• Nürnberger Gesundheitsamt rechnet mit Ansturm von Prostituierten
  • Gesundheitliche Beratung ist die Voraussetzung für eine Arbeitsbescheinigung
  • Prostitutionsstätten in Bayern dürfen öffnen: Dafür gelten verschiedene Hygienebestimmungen

Im Gesundheitsamt Nürnberg erwartet Norbert Kellermann, der Leiter der Fachstelle sexuelle Gesundheit, einen großen Ansturm an Sexarbeiterinnen. "Jeder, der in der Prostitution arbeiten möchte, braucht eine Arbeitsbescheinigung. Um die zu bekommen, braucht man eine gesundheitliche Beratung", erklärt er gegenüber inFranken.de. Prostituierte über 21 müssen einmal jährlich zu der gesundheitlichen Beratung, jüngere sogar alle sechs Monate. 

Prostitution in Nürnberg: Freier müssen sich namentlich registrieren

Dadurch, dass Prostitutionsstätten und Bordelle in Bayern seit über einem Jahr geschlossen sind, sind alle Bescheinigungen ausgelaufen. "Normalerweise haben wir etwa zwischen 1200 und1500 Beratungen auf das ganze Jahr verteilt. Ich kann nicht genau abschätzen, wie viele ihre Bescheinigungen vielleicht auch schon woanders verlängern lassen konnten. Jetzt werden dann aber alle auf einmal kommen", sagt Kellermann. 

Um dem Ansturm gerecht zu werden, plant er, statt Einzelberatungen Beratungen für ganze Betriebe durchzuführen. Dabei geht es um Themen wie Schwangerschaftsverhütung und Handeln bei Gewalt. Außerdem können zeitgleich mit den Beratungen Impfungen durchgeführt werden, um den Prostituierten mehr Sicherheit bei ihrer Arbeit zu geben.

Dazu gehören auch die geltenden Hygienebestimmungen. Eine Prostituierte darf nur einen Kunden gleichzeitig haben. Der muss sich namentlich registrieren und seine Kontaktdaten hinterlegen. Dazu kommt außerdem "soweit es geht" eine Maskenpflicht. "Bei bestimmten Sexpraktiken ist das natürlich ein wenig schwierig. Prostituierte küssen in der Regel ja nicht, also bezieht sich das auf den Oralverkehr", sagt Kellermann.

Bordelle bleiben allerdings geschlossen

Öffnen dürfen in Bayern bisher nur Prostitutionsstätten - Bordelle bleiben auch weiterhin geschlossen. Laut einem Beschluss von Juli 2020 gilt Prostitution generell als "körpernahe Dienstleistung", wie zum Beispiel auch der Besuch beim Frisör. Der Unterschied zwischen Prostitutionsstätten und Bordellen ist demnach die Menge der aufeinander treffenden Personen. Bordelle werden mit Clubs und Diskotheken verglichen, in denen entsprechend viele Menschen aufeinander treffen. In Prostitutionsstätten sei das nicht der Fall.