Vor 20 Jahren erschien das Buch "Neubeginn in Oberfranken 1945-1949 Die Landkreise Kronach und Kulmbach", Herausgeber war der Verein 1000 Jahre Kronach, Autor Peter Zeitler.
So interessant und bedeutend diese 527 Seiten starke Publikation ist, so spannend ist auch ihre Vorgeschichte. Eine Story, die sich vor über 20 Jahren ereignete. Wir sprachen mit dem Kreisheimatpflege-Leiter im Landratsamt Kronach, Bernd Graf, der damals indirekt, aber doch auch entscheidend, an dieser von Zufällen geprägten Story eines ganz besonderen "transatlantischen Forscherduos" mitwirkte.
Zwei "Geschichtsforscher" sind, ohne zunächst voneinander zu wissen, an der gleichen Thematik dran: Da ist einerseits ein Amerikaner, der früher als Soldat in Kronach Dienst tat und hier seine Frau kennenlernte; er erkundet "hobbymäßig" vor allem die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und den Einmarsch der US-Streitkräfte in Kronach.
Und da ist anderseits ein junger oberfränkischer Historiker, der an seiner Dissertation arbeitet (über den Neubeginn 1945 bis 1949 in Oberfranken), wobei ihn auch der vorangegangene Krieg und der Einmarsch der Amerikaner im Landkreis Kronach intensiv beschäftigen. Das Buch von Autor Peter Zeitler erscheint 1997 unter dem Titel "Neubeginn in Oberfranken, 1945-1949 Die Landkreise Kronach und Kulmbach" und wird vom Verein "1000 Jahre Kronach" herausgegeben.
So erinnert sich Bernd Graf heute noch: "Der Zufall will es damals so, dass sich beide fast zeitgleich im Mai 1994 an die Kreisheimatpflege im Landratsamt, also an mich, wenden. Ich vermittelte einen Kontakt zwischen dem ehemaligen US-Soldaten Albert T. O'Connell und dem späteren Buchautor Peter Zeitler, aus dem sich eine produktive Zusammenarbeit entwickelte." Diesem Kontakt sind wichtige Erkenntnisse und Veröffentlichungen über die betreffende Geschichtsphase aus Kronacher Sicht zu verdanken - so unter anderem aufschlussreiche Passagen dem Zeitler-Buch von 1997. Albert T. O'Connell stellte sich 1994 als "An old friend of Kronach" vor. Aus dem US- Bundesstaat Vermont schrieb er am 5. Mai an den "Arbeitskreis für Heimatpflege im Landkreis Kronach beim Landratsamt". Seinem Brief, der auf dem Schreibtisch von Bernd Graf "landete", war zu entnehmen, dass O'Connell 1955/56 "a soldier in the Festungsstraße" in Kronach gewesen und dass seine Ehefrau Margit, eine Kronacherin mit dem Geburtsnamen Wachter, 1957 nach Amerika ausgewandert war. Als an der Geschichte Kronachs Interessierter erkunde er derzeit die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs und den Einmarsch der US-Streitkräfte in die Stadt Kronach am 12. April 1945. Seine Hauptinformationsquelle auf deutscher Seite sei bisher Willi Schreibers Handbüchlein "Die letzten Tage" aus dem Jahr 1965 gewesen. Nun habe er mit der Sammlung von Informationen aus amerikanischen Veröffentlichungen militärischer und ziviler Art begonnen, teilte "Hobby- Historiker" O'Connell mit.
Bernd Graf hat nun 2017 von sich aus nochmals Kontakt zu Peter Zeitler aufgenommen, der mittlerweile in Miesbach wohnt und sich merklich gerührt an Albert ("Al"), seinen Freund aus jenen Tagen, erinnert. Zeitler schrieb daraufhin im Mai 2017 an Bernd Graf: "Es war in der Tat ein Glücksfall, Albert O'Connell kennengelernt zu haben. Daran, lieber Herr Graf, sind Sie ,schuld‘. Er hat mich mit manchen Informationen ,gefüttert‘, an die man Mitte der 1990er Jahre nur mit viel Aufwand herankam." Insbesondere profitierte er, Zeitler, von O'Connells Erkenntnissen aus Archivrecherchen und Zeitzeugenbefragungen in den USA. Graf, der jetzt bei Zeitler nachfragte, wie sich die seinerzeit von ihm vermittelte Kooperation weiterentwickelt hatte, erfuhr nun, dass der für die Geschichtsforschung so ergiebige Kontakt zu O'Connell schon vor Jahren abgebrochen war.


Transatlantische Initiative

So hatte es also der Zufall gewollt, dass hier eine transatlantische Forschungsinitiative nicht nur zu einer Teamarbeit, sondern auch zu einer Freundschaft über den Atlantik hinweg zusammenführte. Schließlich führte die Dissertation auch zur Erlangung der Doktorwürde für Peter Zeitler. Für den damaligen Bürgermeister Manfred Raum, der damals wie heute noch, Vorsitzender des Vereins "1000 Jahre Kronach" ist, war es, wie für die Mitglieder des Vereins, keine Frage, die Herausgabe dieses Buches zu fördern und zu unterstützen.
"Schon vor Herausgabe des Buches 1997 und auch noch hinterher hat Dr. Zeitler eine Reihe von Aufsätzen in unserer Zeitschrift veröffentlicht. Aufgrund der guten Zusammenarbeit war es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass der Verein 1000 Jahre Kronach die Herausgabe (Finanzierung) der Dissertation für eine breite Leserschaft übernimmt", so Manfred Raum.