeindeeigenen Räumen untergebracht und dem Landratsamt gemeldet werden."

Für einige Turbulenzen sorgte ein "Notgesetz zur Sicherung eines angemessenen Raumausgleichs". Inhalt dieses Gesetzes war, dass Wohnungen von Personen freizumachen seien, "die infolge ihrer Stellung in Partei, Staat oder Wirtschaft oder infolge der Ausnützung der sonstigen den Nationalsozialismus geschaffenen besonderen Verhältnissen belastet und in dieser Eigenschaft von den Wohnungsbehörden festgestellt sind."

Darunter fielen Träger des Blutordens oder des goldenen Ehrenzeichens der Partei, Mitglieder der allgemeinen SS, Personen, die Ämter in der Partei vom Ortsgruppenleiter an aufwärts, in der Waffen-SS vom Scharführer aufwärts, in der SA vom Oberscharführer aufwärts innehatten. Ausgenommen waren lediglich ehrenamtliche Ärzte im Rang eines Sturmführers.

Vom Gesetz betroffen waren auch Mitglieder, die im NSKK vom Sturmführer aufwärts, in HJ, BDM und Jungvolk vom Bannführer aufwärts engagiert waren. Die Feststellung erfolgte durch schriftliche Verfügung der Wohnungsbehörden: "Nach Rechtskraft der Feststellungsverfügung können die Wohnungsbehörden die Wohnung unter Lösung des bisherigen Nutzungsverhältnisses einem anderen in Raumnot Befindlichen zuteilen."

Seit dem Einmarsch der Amerikaner war das hiesige Kino in der Flughafenstraße beschlagnahmt, wurde aber nicht mehr genutzt und stand leer. Am 29. November 1945 ging daher ein Antrag der Stadt Herzogenaurach an die Militär-Regierung in Höchstadt an der Aisch, das Kino wieder zuzulassen, um "Entspannungs- und Erholungsmöglichkeit" zu bieten. Außerdem bestünde der Bedarf, den Saal für Versammlungen zu nutzen. Die Reineinnahmen könnten der Stadt zugutekommen, da der bisherige Besitzer auf Grund seiner Parteizugehörigkeit die Betriebserlaubnis nicht erhalten dürfte.