von unserem Redaktionsmitglied 
JOsef Hofbauer

Ebermannstadt — Es war 5 Uhr morgens. Da klingelten Einsatzkräfte der Polizei bei der Flüchtlingsunterkunft am Kapellenplatz in Ebermannstadt. Die Beamten räumten der sechsköpfigen Familie aus Albanien exakt 30 Minuten ein, um ihre Koffer zu packen. Die Eltern und ihre vier Kinder im Alter von 19, 17, 14 und acht Jahren wurden abgeschoben nach Dänemark. Um 13 Uhr wurden die Albaner von den dänischen Behördenvertretern in Kopenhagen erwartet.
Während Christian Kiehr von einer Nacht- und Nebelaktion spricht, verweist Pressesprecherin Kathrin Schürr vom Landratsamt darauf, dass der Landkreis keinen Ermessensspielraum gehabt habe. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge habe um Amtshilfe gebeten. Bei der Familie aus Albanien habe es sich um einen Fall im Rahmen des "Dublin-Verfahrens" gehandelt. Damit werde sichergestellt, dass jeder Asylantrag nur von einem europäischen Mitgliedstaat geprüft wird.

Deutschland außen vor

In diesem Fall von Dänemark, denn dort hatte die Familie aus Albanien ihren ersten Asylantrag gestellt. "Ab da war Deutschland außen vor", so Schürr.
"Nach dem Gesetz ist das völlig richtig", räumt Monika Lloyd, Lehrerin am Gymnasium Fränkische Schweiz ein, die den Kindern der Familie zweimal pro Woche Deutschunterricht erteilt hatte. "Wenn man aber die Familie kennengelernt hat, steckt ein Schicksal dahinter", erklärt die Pädagogin.
Sie erzählt, dass die Familie nach Dänemark flüchtete, weil sie in Albanien um ihr Leben gefürchtet habe. Der Grund: Ein Fall von Blutrache. In den Augen von Monika Lloyd "eine mittelalterlich anmutende Form der Konfliktbewältigung, durch die eine Ehrverletzung gesühnt werden soll. Aug um Aug, Blut um Blut". Getötet würden nur Männer. Die ältesten Söhne fürchteten daher um ihr Leben. Frauen dagegen würden nicht selten verschleppt und zur Prostitution gezwungen, berichtet Maria Lloyd über die Clans, die mafiöse Strukturen angenommen hätten.

Einen Arm verloren

So zumindest hätten die Familienmitglieder ihre Situation geschildert. Sichtbares Zeichen: Einer der Anschläge hatte zur Folge, dass das Familienoberhaupt einen Arm verlor. Als die Albaner nach Dänemark flüchteten, wussten sie nicht, dass dies dort kein Grund war, bleiben zu dürfen. Deshalb flüchteten sie weiter nach Deutschland. Hier habe die Familie wiederholt beteuert, dass es für sie keine Möglichkeit gebe, in Albanien unterzutauchen. Da kenne jeder Polizeichef jeden. Und die Clans hätten zur staatlichen Obrigkeit gute Beziehungen.
"Es ist schwer", seufzt Maria Lloyd, "nicht helfen zu können. Und die Kinder, die alle im Fußballverein waren, konnten sich nicht mal verabschieden." Andererseits ist sich die Lehrerin sicher: "Hätte die Familie am Abend vor ihrer Abschiebung gewusst, dass sie fort müssen, hätten sie Kirchenasyl gesucht oder wären untergetaucht."