Der Angeklagte aus dem Landkreis Kronach zeigte sich schon zu Prozessbeginn beim Verlesen der Anklageschrift reumütig. Ihm wurde vorgeworfen, sexuelle Handlungen an einer Frau gegen deren Willen vorgenommen zu haben, die aufgrund ihres psychischen Zustandes nur eingeschränkt widerstandsfähig war. Nach einer kurzen Besprechung mit Verteidiger Björn Kleyhauer räumte der Angeklagte den Tatvorwurf ein. So konnte ihn Richter Hendrik Wich bereits eine Stunde später wegen sexuellen Missbrauchs eingeschränkt Widerstandsfähiger zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilen.Der Verurteilte bezeichnete die Tat als Fehler seines Lebens.


Keine Zustimmung

Der Angeklagte stand durch seine Arbeit in einer sozialen Einrichtung im privat-freundschaftlich Verhältnis mit der Frau und ihrem ebenfalls behinderten Freund. Das Paar kam in der Vergangenheit schon öfter auf ihn zu, wenn es etwas Zeit für Zweisamkeit wollte.Dann bot er ihnen als Rückzugsort den Heizungsraum an und schloss ihn für das Paar auf. Der Angeklagte verließ den Raum jedoch nie - und beobachtete das Geschehen. So auch im Mai diesen Jahres. Doch damals hatte der Angeklagte nicht nur zugesehen, sondern die Frau im Beisein ihres Freundes oberhalb der Kleidung am Gesäß und unterhalb der Kleidung an der Brust und im Intimbereich berührt. Als die Geschädigte ihn daraufhin aufforderte aufzuhören, ließ er von ihr ab. Ihr Freund hatte den Vorfall schließlich gemeldet, woraufhin sich die Betreuerin der Geschädigten bei der Polizei meldete. Der Angeklagte wurde fristlos gekündigt und hatte die Tat zunächst abgestritten.


Schwierige Situation

Der Richter entnahm dem psychiatrischen Gutachten, dass der intellektuelle Reifegrad vergleichbar mit dem einer Siebenjährigen sei. Daher sei die Frau in der Bildung eines eigenen Willens im Hinblick auf ihre Sexualität erheblich eingeschränkt. Ihre Sprachentwicklung und das Sozialverhalten seien unausgereift. Auch ihr Freund, der einzige Anwesende bei der Tat, ist geistig eingeschränkt. Befragungen durch die Polizei erwiesen sich als problematisch. Auch die Mutter des Opfers könne nicht beurteilen, ob die Tochter unter den Folgen der Tat leidet. Durch ihre Behinderung könne die Geschädigte kaum Emotionen zeigen.

Der Richter erkannte zugunsten des Angeklagten an, dass durch sein Geständnis ein langwieriges und schwieriges Gerichtsverfahren für alle Beteiligten erspart geblieben ist.


Große Reue

Vor dem Urteilsspruch plädierte die Verteidigung auf einen minderschweren Fall von sexueller Nötigung. Björn Kleyhauer erklärte, dass die Tat nie geplant und sofort abgebrochen wurde, als die Frau ihre Ablehnung kundgab. Sein Mandant habe die Situation fehlinterpretiert und durch die vergangenen Erlebnisse nicht gewusst, wie weit er gehen durfte. Kleyhauer betonte: "Es handelt sich um ein einmaliges Fehlverhalten meines Mandanten." Dieser bereue die Tat von ganzem Herzen. "Ich würde es gerne rückgängig machen, aber das geht nicht", fügte der Angeklagte zu seiner Verteidigung hinzu.

Der Richter sah darin allerdings keine Rechtfertigung für den Übergriff. Vielmehr stufte er es als äußerst grenzwertig ein, dem Paar keine Privatsphäre gelassen zu haben. Auch sei dem Angeklagten bewusst gewesen, dass die Frau geistig behindert ist. Sie stehe deshalb vor dem Gesetz unter einem besonderen Schutz.

Die Staatsanwaltschaft legte dem Angeklagten ebenfalls zur Last, dass er das Vertrauensverhältnis, welches er von der Geschädigten über Jahre hinweg genoss, ausgenutzt habe und keine Hemmung hatte, sie unterhalb der Kleidung anzufassen. Richter Hendrik Wich schloss sich am Ende der Auffassung der Staatsanwaltschaft an. Es könne sich hierbei nicht um einen minderschweren Fall handeln. Allerdings setzte er "das Strafmaß am unteren Strafrahmen an". Er berücksichtige zugunsten des Angeklagten, dass er bisher keine Vorstrafen hatte und die Tat bereut. Darüber hinaus habe der Mann schon viele berufliche, finanzielle und soziale Einbußen hinnehmen müssen . Es ist wahrscheinlich, dass es sich um einen einmaligen Fehler handelt. Dennoch betonte Wich: "Das ist kein Freispruch zweiter Klasse." Zu den Verfahrenskosten muss der Angeklagte zusätzlich 1500 Euro Strafe zahlen.