Prostitution gilt als "ältestes Gewerbe der Welt" - und doch wurde das Rotlichtmilieu in Deutschland erst mit Inkrafttreten des Prostitutionsschutzgesetzes" am 1. Juli 2017 aus dem Graubereich des Rechtsstaates geholt. Seitdem ist es für Prostituierte möglich, ihre Tätigkeit anzumelden - und erst seitdem gibt es eine offizielle Statistik zur Zahl der Prostitutionsgewerbe.

Diese ist allerdings nur bedingt aussagekräftig, denn weiterhin spielt sich Prostitution vielerorts illegal, bzw. nicht angemeldet ab. Trotzdem lohnt sich der Blick auf Karte: Wo liegt Frankens Bordell-Hochburg?

Nürnberg mit höchster Zahl, doch pro Kopf ist eine andere Stadt an der Spitze

Wenig überraschend steht Nürnberg an der Spitze des fränkischen Vergleichs: Insgesamt 89 Prostitutionsgewerbe waren am 31.12. 2020 in der Frankenmetropole angemeldet. Darunter befinden sich Bordelle mit mehreren Prostituierten, allerdings auch selbstständige Sex-Arbeiterinnen. Allerdings gab es laut einer Schätzung aus der Szene im Jahr 2019 in Nürnberg allein 1600 solcher selbstständigen Sexarbeiterinnen. Ein Großteil der Rotlicht-Szene bleibt also weiterhin im Zwielicht verborgen. 

In Nürnberg sieht man jedoch auch deutlich, welch fatalen Schlag die Corona-Pandemie der legalen Prostitution verpasst hat: Ein Jahr zuvor, also Ende 2019, waren in Nürnberg noch 123 Gewerbe angemeldet - innerhalb des ersten Corona-Jahres sank die Zahl der angemeldeten Betriebe also um über ein Viertel. Und der Prozess dürfte sich im zweiten Corona-Jahr nochmals beschleunigt haben.  

Aber auch wenn Nürnberg in absoluten Zahlen führt: Rechnet man die Zahl der angemeldeten Prostitutionsbetriebe auf die Bevölkerung um, müsste eine andere Stadt als Frankens "Bordell-Hochburg" gelten: Hof. Während in Nürnberg nämlich nur 17,3 Prostitutionsgewerbe auf 100.000 Einwohner kommen, sind es in der oberfränkischen Stadt ganze 46,5. Und auch auf dem zweiten Platz folgt mit Coburg und einem Wert von 29,4 eine oberfränkische Stadt. 

Schwer zu vergleichen: Probleme bei den Zahlen

Um diese Statistik richtig zu verstehen, muss man wie gesagt einerseits auf die hohe Dunkelziffer im Rotlichtmilieu verweisen. Andererseits eben auf die unterschiedliche Größe der Gewerbe. So gibt es in Hof laut Ordnungsamt nur ein Bordell mit mehreren angestellten Sex-Arbeiterinnen - die übrigen Gewerbe sind eigentlich selbstständige Frauen. Eine Rolle spielt zudem, dass das Gesetz relativ neu und die Erfassung nicht überall gleich schnell umgesetzt wurde und die statistische Erfassung nicht flächendeckend erfolgt ist. Natürlich gibt es auch andernorts in Franken Bordelle, wie beispielsweise dieser Polizeieinsatz wegen eines "unzufriedenen Freiers" in einem Bad Kissinger Bordell zeigt. 

Außerdem sollte man sich nochmals das Prostitutionsschutzgesetz vor Augen führen: Nur in Gemeinden mit über 30.000 Einwohner*innen ist es überhaupt möglich, ein Prostitutionsgewerbe legal anzumelden. Dies ist auch der Grund dafür, dass auf Frankens Bordell-Karte viele graue Flecken bleiben.