Anfang Februar letzten Jahres hat sich die 52-jährige Schweinfurterin von ihrer Nageldesignerin 729 Euro geben lassen. Das Geld sollte für ein Smartphone, ein Tablett und sechs Stangen Zigaretten sein - günstig, aus Restbeständen der US-Armee. Das Problem: Die Waren hat es nie gegeben, die Frau hat sie erfunden, das Geld kassiert, aber nie geliefert. Zudem hat sie sich gegenüber der Betreiberin des Nagelstudios noch als Polizistin ausgegeben.
Das räumt die 52-Jährige vor dem Amtsrichter auch umgehend ein. Als Motiv für den Betrug gibt sie an, den Tod ihrer beiden kleinen Söhne vor mehr als 20 Jahren nicht verkraftet zu haben. Diese seien mit einer unheilbaren Krankheit zur Welt gekommen und nach wenigen Jahren gestorben. Seither versuche sie sich immer wieder mit Konsum darüber hinwegzutrösten - den sie allerdings fatalerweise oft über Betrügereien finanziert.
Dafür steht eine ganze Litanei im Bundeszentralregister seit den 90er Jahren: 13 Vorstrafen wegen Diebstahls, Untreue, meistens aber wegen Betrugs, mal in Einzelfällen, mal in acht, zwölf oder gar 21 Fällen. Immer wieder saß die Frau dafür schon im Gefängnis, Bewährungsstrafen wurden widerrufen. Auch zu diesem Gerichtstermin bringen sie zwei Polizisten aus der JVA Aichach nach Schweinfurt. Vor zwei Jahren war sie wegen vielfachen Betrugs zu drei Jahren Haft verurteilt worden.


Behandlung bei Therapeutin

Die Angeklagte klagt wie ihre betagten Eltern darüber, dass sie eine Therapie machen wolle, aber entweder keinen Therapeuten finde oder bisherige Therapien nichts gebracht hätten. Derzeit sei sie in der Haft bei einer Traumatherapeutin in Behandlung.
Die Staatsanwältin zeigt Verständnis für das Trauma über den Verlust der beiden kleinen Söhne und die schwierigen Lebensumstände der 52-Jährigen. Andererseits sei die Angeklagte in dem neuerlichen Betrugsfall ausgesprochen planvoll und zielgerichtet vorgegangen, so die Staatsanwältin. Die 52-Jährige habe sich nämlich in Form einer "handfesten Lüge" als Polizeibeamtin ausgegeben, um bei der Geschädigten Vertrauen aufzubauen. Die Staatsanwältin fordert eine zehnmonatige Haftstrafe. Die Verteidigerin räumt ein, dass ihre Mandantin immer nach demselben, sicher verwerflichen Muster vorgehe. "Sie versucht, sich zu belohnen, indem sie Geld erschleicht, um in ein anderes Leben abzutauchen." Haft werde die Frau aber nicht heilen, "sie braucht eine Therapie". Drei Monate Freiheitsstrafe hält die Anwältin für ausreichend. Sechs Monate Haft seien angemessen, angesichts der vielen Vorstrafen ohne Bewährung, meinte der Richter. Und: "Ich hoffe, dass die Traumatherapie etwas bringt." fan