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Fürth
Zweiter Weltkrieg

Fürth: Exklusive Führung durch Ronhof-Bunker - so sieht es im Inneren aus

Im Zweiten Weltkrieg diente er als Schutz vor Bomben, jetzt soll er ein Fan-Bunker werden: Zahlreiche Besucher haben den alten Ronhof-Bunker in Fürth vor seinem Umbau besichtigen wollen und konnten einen ersten und letzten exklusiven Einblick gewinnen.
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Besuchern wurde am Donnerstag ein exklusiver Einblick in den Ronhof-Bunker in Fürth geboten. Foto: Nikolas Pelke
Besuchern wurde am Donnerstag ein exklusiver Einblick in den Ronhof-Bunker in Fürth geboten. Foto: Nikolas Pelke

Mit diesem Ansturm hätten die Freunde des Fürther Bunkers nicht gerechnet. "Wir werden praktisch überrannt", sagt Kamran Salimi und zeigt auf die zahlreichen Besucher, die am Donnerstag (02. Januar 2020) vor dem alten Hochbunker beim Fürther Stadion im Stadtteil Ronhof geduldig in der Schlange stehen. "Heute zeigen wir den Bunker zum ersten und letzten Mal im Originalzustand", erklärt Salimi und schleust die nächste Besuchergruppe durch die schwere Stahltür.

Bagger rollen an: Schutzraum wird zur Fürther-Fankneipe

Bereits am nächsten Morgen (03. Januar 2020) würden die Bagger anrollen, und den alten Schutzraum aus dem Zweiten Weltkrieg für die Anhänger der benachbarten Profi-Kicker von der Spielvereinigung Greuther Fürth in einen Fan-Bunker inklusive Fußball-Kneipe im Ober- sowie einem Bunker-Museum im Erdgeschoss umbauen.

Einmalige Besichtigungstour: Zwei Meter dicke Mauern und Schleuse mit Stahltüren

"Wir fahren immer an dem Bunker vorbei. Deswegen wollten wir uns auf keinen Fall die Chance entgehen lassen, den Bunker noch einmal im Originalzustand genau anschauen zu können", sagen Johanna und Oliver und präsentieren vor der schweren Eingangstüre ihre Bierdeckel, die als Eintrittskarte für die einmalige Besichtigungstour dienen. "Hier befinden wir uns im Raum des Bunkerwarts", sagt derweil Salimi, der nicht nur "Hobby-Historiker" sondern auch Vereinsvorsitzender der Fürther Untergrundfreunde ist. Durch ein kleines Guckloch habe der Bunkerwart hinter den zwei Meter dicken Mauern entscheiden können, ob sich die Schleuse am Eingang mit den schweren Stahltüren öffnet oder nicht.

Kirchturm als Tarnung: 14 Bombenanschläge im Zweiten Weltkrieg auf Fürth

Ursprünglich sei der "Kronacher Bunker" im Zweiten Weltkrieg zum Schutz der umliegenden Bevölkerung vor alliierten Luftangriffen gebaut worden. Insgesamt 14 Mal seien Bomben auf Fürth abgeworfen worden. Einen direkten Treffer hätten die 901 Personen im Bunker nicht verkraften müssen. Zur Tarnung sei der Bunker mit einem Kirchturm auf dem Dach versehen worden. Auch die Außenfenster seien nur Attrappen gewesen, um das Katz-und-Maus-Spiel perfekt zu machen und die Bomberpiloten hinters Licht zu führen.

Flüchtlingsfamilien fanden Schutz im Bunker

Direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hätten Flüchtlingsfamilien aus den ehemaligen Ostgebieten unter schwierigsten Bedingungen in dem Bunker in der Kronacher Straße gehaust. Im Kalten Krieg sei der massive Eisenbetonbau mit einer "Wohnfläche" von knapp 600 Quadratmetern zu einem Atombunker umgebaut worden. Dazu seien Überdruckventile in die dicken Wände eingebaut sowie die Schleusen verstärkt und mit neuen Türen versehen worden. Zusätzlich sei ein Schiffs-Diesel als Notstromaggregat installiert sowie Sand- und Luftfilter gegen radioaktive Strahlung eingebaut worden. Auch die Innenausstattung sei Ende der 60er Jahre erneuert worden. Einen neuen Farbanstrich habe man dem Bunker seinerzeit ebenfalls gegönnt.

"Man [...] kan nur hoffen, dass wir solche schlimmen Krisenzeiten nicht mehr erleben müssen"

Der Charme der Flower-Power-Zeit ist bis heute geblieben. In der Bunker-Küche stapeln sich die bunten Plastikteller. In den Waschräumen türmt sich die Kernseife in den Regalen. Sogar an Klamotten für den Ernstfall ist zur Hochzeit des Ost-West-Konfliktes gedacht worden. Auf den Feldbetten liegen originalverpackte Trainingsanzüge in der damaligen Trendfarbe "Kanariengelb" bereit. Im Ernstfall hätte die Bevölkerung in der fensterlosen Enge zwei Wochen ausharren müssen. "Hier im Bunker bekommt man wirklich Angst und kann nur hoffen, dass wir solche schlimmen Krisenzeiten nicht mehr erleben müssen", sagt Diana Scheubeck, die gleich um die Ecke in der Nachbarschaft wohnt.

Bunker seit über zehn Jahren stillgelegt: Fürther Fans sammeln Spenden

Vor über zehn Jahren ist der Bunker stillgelegt worden. Weil sich kein Käufer gefunden hat, ist die "Fake-Kirche" mit den "Fake-Fenstern" langsam vor sich hin geschlummert. Bis die Fußball-Fans von Greuther Fürth auf die Idee gekommen sind, das alte Gemäuer in einen Fan-Bunker inklusive Fan-Kneipe zu verwandeln. Dazu sollen Fenster im Obergeschoss aus der zwei Meter dicken Außenhaut geschnitten werden. Im Erdgeschoss soll der Originalzustand möglichst erhalten bleiben. Hier wollen die Freunde des Fürther Untergrundes ein Bunker-Museum einrichten. Um den Umbau finanziell stemmen zu können, werden in Fürth derzeit fleißig Spendengelder gesammelt. Sogar die Originaleinrichtung aus dem Bunker wie Feldbetten, Penatencreme & Co. sollen möglichst gewinnbringend unter den Hammer kommen. Bereits im nächsten Sommer soll der neue Fan-Bunker neben den Fürther Stadion eröffnet werden.