Matthias Einwag Eine ungewohnte Kulisse bietet sich derzeit noch in den weitläufigen Außenbereichen der Obermain-Therme: Vögel zwitschern, Rasenmäher knattern und einige Mitarbeiter des Thermalbads sind dabei, die Außenbecken zu reinigen, bevor diese wieder mit Wasser befüllt werden. Die noch leeren Wiesen müssen noch mit Liegen bestückt werden, die in abgemessenem Abstand stehen. Doch bis zur Wiedereröffnung nach dem Lockdown hat das Team der Therme ja noch ein paar Tage Zeit: Am 13. Juli öffnet das Thermalbad wieder.

Seit Mitte März hatte der Lockdown die Obermain-Therme im Griff. Weil seitdem keine Gäste kommen durften, waren die Mitarbeiter seit Anfang April in Kurzarbeit. Diese Zwangspause wurde von der Thermenleitung genutzt, um dringende Renovierungsarbeiten an Becken und technischen Anlagen auszuführen. Bis Ende nächster Woche sollen alle Becken wieder befüllt sein, sagt Werkleiter Hans Josef Stich. Das dürfe nicht auf einmal geschehen, sondern nach und nach, um nicht zu schnell Thermalsole aus 1600 Metern Tiefe zu fördern.

Bis zum 13. Juli seien die Renovierungsarbeiten abgeschlossen, die während der unbeabsichtigten Zeit der Schließung ausgeführt wurden. Als die Bassins vor einigen Wochen abgelassen waren, waren Schäden an den Betonfundamenten der älteren Becken festgestellt worden, die das aggressive Salz in drei Jahrzehnten verursacht hat. "Wir haben erstmals nach 30 Jahren Betriebszeit alle fünf Wasserbehälter der Wasseraufbereitung saniert", sagt Stich. Das sei ein enorm aufwändiges und zeitraubendes Projekt gewesen, das im Regelbetrieb nicht ausführbar gewesen wäre. Im laufenden Betrieb sei es nicht möglich, das "Herzstück der Technik" stillzulegen und alle Becken gleichzeitig zu leeren, ergänzt der Werkleiter, also sei die Zeit des Stillstands für diese Reparaturen genutzt worden: "Das wäre sowieso gekommen. Das kann man nur machen, wenn die ganze Therme geschlossen ist."

Nachdem nun seit einigen Tagen von mehreren bayerischen Ministerien ein Konzept zum Hochfahren von Schwimmbädern und Wellnessbetrieben vorliege, sei eine Basis geschaffen, um den Betrieb wieder aufzunehmen, sagt Stich. "Wir überlegen uns, wie wir es konkret machen können und orientieren uns daran, wie es andere Bäder machen", fährt er fort.

Um sich ein Bild zu machen, besuchte Hans Josef Stich in den vergangenen Tagen drei ähnliche Betriebe - zwei in Brandenburg, einen in Bayern. In einem dieser Bäder sei der Versuch gemacht worden, die Minimaldistanz in den Saunabereichen durch Klebestreifen sichtbar zu machen. Diese Kunststoffbänder lösen sich jedoch bei Feuchtigkeit und hohen Temperaturen sehr schnell vom porenreichen Holz der Saunabänke - dieses System sei also im täglichen Betrieb nicht praktizierbar.

"Wir überlegten uns, was wir konzeptionell besser machen können", sagt Hans Josef Stich. Also kam das Staffelsteiner Sauna-Team auf die Idee, schmale Holzlatten als Abstandshalter auszulegen. Rund 100 dieser Platzhalter-Brettchen mit der Aufschrift "dei Plätzla" werden in den kommenden Tagen hergestellt und in den Saunen der Obermain-Therme installiert.

Hinzu kommen ausgewiesene und abtrassierte Einbahnstraßen im Eingangsbereich, die verhindern sollen, dass sich Badegäste zu nahe kommen.

710 Personen dürfen ab 13. Juli gleichzeitig die Therme besuchen. Das sind zunächst einmal 50 Prozent der Gäste, die vor Ausbruch der Pandemie ins Thermalbad gelassen werden konnten. Beim Wort "gleichzeitig" konkretisiert der Werkleiter: Dies bedeute nicht, dass täglich nur 710 Personen eingelassen werden. Am Kassenterminal werde gezählt, wie viele Menschen sich aktuell in Thermalbad und Saunaland befinden. Verlassen beispielsweise drei Personen den Badebereich, so können drei andere eingelassen werden. Angesichts dessen, dass der Drei-Stunden-Tarif bei den Gästen der beliebteste ist, könne man über den Daumen gepeilt sagen, dass im Tagesverlauf ein dreifacher Wechsel der Badegäste stattfinde. Nicht einbezogen seien dabei die Therapiegäste, die ohnehin kürzer verweilen. "Ich erwarte zunächst keine großen Engpässe und dass Leute nicht an der Kasse warten müssen", sagt der Werkleiter.

"Wir müssen die unterschiedlichen Regelungen für Bäder-, Therapie- und Gastronomiebereich unter einen Hut bringen", ergänzt Stich und fügt hinzu: "Es wird leider auch Einschränkungen für den Gast geben." Die Dampfbäder und die Whirlpools müssten wegen der Solevernebelung außer Betrieb bleiben. Zudem werde es während der Aufgüsse zunächst keine Verwendung des Aerosols geben. Sicher gelte es, manches beim Besuch der Therme zu beachten - aber wenn alle sich verantwortungs- und rücksichtsvoll verhalten, stehe dem erholsamen Aufenthalt nichts im Weg.

Ein endgültiges Konzept für Gäste und Mitarbeiter werde gerade erstellt: "Wir sind dabei, das final zu überarbeiten." Im Team der Therme sei jedoch große Erleichterung spürbar: "Wir freuen uns alle, dass es endlich wieder losgeht."