Das Votum der Anwesenden fiel eindeutig aus: Ohne Gegenstimme nominierten 53 Stimmberechtigte der Dorfgemeinschaft Neundorf (DGN) am Sonntagnachmittag im Vereinsheim der Ortsvereine Gemeinderat Andreas Carl zum Bürgermeister-Kandidaten für die Kommunalwahlen am 15. März 2020. Erstmals tritt damit einer der ihren an, um Rathauschef zu werden. Der ehemalige Stürmer versteht sich als Teamplayer. In seiner Bewerbungsrede nannte Carl fünf Säulen des gemeinsamen Handelns, die er als Bürgermeister angehen möchte: Zuerst sind da die Vereine. Der Sport mit Freunden habe ihn geprägt, schilderte der 48-Jährige. Und weil er in den ehrenamtlichen Strukturen "einen Indikator für das Leben einer Gemeinde" sieht, sorgt er sich um deren Zukunft. Die Abschaffung der Hallengebühr, wie sie Mitbewerber fordern, ist für den gebürtigen Neundorfer nicht alles. Carl verlangte ein Konzept, das viele Faktoren berücksichtigt, etwa die Zahl und Struktur der Vereinsmitglieder.

Das wichtigste Thema für den zukünftigen Bürgermeister sieht der DGN-Kandidat in der Ortsmitte. Dass alle einen lebendigen Ortsmittelpunkt wollen, ist für ihn unstrittig. Doch sei bisher nichts passiert, kritisierte Carl. Mit einem Foto aus dem Jahr 2007 dokumentierte er den Stillstand. "Wir haben viel zu lange zugeschaut, jetzt muss endlich etwas geschehen", forderte der Weitramsdorfer. "Eines möchte ich nicht: Dass wir das Thema wieder nur belabern", stellte Carl klar.

Angebote für alle Generationen schaffen, gemäß ihren individuellen Bedürfnissen, das sieht der DGN-Gemeinderat als weitere Herausforderung. Das Thema Gesundheit liegt dem Krankenkassenbetriebswirt besonders am Herzen. "Seit 27 Jahren bin ich für Versicherte unserer Region verantwortlich", betonte Carl. Da er den Wunsch nach einer Versorgung vor Ort kennt, möchte der 48-Jährige mit den ansässigen Ärzten nach langfristigen Lösungen suchen. Erst einmal gelte es, Räumlichkeiten für neue Ärzte zu schaffen. Fördermöglichkeiten gebe es nicht nur für Mediziner, sondern auch für Kommunen.

Über allem steht nach Meinung des Kandidaten die Kommunikation: "Zuhören - Verstehen - Handeln" lautet Carls Devise, und das bereits vor Entscheidungen. Zu oft seien im Gemeinderat Dinge besprochen, aber dann anders umgesetzt worden. "Was habt Ihr denn da schon wieder gemacht?": Auf diese Frage habe er sich dann draußen als Mitglied des Gremiums rechtfertigen müssen. Wie viel versäumt wurde, zeige exemplarisch das alte Schulgebäude in Neundorf, in dem die Versammlung stattfand.

Viele der 20 Gemeinderatskandidaten, die sich anschließend präsentierten, betonten, sie träten zur Unterstützung des Kandidaten Carl an. Die Bewerber kommen aus sechs Ortsteilen. Ihr Durchschnittsalter liegt bei knapp unter 40 Jahren (39,6), die Frauenquote bei 27 Prozent. Die Liste der Dorfgemeinschaft Neundorf (DGN): 1. Andreas Carl (Weitramsdorf), 2. Gunther Beetz, 3. Thorsten Helmprobst, 4. Katrin Schimpl, 5. Pia Dohles, 6. Daniel Dressel (alle Neundorf), 7. Claudia Helmprobst (Weidach), 8. Alexander Escher (Tambach), 9. Mandy Falk, 10. Werner Carl (beide Neundorf), 11. Gunther Schulz (Weitramsdorf), 12. Lisa Funk (Vogelherd), 13. Christian Schramm, 14. Florian Falk (beide Neundorf), 15. Ingo Treubert (Altenhof), 16. Andreas Neumer, 17. Maximilian Zapf (beide Neundorf), 18. Sascha Heublein, 19. Stephan Eichhorn (beide Weitramsdorf), 20. Steffen Boge (Weidach). bek