"Hochbeete für Jung und Alt" in Weidach, neue "Pflückmich"-Obstbäume für Bad Rodach, Fotopoints in Seßlach, ein Anhänger zum Transport von Gartengeräten für den Itzgrund oder die Renovierung eines Bienenhauses in Ahorn: All diese Projekte von Ehrenamtlichen werden zusammen mit 55 weiteren geplanten Maßnahmen von der Initiative Rodachtal (IR) aus dem Regionalbudget 2021 unbürokratisch gefördert. So viele wie nie.

Auch die Zahl der Bewerbungen aus dem bayerischen Teilraum mit den Kommunen Ahorn, Bad Rodach, Itzgrund, Seßlach und Weitramsdorf übertraf mit 74 die Vorjahre. "Die Auswahl fiel der Jury sehr schwer", sagte der Vorsitzende der IR, Ahorns Bürgermeister Martin Finzel (parteilos). Beispielhaft erhielten die genannten Projekte - je eines aus den fünf Mitgliedsgemeinden - am Donnerstag im ASB-Quartiershaus in Weidach von Finzel den Förderbescheid.

Zusammen mit den von Pia Dohles betreuten "Gartenwichteln" vom Obst- und Gartenbauverein Neundorf möchte ASB-Quartiersmanager Andreas Bär Hochbeete bauen, einen Pfad mit Beerensträuchern anlegen und eine Bank zum Verweilen aufstellen. Mit dem Geld sollen Material und Arbeitsgeräte gekauft werden. Dass dieses Projekt beim Gärtnern Jung und Alt zusammenführt, freut Bürgermeister Andreas Carl (DGN) besonders. Beteiligen könnten sich auch Hobbygärtner aus anderen Gemeindeteilen.

Wie die Hobbygärtner in spe erfüllte auch das "Pflückmich"-Team um Anne Förster die Voraussetzungen für den Erhalt des Zuschusses: Mindestens fünf Ehrenamtliche engagieren sich für ein Vorhaben und bringen selber 20 Prozent der Kosten als Eigenanteil auf. In Bad Rodach haben sich Hobbygärtner, OGV-Mitglieder, Landwirte und Förster zusammengeschlossen, damit nicht genutztes Obst auf den Bäumen nicht verrottet. Mit Banderolen und Schildern kennzeichnen sie die Bäume, die Passanten kostenlos abernten dürfen.

"Dieses Projekt wollen wir jetzt weiterführen und gern über unsere Kommune hinaus ausdehnen", erläuterte Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD). Selbst aus Sonnefeld oder Coburg kämen Interessierte, berichtete Förster. Nun sollen weitere Bäume gepflanzt werden. Wo genau Obst gepflückt werden darf, kann unter www.mundraub.org nachgelesen werden. "Auch Helfer werden noch gesucht", sagte Förster.

Aus Bad Rodach und Seßlach kamen die meisten Bewerbungen, wie Finzel verriet. Stellvertretend präsentierte 2. Bürgermeisterin Renate Schubart-Eisenhardt (CSU) das Projekt "Fotopoints", das dem Tourismus der Stadt einen "Schub" bringen soll: Mit Markierungen wie Bodenplatten oder Fotorahmen gilt es in und um die historische Altstadt interessante Stellen für Schnappschüsse oder Selfies zu markieren. Da eine derartige Tourismusförderung keine Pflichtaufgabe der Stadt sei, könnten die Ausgaben mit Hilfe des "5 für 500"-Anteils und einem Unternehmer als Sponsor "kostenneutral" gehalten werden, erläuterte Carsten Höllein, der als Vorsitzender des Tourismus- und Kulturausschusses den Bescheid entgegennahm. Sein Vorschlag: "Auf dem gesamten Gebiet der Initiative könnte diese Art die Heimat neu zu entdecken Schule machen!" Online gestellt, ließen sich die Fotos anschließend zu Werbezwecken nutzen.

Mehr Anträge als Fördermittel

Da das Volumen der Anträge von Vereinen, Einrichtungen oder Zusammenschlüssen von Privatpersonen den Fördertopf von 100 000 Euro "um ein Vielfaches" überstieg, wurde die Förderung teilweise gekürzt. So erhielten nicht alle die üblichen 80 Prozent. Finzel: "Nach dem schweren Corona-Jahr waren die meisten froh, überhaupt Unterstützung zu bekommen." 90 000 Euro stellt das Amt für Ländliche Entwicklung in Oberfranken (ALE) über das Programm zur "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" bereit, 10 000 Euro kommen von den fünf beteiligten Kommunen.

Im Itzgrund erhält unter anderem der Verband für Wohneigentum Mittel, um einen "Anhänger zur gemeinsamen Nutzung" anschaffen zu können. "So lassen sich die zur Ausleihe bereitstehenden Gartengeräte wie Häcksler, Kreissägen oder Rüttelplatten leichter zum Einsatzort transportieren", schilderte Bürgermeisterin Nina Liebermann (CSU).

"Das mit den Bienen und Blumen"

Auch Matthias Reg freute sich, zu den Auserwählten zu gehören: Der Hobby-Imker bringt seit einiger Zeit Ahorner Schülern näher, "wie das mit den Bienchen und Blümchen funktioniert". Neben dem Schulimkern hat er auch die Bienen an der Alten Schäferei übernommen und setzt dort das Imkern als Teil des museumspädagogischen Programmes in Kooperation mit dem Förderverein des Gerätemuseums des Coburger Landes um. Um die Sicherheit der Besucher zu garantieren und die Bienen artgerecht zu halten, muss nun das historische Bienenhaus renoviert werden. Seinen Anteil möchte Reg zum Kauf historischer Materialien wie Lehm, Holz oder Kalk verwenden. "Da das Bienenhaus in Lehmbauweise erbaut wurde, passt es gut zur Initiative, wir richten ja auch Lehmbauseminare aus", so Finzel.