Bernhard Panzer Die Partnerstadt Kaya in Burkina Faso ist zur großen Flüchtlings-Herberge geworden. Mehr als 1200 Menschen sind aus bis zu einhundert Kilometer Entfernung nach Kaya als größte Stadt der Umgebung (132 000 Einwohner) geflohen, aus Angst vor Terroristen. Bürgermeister Boukaré Ouédraogo rechnet damit, dass der Flüchtlingsstrom noch größer wird.

Er hat sich mit einem Schreiben an seinen Herzogenauracher Amtskollegen German Hacker gewandt, wie die Partnerschaftsbeauftragte im Rathaus, Rosa Abel, mitteilt. Darin bittet Ouédraogo um Unterstützung durch die Bürger der Partnerstadt Herzogenaurach. Denn die mittellosen Flüchtlinge brauchen dringend Lebensmittel und andere Dinge der Grundversorgung. So müssen Trinkwasser, Getreide, Kochgeschirr, Decken, Schlafmatten, Medikamente, Schulmaterial und vieles mehr gekauft werden.

Die Stadt Herzogenaurach sowie der Verein Partnerschaft Herzogenaurach-Kaya haben sich dem Spendenanruf angeschlossen. Sie bitten die Herzogenauracher daher "im Namen der Freunde und Partner in Kaya um Ihre Unterstützung und bedanken sich schon jetzt bei Ihnen für die Hilfe, die in voller Höhe den Menschen, die in unserer burkinischen Partnerstadt ankommen, zugutekommen wird", heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus.

Gewalt eskalierte

Wie Rosa Abel mitteilt, habe die Flüchtlingswelle am 1. Januar ihren Anfang genommen. Da ereignete sich in dem Dorf Yirgou ein Attentat, bei dem sechs Personen getötet wurden. Darunter sollen auch der Dorfchef und sein Sohn gewesen sein, berichtet Abel. Daraufhin eskalierte die Gewalt auch in den umliegenden Dörfern, mehrere Menschen kamen ums Leben. Bürgermeister Ouédraogo habe ihr gegenüber von mindestens 50 Toten gesprochen, sagte Abel im FT-Gespräch.

Die burkinischen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte seien sofort eingeschritten, um das Gebiet abzusichern. Der Fall liege jetzt in den Händen der Justiz des Landes. Es seien drei große Flüchtlingslager in den Gemeinden von Barsalogho und Kelbo errichtet worden. "Dennoch und aus Angst vor Djihadisten", so berichtet Abel weiter, "flüchtet die Bevölkerung aus dem betroffenen Gebiet seitdem in Richtung Kaya, der größten Stadt der Region Centre-Nord, in der man Hilfe suchen kann".

Neben Dingen des Grundbedarfs möchte Bürgermeister Ouédraogo auch Zelte anschaffen, informiert Abel weiter. Diese sollen in der Nähe von Brunnen und Toiletten aufgestellt werden. Damit könne man auch vermeiden, dass Krankheiten ausbrechen. Im Augenblick schlafen, da die privaten Unterkünfte nicht ausreichen, die meisten Menschen auf dem Boden. Noch sei zwar keine Regenzeit, aber die Nächte sind laut Abel sehr kalt, da Winter ist.

Projekt trägt Früchte

Rosa Abel verweist auch auf die erfreuliche Tatsache, dass die trilaterale Zusammenarbeit der Städte Herzogenaurach, Châtellerault und Kaya Früchte trage. Gemeinsam betreibt man seit 2013 das Projekt "Wasser- und Abwassermanagement" im ländlichen Gebiet von Kaya. Es wurden seither zahlreiche Brunnen gebohrt und bestehende saniert, außerdem öffentliche Toilettenanlagen und private Latrinen eingerichtet. Das sei bei der Betreuung der Flüchtlinge jetzt sehr hilfreich. Ermöglicht wird das Projekt auch durch Spenden Herzogenauracher Bürger und Firmen sowie aus dem Erlös vom "Lauf für Kaya".