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Lichtenfels
Gericht

62-jähriger Autofahrer touchiert Biker absichtlich am Bein: 13 500 Euro Geldstrafe

Die Strategie des Anwalts schien geschickt. Nur fruchtete sie nicht. Richterin Daniela Jensch bekannte in einem eigenwilligen Vorfall um gefährliche Körperverletzung auf eine fünfstellige Geldstrafe f...
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Die Strategie des Anwalts schien geschickt. Nur fruchtete sie nicht. Richterin Daniela Jensch bekannte in einem eigenwilligen Vorfall um gefährliche Körperverletzung auf eine fünfstellige Geldstrafe für einen 62-Jährigen aus dem westlichen Landkreis.

Da war dieser 15. September 2019 und es war 16.40 Uhr. Bei einem Ort im westlichen Landkreis stellten drei junge Männer ihre Motorräder ab, da einer von ihnen von einer Biene oder Wespe gestochen worden war. Nach Staatsanwalt Mario Geyer habe sich dann ereignet, dass sich der 62-jährige Mann mit seinem Auto genähert habe, passieren wollte, ungeduldig und beleidigend wurde und einem der dort stehenden Motorradfahrer mit dem Auto gegen das Bein gefahren sei. Eine gefährliche Körperverletzung also, da ein Tatmittel genutzt wurde. Noch dazu eine Nötigung, da der Mann sich über diese Aktion den Weg frei machen wollte.

Doch eben diesen Ablauf bestritt der Angeklagte, der neben seinem Verteidiger Kilian Pezold Platz genommen hatte, vehement. Er sei langsam gefahren und habe um Wegfreigabe gebeten. Aber von den drei Männern keine Antwort erhalten. Als er letztlich weiterfuhr, habe er im Rückspiegel noch gesehen, wie ihn einer der drei Motorradfahrer, ein 20-jähriger Landwirt, mit seinem Handy fotografierte.

Kaum Platz zum Durchfahren

Den Angaben des Autofahrers zufolge sei nicht so recht Platz zum Durchfahren gewesen, denn die Straße sei von den abgestellten Maschinen verengt worden. "Die Jungen warteten geradezu darauf, aber ich habe mich nicht provozieren lassen", gab der Mann zu Protokoll. Seinen Einlassungen zufolge hätten sich die abgesessenen Motorradfahrer einen Spaß daraus gemacht, zu blockieren.

Dann wurden Bilder in Augenschein genommen, auf denen zu sehen war, dass ein Motorrad tatsächlich wohl etwas im Weg stand. Aber wie kam es dann, dass ein anderes Auto zuvor keine Probleme damit hatte, an den drei jungen Männern vorbeizufahren? Von "deutlich Platz" war dabei sogar die Rede und im Zeugenstand wiederholten alle drei jungen Männer, dass ein Auto ohne Probleme hätte an den abgestellten Motorrädern vorbeifahren können. "Er kam angefahren, hat gestikuliert und durch runtergelassene Fenster rausgeschrieen", erinnerte sich der 20-jährige Landwirt für das Protokoll. Nach seiner Entgegnung, wonach genug Platz sei, sei der 62-Jährige in "stotternder Weise angefahren". Allerdings ihm gegen das linke Bein, mit der Folge von gehörigem Schmerz. "Wir haben uns nicht aggressiv oder provokativ verhalten", bekräftigte er noch.

"Hau ab, sonst fahr ich dir ans Bein, meine ich mich zu erinnern", gab auch der 18-jährige Motorradfahrer dazu an, was er gehört habe. Nach seiner Aussage habe der Angeklagte den 20-Jährigen sogar zweimal am Schienbein erwischt. Aber ansonsten sei er "mehr auf den (erlittenen) Stich fokussiert" gewesen. Auch ein Polizeibeamter kam zur Sprache und sollte davon erzählen, wie glaubwürdig sortiert der 20-jährige Anzeigenerstatter auf ihn wirkte. Da sei "kein Belastungseifer" gewesen, wohl aber schlüssige Erinnerungen. Immer wieder nahm sich Richterin Jensch das Foto vor, welches von dem 20-Jährigen kurz nach der angeklagten Tat geschossen wurde. Auf ihm war ein Motorrad zu sehen, dessen Helm auf der Stange für den Rückspiegel hing. Zu sehen war aber auch das wegfahrende Auto, von dem nach Ansicht des Fotos zu vermuten stand, es habe genügend Platz zum Vorbeifahren gehabt. Überdies bestätigten alle drei Motorradfahrer, dass es eben ein anderes durchfahrendes Auto auch gegeben habe, welches ohne Anstalten und Komplikationen durchkam.

In seinem Plädoyer sollte Rechtsanwalt Pezold am Ende der Verhandlung bei seiner Strategie bleiben. Ihm sei bekannt, wonach es "unter Buben auf dem Dorf eine Gruppendynamik" gebe und eben diese habe wohl gegriffen und sein Mandant sei provoziert worden. Sie habe seinen Mandanten "als gutes Opfer" betrachtet und darum sei "die einzige Konsequenz" ein Freispruch. Das sah der Staatsanwalt naturgemäß anders. Nach Geyer hatte sich der Sachverhalt "wie in der Anklage niedergelegt" erwiesen. Er forderte, dem guten Einkommen des Angeklagten geschuldet, 120 Tagessätze zu je 150 Euro Geldstrafe, eben wegen gefährlicher Körperverletzung.

Dann oblag es Jensch, die Sache zu einem Ende zu bringen. Es erging ein Urteil wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Nötigung. Aus den 120 Tagessätzen machte sie 90, betonte aber dabei, dass sie "die Beweisaufnahme überzeugt" habe. Im Wesentlichen hätten die drei jungen Männer den Hergang gleich geschildert. Und wie "man auf die Idee kommen sollte, bei einem erfolgten Bienenstich noch jemanden provozieren zu wollen", konnte sie nicht nachvollziehen. Doch die meiste Beweiskraft durfte wohl das besagte Foto gehabt haben. "Man sieht, dass man mit dem Auto problemlos vorbeifahren kann", so die Richterin.