Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, heißt es. Wenn ein Maler wie Ralf Vieweg neben dem Pinsel, dann doch zur Feder - sprich Tastatur - greift, muss es schon einen guten Grund geben. Es ist vielleicht der beste Grund, den Autoren haben können: "Ich schreibe vor allem zu meinem eigenen Spaß", sagt er und legt den Probedruck seines neuesten Bandes auf den Tisch.

"Schon wartet auf dich Lebenslust" ist der Titel und ein Versprechen zu den 250 Seiten, die dahinter gebunden auf den Leser warten. War sein erstes Buch "Des Bauern Lohn" ein Märchen, so ist das neue Buch Lyrik-Band. Schreiben in Reimen ist Ralf Vieweg nicht fremd. Schon im Märchen lässt er die Figuren in ihrer wörtlichen Rede ausschließlich in Versform zu Wort kommen.

Fast lauter Gedichte

Nun aber ein ganzer Band fast komplett voller Gedichte. Fast, denn nach rund 8000 Verszeilen folgen noch zwei Erzählungen in Fließtext. Dabei bündelt der Autor eine Vielzahl von Themenbereichen. "Was ich für schreibenswert erachte, ist nicht vor mir sicher", sagt er mit Blick auf das Inhaltsverzeichnis. Liebesgedichte, Tierisches, Skurriles, leicht Frivoles reiht sich aneinander mit Gedichten der leichten Muse, aus dem Reich der Küche oder Balladen. Andere Gedichte fallen in die Rubrik Selbstreflektion und dann geht es wieder um Jenseitiges. Die 18 Zeichnungen im Buch stammen selbstverständlich ebenfalls aus der Hand des Künstlers selbst.

Je nach Inhalt wählt Ralf Vieweg mal den Kreuzreim, mal den den Paarreim, ganz so wie es ihm passend erscheint. Wenn Tiere oder auch Pflanzen im wahrsten Sinne zu Wort kommen, dann wird deutlich, dass sie am Ende nur wieder uns Menschen verkörpern - mit unseren Eigenarten, Fehlern und Schwächen.

Im Grund ein positiver Mensch

Ralf Vieweg lässt das Dunkle, Böse gar den Teufel selbst in seine Verse hinein. Am Ende aber dürfen selbst Dämonen meist nur geläutert wieder heraus, müssen aus der Dunkelheit ins Licht, weil das Gute siegt. "Ich bin im Grunde eben eine positiver Mensch", erklärt der Autor dazu. Und auch in seinen Bildern zeigt er ja gern das Schöne, bevorzugt in weiblicher Gestalt.

So wie sie sind, hätte er die Geschichten in seinen Gedichten kaum in anderer als der Gedichtform erzählen können. Zeilen wie: "Ne kurvenreiche Fleischtomate

stahl sich einfach so von ihrem Strauch

Die Verwandtschaft fand das sehr schade,

der Lauch als Patenonkel auch",

erinnern an Wilhelm Busch oder Heinz Erhard. Das ist ebenso wenig unbeabsichtigt, wie es berechtigt ist, sich an solchen Vorbildern zu orientieren, wenn Lyrik gern auch unterhalten soll.

Schreibt Ralf Vieweg auch vor allem zu seinem eigenen Spaß, so fände er es doch sehr schade, wenn nichts von seiner Arbeit der Nachwelt erhalten bliebe. "Ich möchte etwas schaffen, das nicht weggeschmissen wird, wenn ich einmal nicht mehr bin", sagt er.

Daher lässt er seine Werke nun drucken. Bücher bleiben eher erhalten als Aktenordner voller Aufzeichnungen, ist er überzeugt.

Und Bücher ermöglichen es eben auch, seine Gedanken mit anderen zu teilen. Wer sein Märchenbuch gelesen hat, wird sich bestimmt auch für den Lyrikband interessieren und wohl auch nicht enttäuscht.

Cover selbst gemalt

Dass auch das Cover für sein Buch von ihm entworfen und zuerst gemalt worden ist, muss wohl nicht erwähnt werden. Der Adler, der sich gerade von einem Felsen löst, um hinaus ins Nichts aufzubrechen, ins Glück vielleicht oder in ein besseres Leben soll die Grundaussage des Buches symbolisieren. So endet jeder Flug, jeder Weg seiner Helden im Grunde glücklich - selbst wenn die Figur dafür gefressen werden muss.

Ein eigenes Kapitel widmet Ralf Vieweg der Selbstreflektion, der Schwierigkeit, immer die rechten Worte zu finden, die wohl jeder Autor kennt. Ebenso wie die Freude über einen Text, den er selbst für gelungen hält: "Manchmal lache ich selbst über eine Passage, die ich gerade geschrieben habe, weil sie mir gefällt und ich sie lustig finde."

Wer das Buch gern zu Weihnachten verschenken oder im wohl nicht so bald endenden Lockdown lesen will, bekommt es zunächst nur über die Galerie 13, bei Ralf Vieweg selbst. Und gerade in Zeiten wie diesen mag der Leser am Ende die letzten Worte, des letzten Textes in dem Band laut aussprechen: "Ach, ist das Leben schön."