Im Dezember verschickte die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl an einen 20-Jährigen. Weil der junge Mann im letzten Jahr während des Bezuges von Arbeitslosengeld einen Ferienjob angetreten, aber nicht gemeldet hatte, sollte er wegen Betrugs eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 40 Euro, also insgesamt 1200 Euro, zahlen. Der 20-Jährige legte Einspruch ein, so dass es zur Verhandlung am Amtsgericht in Haßfurt kam. Der Betrugsprozess wurde mit einer 40-Arbeitsstunden-Auflage eingestellt.

Im Frühjahr 2019 bezog der 20-Jährige aus dem Maintal Arbeitslosengeld von der Agentur für Arbeit. Im Juni suchte er sich dann einen Ferienjob in der Schweinfurter Großindustrie.

Wie er dem Jugendrichter mitteilte, ging er davon aus, dass er diese Beschäftigung dem Amt nicht mitteilen müsse. Damit aber lag er eindeutig falsch.

Da die Behörde von dem Job keine Kenntnis hatte, lief die Unterstützung weiter. Für den Zeitraum vom 3. Juni bis zum 30. Juni 2019 bezog er unrechtmäßiges "Stempelgeld" von insgesamt 834 Euro - für die Juristen ein "rechtswidriger Vermögensvorteil". Wie inzwischen üblich, fand ein automatischer Datenabgleich mit der Krankenversicherung statt. Und schon hatte "Kommissar Computer" zugeschlagen. An diesem Beispiel sieht man, wie im digitalen Zeitalter immer mehr Behörden zeitnah miteinander vernetzt sind.

Im Sommer letzten Jahres teilte die Arbeitsagentur dem Ferienjobler mit, dass er den genannten Betrag zu Unrecht erhalten habe. Daraufhin reagierte der Angeschuldigte vorbildlich. Er suchte das Amt in Haßfurt auf und vereinbarte einen "Deal" über die Rückzahlung in monatlichen 50-Euro-Raten. Inzwischen ist ein erheblicher Teil des Geldes zurückgeflossen. "Ich habe das unrechtmäßig erhaltene Geld nie behalten wollen", betonte der Beschuldigte.

Persönliche Situation

Sein Rechtsanwalt Bernhard Langer informierte das Jugendgericht in groben Zügen über den persönlichen und beruflichen Werdegang seines Mandanten. Dessen frühe Kindheit, so der Advokat, sei von einer problematischen Elternsituation mit einem alkoholkranken Vater geprägt gewesen. Die Scheidung der Eltern erfolgte, als der jetzt Angeklagte gerade mal fünf Jahre alt war. Seitdem war die Mutter bei der Erziehung des Sohnes auf sich alleine gestellt. Immer wieder habe es finanzielle Engpässe gegeben, so Langer. Um über die Runden zu kommen, habe die Frau immer wieder geringfügige Beschäftigungen angenommen. Mutter und Sohn müssten von der Hand in den Mund leben, sagte der Anwalt.

Hinsichtlich der beruflichen Perspektive zeigte sich der Verteidiger optimistisch, weil sein Klient am 1. September bei einer Versicherung eine Ausbildung beginnen will. Die Zeit bis zum Herbst will er mit Ferienjobs überbrücken.

Sogar der Staatsanwalt erkannte an, dass der junge Mann sich um seine Sachen gekümmert habe. Bei dieser Sachlage lag es nahe, dass Jugendrichter Martin Kober den allseits akzeptierten Vorschlag unterbreitete, das Verfahren "wegen geringer Schuld" mit einer Arbeitsauflage einzustellen. Bis zum 1. April 2020 muss der Heranwachsende die gemeinnützigen Arbeitsstunden auf Weisung des Jugendamtes ableisten. Insofern hat sich der Einspruch gegen den Strafbefehl durchaus gelohnt.