Auch in Zeiten von Lockdown und Homeoffice ist die Zahl der Pendler im Kreis Kulmbach groß. Im Jahr 2020 verließen rund 12 000 Menschen auf dem Weg zur Arbeit die Kreisgrenzen, teilt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Demnach blieb die Zahl der Auspendler im Landkreis mit einem Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fast unverändert.

Zu den Hauptursachen für die anhaltend großen Pendelströme zählt nach Einschätzung der IG Bau Oberfranken der teure Wohnraum in den Städten. "Nach jahrelangen Mietsteigerungen können sich viele Beschäftigte das Leben am Arbeitsort nicht leisten. Ihnen bleibt als Alternative oft nur stundenlange Fahrerei mit dem Auto oder der Bahn", sagt Bezirksvorsitzender Gerald Nicklas. In der Baubranche seien weite Anfahrtswege besonders verbreitet. Es dürfe aber nicht sein, dass Bauarbeiter, die in den Ballungsräumen Wohnungen bauen, sich diese selbst nicht mehr leisten können. Die IG Bau fordert deshalb mehr Anstrengungen bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. "Deutlich mehr Wohnungen, die sich in den Städten auch Gering- und Normalverdiener leisten können, sind ein entscheidender Beitrag, um die Pendlerzahlen zu verringern", sagt Nicklas. Dafür müsse die Politik klare Vorgaben machen, etwa indem kommunale Grundstücke nicht an den Meistbietenden verkauft werden, sondern an Bauherren, die sich zu bezahlbaren Mieten verpflichten. Beim sozialen Wohnungsbau müssten die staatlichen Fördermittel massiv aufgestockt werden und Sozialwohnungen preisgebunden bleiben. red