Dass sich der 38-jährige Burgkunstadter an diesen Augusttag 2019 nicht mehr erinnern konnte, verwunderte, denn es war wirklich viel passiert. "Ich sag' Ihnen alles, was ich weiß", sagte der Mann am Dienstagmorgen gegenüber Richterin Daniela Jensch im Amtsgericht. Es ging um einen Diebstahl, der dem Mann 500 Euro eingebracht haben soll. Aus einem Büroraum soll er das Geld entwendet haben, auch mittels eines nachgemachten Schlüssels. Doch er soll auch einen Sachschaden angerichtet haben, der höher lag als der Betrag des gestohlenen Geldes.

Woran sich der Mann während seiner Befragung allerdings erinnern konnte: Er habe in jener Nacht zum 3. August ein Antidepressivum eingenommen - in Kombination mit Alkohol. Irgendwann sei er in einen Fluss gefallen, und am Morgen habe er gemerkt, dass er 300 Euro bei sich trug.

Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Roland-Stephan Lehnert, brachte vor, dass der Sachschaden weit unter dem von Staatsanwältin Anna Saam genannten Betrag gelegen habe. Wieso Saam von 500 Euro ausging, wo doch die bestohlene Firma von einem "Gutmachbetrag" von 300 Euro sprach, erfuhr ein Prozessbeobachter nicht. Dafür erfuhr er von Lehnert, dass sein Mandant damals Selbstanzeige erstattet habe. Dies bestätigte im Zeugenstand ein mittlerweile pensionierter Polizist.

Wie Richterin Daniela Jensch verlas, hat der Angeklagte im Bundeszentralregister elf Einträge: Viermal war er wegen Diebstahls, zweimal wegen Körperverletzung und weitere Male wegen Sachbeschädigung oder Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt.

Der Burgkunstadter zeigte sich einsichtig: "Zu verteidigen gibt es nichts, euer Ehren. Ich schäme mich wirklich."

Doch wie teuer sollte ihn der Vorfall kommen? Staatsanwältin Saam meinte, dass 130 Tagessätze zu 40 Euro tat- und schuldangemessen seien. Diese sich somit auf insgesamt 5200 Euro belaufende Geldstrafe sei aber die letzte - was danach folgen würde, wäre eine Haftstrafe.

Richterin Jensch beließ es bei einer Geldstrafe von 4800 Euro. "Jetzt noch mal 'ne Geldstrafe - dann möchte ich Sie hier auch nicht mehr sehen", gab die Richterin dem Mann mit auf seinen Weg aus dem Gericht. MH