Eine neue Flüchtlingswelle aus Afghanistan wird erwartet. Hunderttausende Menschen sind seit der Machtübernahme durch die Taliban auf der Flucht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht darin eine große Herausforderung.

"Die Stadt Coburg ist bereits vorbereitet auf die mögliche Aufnahme von Afghanen, die die deutschen Streitkräfte unterstützt haben und deshalb derzeit Schlimmstes befürchten müssen", schreibt der Pressesprecher der Stadt Coburg Louay Yassin auf Anfrage.

Der Regierung von Oberfranken, die für die Verteilung von Kontingentflüchtlingen zuständig ist, wurden bereits vorletzte Woche 20 freie Plätze gemeldet.

Und schon am Montag hat Oberbürgermeister Dominik Sauerteig den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer angeschrieben. In beiden Briefen betont der OB gemäß der Entscheidung des Stadtrats vom 24. September 2020 die Bereitschaft der Stadt, "ihre humanitäre Verantwortung im Rahmen der gesetzlichen Grundlagen und der kommunalen Möglichkeiten in vollem Umfang wahrzunehmen und afghanischen Familien, die deutsche Streitkräfte als Ortskräfte unterstützt haben, eine sichere Heimat zu bieten."

Weiter schreibt der OB: "Die Bilder aus Afghanistan sind schockierend. Afghanische Menschen, ganze Familien, die den deutschen Streitkräften als Ortskräfte über Jahre hilfreich bei ihrer Mission zur Seite standen, müssen um ihr Leben fürchten, weil sie genau dies taten. Medien zufolge sind Taliban gezielt auf der Suche nach ihnen, um sie zur Rechenschaft zu ziehen. ... Coburg hat als weltoffene und tolerante Stadt in Zusammenarbeit mithilfe eines großen Netzwerks aus kirchlichen und sozialen Trägern sowie Ehrenamtlichen bewiesen, dass Flüchtende willkommen und gut integrierbar sind."

Im Brief an die Bundesverteidigungsministerin bittet Sauerteig zudem persönlich: "Tun Sie alles in Ihrer Macht Stehende, um diese Menschen zu retten."

Eine Erweiterung der Kapazität sei vermutlich vorerst nicht notwendig, da Kontingentflüchtlinge über das BAMF und die Bezirksregierungen auf die ganze Bundesrepublik verteilt werden. Sollte dennoch eine Kapazitätserweiterung in Coburg notwendig werden, sei dies sicherlich kurzfristig darstellbar. "Vorerst gehen wir jedoch nicht davon aus, da die Aufnahmebereitschaft bundesweit sehr hoch ist", schreibt Yassin.

Gut vorbereitet

Im Landratsamt in Coburg wartet man derzeit noch ab. Flüchtlinge werden den Landkreisen zentral durch die Regierung zugewiesen. "Von dieser haben wir noch keine Anfrage", sagt Pressesprecherin Corinna Rösler auf Nachfrage. Allerdings sei man vorbereitet. Allein 90 Betten stünden derzeit in Einzelwohnungen und großen, dezentralen Unterkünften vonseiten des Landkreises zur Verfügung. In Bad Rodach, Rödental, Neustadt und Weidach gebe es freie Plätze. In der Gemeinschaftsunterkunft in Ebersdorf bei Coburg, die die Regierung verwaltet, seien ebenfalls etwa zehn Plätze frei.

Dass die Region schnell und flexibel handeln kann, bewiesen die Verantwortlichen bereits im Herbst 2015. Innerhalb von nur wenigen Tagen wurde die Neustadter Frankenhalle zur Notunterkunft mit 170 Feldbetten sowie Sitz- und Essgelegenheiten ausgestattet. Dank vieler freiwilliger Helfer wurde die Dreifachturnhalle praktisch über Nacht zum Behelfsquartier für Asylbewerber.