Eindringlicher Corona-Appell an Regierung: Die Beschäftigten des Klinikums Fürth haben einen offenen Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn geschrieben. Darin lassen sie ihrem Unmut über die aktuelle Situation im Gesundheitswesen freien Lauf. "Die Krankenhäuser stehen vor dem Kollaps", heißt es vonseiten des Klinikums. 

Die zweite Corona-Welle hat Deutschland längst erreicht. Die Zahlen der Infizierten steigen weiter - und damit auch die zu behandelnden Patienten in den Kliniken. Laut dem Klinikum Fürth steht man jetzt mit der zweiten Welle da, wo man ungefähr Anfang April stand, also an der Spitze der ersten Welle. Schon jetzt gebe es mehr Corona-Patienten auf der Intensivstationen als damals. Und der Winter habe noch nicht mal richtig angefangen. 

Klinikum Fürth warnt: Krankenhaus-Personal droht Zusammenbruch

Dr. Manfred Wagner, Krisenstabsleiter und Pandemiebeauftragter am Klinikum Fürth, will mit dem Brief einen Weckruf an die Politik senden. "Damals, in der ersten Welle, hatten wir einen ausgerufenen Katastrophenfall, einen totalen Lockdown, die politische Vorgabe, verschiebbare Eingriffe nicht durchzuführen und eine wirtschaftliche Absicherung für die finanziellen Ausfälle, die damit verbunden waren. Jetzt haben wir nichts davon!" Damals habe man Krankenhäuser geplant heruntergebremst, um Corona-Patienten versorgen zu können. Jetzt lasse man sie "an die Wand der Überlastung" fahren. 

Das Klinikum Fürth hat deswegen bereits selbst Maßnahmen getroffen: Erste Stationen seien geschlossen und Eingriffe verschoben worden, um Personal frei zu bekommen. "Aber wir tun das nicht nur auf eigenes Risiko, sondern mit finanziellen Einbußen", betont Wagner. Er fordert Spahn zu umgehendem Handeln auf. "Für lange Abstimmungsprozesse bleibt keine Zeit mehr. Sie müssen jetzt handeln und Krankenhäuser finanziell absichern, damit auch wir in dieser zugespitzten Situation adäquat handeln können."

Aufschiebbare Eingriffe müssten abgesagt werden, Personal umgeschichtet. Man müsse auch in dieser zugespitzten Situation angebracht agieren können. "Handeln Sie jetzt!", appelliert der Krisenstabsleiter des Fürther Klinikums an den Gesundheitsminister. "Wir brauchen eine Entlastung unserer Kliniken." Anderenfalls drohten die Pfleger und Ärzte, "für die alle noch im Frühjahr geklatscht haben", unter der Last zusammenzubrechen. "Wer soll dann, Herr Spahn, die Tausenden von Covid-19-Patienten in Deutschland versorgen?"

Auch das Klinikum Nürnberg kämpft mit steigenden Corona-Zahlen. Fast 100 Patienten müssen aktuell behandelt werden. Vor allem der Mangel an Pflegepersonal sei hier ein großes Problem.