Marion Krüger-Hundrup Ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus, gegen Vorurteile und Intoleranz, für Versöhnung und Frieden will diese außergewöhnliche Veranstaltung am Freitag, 24. Januar, um 17 Uhr in der Bamberger St.-Gangolf-Kirche setzen. "Jeder und jede, gleich ob katholisch oder evangelisch, konfessionslos oder einer anderen Religion angehörend, ist eingeladen, sich daran zu beteiligen", sagt der Dominikanische Freundeskreis hl. Katharina von Siena an St. Gangolf, der anlässlich des "Internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust" einlädt.

Zwar sei die angebotene Gebetsform "Kreuzwegandacht" eine typisch katholische, so der Freundeskreis. Doch diese Kreuzwegmeditation, die zu Gehör komme, sei direkt in Auschwitz-Birkenau, dem größten deutschen Vernichtungslager während des Nationalsozialismus, erstellt worden und werde von Besuchern aus aller Welt gebetet.

Die 14 Stationen entlang des Todestores, der Gaskammern und Krematorien, der Frauenlager, der Selektionsrampe sind in Auschwitz-Birkenau - das Synonym für die Schoah, den Massenmord am jüdischen Volk durch die Nazis - authentisch.

Mitschuld bekennen

Diese 14 Stationen nun in einer Bamberger Kirche zu gehen, bedeute auch, eine Mitschuld am Antisemitismus zu bekennen, so der Dominikanische Freundeskreis. Und findet prominente Unterstützung: "Wir müssen uns auch an das Versagen in den Kirchen erinnern, sie sind mitschuldig am damaligen Antisemitismus. Die Kirchen müssen mit allen Möglichkeiten und Mitteln gegen jeden Antisemitismus und auch Nationalismus kämpfen, sich für Akzeptanz und Toleranz von allen Religionen und Kulturen einsetzen, den interreligiösen und interkulturellen Dialog fördern, damit Kirchen und Religionsgemeinschaften Akteure des Friedens werden", sagte jetzt Erzbischof Ludwig Schick in einem Interview zur Erinnerung an Auschwitz.

"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Dieser Todesschrei Jesu am Kreuz wird in der Kreuzwegmeditation in Lagererinnerungen hörbar. Martin Neubauer, Prinzipal des Brentano-Theaters, wird sie eindringlich rezitieren. Kurze Begleittexte, gelesen von Mitgliedern des Dominikanischen Freundeskreises, machen deutlich, dass Glauben in und nach Auschwitz immer auch ein Ringen um den Glauben ist. Und zwar ein Ringen ohne leere Phrasen, die eine Beleidigung der Opfer wären.

Pfarrer Marcus Wolf, Leitender Pfarrer des Seelsorgebereichs Bamberger Osten und Geistlicher Begleiter des Freundeskreises, spricht an jeder Station ein Gebet. Für musikalische Akzente sorgt der langjährige Cellist der Bamberger Symphoniker und Gründer des "Bamberger Streichquartetts", Karlheinz Busch.

Jeder, der diese Kreuzwegmeditation mitvollziehen möchte, bekommt ein Begleitheft: Zu jeder Kreuzwegstation gibt es jeweils ein Foto aus Auschwitz-Birkenau zur Betrachtung.