Vor drei Jahren noch in der Kreisklasse, heute in der 2. Fußball-Bundesliga. Dickson Abiama hat es innerhalb kürzester Zeit zum Profi geschafft. Der 22-Jährige kickte in seiner Kindheit auf den Bolzplätzen von Nigeria, Vereinsfußball lernte der Stürmer erst in Deutschland kennen. "Mein Onkel hat mich irgendwann in seine Akademie aufgenommen. Dort konnte ich viel trainieren, das war schon etwas professioneller. Das hat mir geholfen, weil da Trainer waren, die einem viel beigebracht haben", sagt Abiama. "Ich bin froh, dass mich mein Onkel da unterstützt hat."

In Deutschland spielte Abiama für die SpVgg Mögeldörf, schoss den Verein mit 27 Treffern in 25 Spielen zum Kreisligaaufstieg. Über die SG Quelle Fürth kam er zum Bayernligisten SC Eltersdorf, wo er sich mit 17 Treffern in 21 Partien für noch höhere Aufgaben empfahl. Seit Sommer steht er bei der SpVgg Greuther Fürth unter Vertrag. Bislang hat Abiama die Rolle als Joker inne, seinen ersten Treffer für die Kleeblättler erzielte Abiama vor einer Woche beim 3:0-Sieg in Sandhausen.

Mit Ihrem Premierentreffer wurden Sie zum 200. Torschützen der Fürther Zweitligageschichte. Welche Bedeutung hat das für Sie?

Dickson Abiama: Ich bin einfach glücklich, überhaupt hier die Chance im Profifußball bekommen zu haben. Und auch dass der Trainer mir Spielminuten gibt, da bin ich sehr dankbar. Es war mein erstes Tor in der 2. Bundesliga, das ist schon etwas sehr Besonderes. Ich denke, an diesen Moment werde ich mich immer erinnern können.

Vor drei Jahren spielten Sie noch in der Kreisklasse, nun sind Sie Zweitligaprofi. Das ist ein ziemlich steiler Aufstieg. Hätten Sie damit gerechnet?

Ich spiele einfach gerne Fußball und deswegen habe ich das auch in Deutschland gemacht, als ich hierher kam. Ich kannte auch keinen klassischen Vereinsfußball aus meiner Heimat. Dass es am Ende jetzt so gekommen ist, ist schon ein absoluter Traum.

Wie würden Sie Ihr erstes Halbjahr in Fürth beschreiben?

Ich habe schon sehr viel mitbekommen, doch ich muss weiter jeden Tag dazulernen. In Nigeria habe ich auf dem Bolzplatz gespielt, hatte immer viele Einzelaktionen und Dribblings. Hier muss man im Team spielen, viele taktische Sachen lernen und als Teil einer Mannschaft spielen. Das Tempo ist hier natürlich viel höher. An das alles muss man sich erst gewöhnen. Aber ich denke, dass es schon ganz gut klappt. Meine Mitspieler unterstützen mich gut, ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft.

Hatten Sie anfangs Schwierigkeiten? An was mussten Sie sich erst gewöhnen?

Auf jeden Fall an das Tempo. Ich bin zwar selbst sehr schnell, aber man muss auch im Kopf schnell sein. Das Spiel ist viel schneller, man muss den Ball laufen lassen. Daran und an vielen weiteren Dingen habe ich viel gearbeitet.

Gab es einen Schlüsselmoment, der Ihnen gezeigt hat, dass Sie in der 2. Liga mithalten können?

Eigentlich nicht. Ich war letztes Jahr im Winter ja schon mit der Spielvereinigung im Trainingslager und habe dieses Niveau schon kennengelernt. Ich glaube an mich, muss mich aber auch noch entwickeln, da hilft mir einfach jede Spielminute, aber auch jedes Training. Und ich muss mich bei meinen Teamkollegen bedanken, die mir wirklich viel helfen und mich toll aufgenommen haben.

Was kann für Sie noch besser laufen?

Für mich läuft es gerade schon sehr gut. Ich arbeite täglich an mir und habe hier in Fürth gute Bedingungen, mich weiter zu verbessern. Es ist auch gut, dass ich viele Mitspieler habe, die schon viel Profierfahrung haben, da kann ich mir bei jeder Trainingseinheit etwas abschauen.

Mit Bernd Eigner hatten Sie in Eltersdorf einen Ex-Profi als Trainer. Konnte er Ihnen ein paar Tipps mit auf den Weg geben?

Ja, auf jeden Fall. Aber ich hatte viele Menschen, die mir seit meiner Ankunft in Deutschland geholfen haben. Allen bin ich sehr, sehr dankbar.

Sie kamen bislang in acht von zwölf Spielen zum Einsatz. Gegen den 1. FC Nürnberg allerdings nicht. Ärgert es Sie, dass Sie im Derby nicht gespielt haben?

Ich freue mich einfach, dass wir gewonnen haben. Das ist ein besonderes Spiel für unsere Fans und für uns und deswegen haben wir uns über den Sieg total gefreut, egal wer am Ende auf dem Platz stand.

An der Tabellenspitze geht es sehr eng zu. Hat die Mannschaft das Potenzial, bis zum Saisonende um den Aufstieg mitzuspielen?

So weit denke ich nicht. Es ist gerade eine intensive Phase und wichtig ist nur das nächste Spiel am Samstag in Braunschweig. Da müssen wir wieder an unser Leistungsmaximum kommen, denn die zweite Liga ist äußerst ausgeglichen.

Ex-Profi Bernd Eigner: "Fürth ist der richtige Verein für Dickson Abiama"

Bernd Eigner ist sich sicher: "Die SpVgg Greuther Fürth ist genau der richtige Verein für Dickson Abiama. Dort kann er in Ruhe die nächsten Schritte in seiner Entwicklung machen." Der 48-jährige Ex-Profi war ein halbes Jahr lang Abiamas Trainer beim Fußball-Bayernligisten SC Eltersdorf und steht auch nach dessen Wechsel in die 2. Liga mit dem Angreifer und seiner Familie in Kontakt. In 21 Spielen erzielte der 22-Jährige 17 Tore für die Mittelfranken.

Abiama braucht Nestwärme

"Seine sportliche Entwicklung ist schon beachtlich", sagt Eigner. Verwundert darüber ist er allerdings nicht. "Dickson bringt eine hohe Physis mit, ist pfeilschnell und sehr ausdauernd." Zwar müsse Abiama noch robuster in den Zweikämpfen werden und taktisch einiges aufholen, doch "er wird seinen Weg machen". Als Typ sei Abiama eher schüchtern und demütig. "Wenn er die Leute besser kennt, hat er mehr Selbstvertrauen. Er braucht eine gewisse Nestwärme", erklärt der Ex-Profi. Wichtig sei, dass der Stürmer das Vertrauen vom Trainer habe und dieses bei seinen Einsätzen zurückzahle. "Als Offensiver hat er trotz großer Konkurrenz den Vorteil, öfter eingewechselt zu werden als ein Defensivspieler", sagt Eigner.

Zu hohe Erwartungen sollte aber niemand haben. "Dickson kann noch viel lernen. Wenn er in den kommenden Wochen mehr Spielanteile bekommt, ist das ein guter Anfang."