Der lang ersehnte Regen, der Abkühlung mit sich brachte, kam in manchen Regionen stärker als gedacht. InFranken.de warnte bereits früh am Tag vor Stürmen, Gewittern und Regenfällen. Hart getroffen hat es Mittelfranken. Zahlreiche Keller liefen voll Wasser, Bäume stürzten um, Straßen wurden geflutet. 

In einigen Regionen waren die Einsatzkräfte der Feuerwehr über Stunden im Dauereinsatz. Nach Temperaturen von über 30 Grad und schwül-warmem Wetter kam es am Dienstag (11.08.2020) in ganz Mittelfranken zu heftigen Sommergewittern. Die Agentur News5 war in der Region unterwegs und hat Impressionen und Stimmen eingefangen.

Kuh droht auf Weide zu ertrinken: Starkes Unwetter in Fürth

In Clarsbach, einem Ortsteil von Roßtal (Lkr. Fürth), erwischte es den Bauernhof von Familie Sippel besonders heftig. "Der Nussbaum ist kaputt, zwei Zwetschgenbäume kaputt, von der Fichte ist die Spitze abgebrochen, vom Stalldach sind die Ziegel runter und hinten ist alles voller Wasser. Da war ein Kalb in dem Wasser drinnen", erzählt Bäuerin Anneliese Sippel völlig aufgelöst.

Die Schauer, die innerhalb kürzester Zeit eine Unmenge an Wassermassen mit sich gebracht hatte, überschwemmte eine Weide, auf der die Rinder standen. Die Feuerwehr rückte an, um die überflutete Weide von Familie Sippel abzupumpen. "Eine Kuh hat zu ertrinken gedroht. Konnten die Kuh durch Abpumpen von dem Bereich noch retten. Das war ganz knapp", erklärt Frank Stegmann von der Feuerwehr. Nur noch der Kopf des Tieres hatte aus dem Wasser geschaut. Auch das Wohnhaus blieb nicht vom Unwetter verschont: "Ein Ziegel ist durch die Fensterscheibe ins Haus geflogen", so Sippel gegenüber News5.

Ebenfalls stürzte ein massiver Baum in der Ortsmitte von Clarsbach um. Die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun den riesigen Baum zu zerschneiden und auf Seite zu schaffen. Sippel hatte sich während des heftigen Unwetters im Lager versteckt, bis sich das Wetter wieder beruhigt hatte. "Ich bin sehr dankbar, dass ich beschützt worden bin, das keinem Menschen was passiert ist", so die Bäuerin.  

Sprudelnde Gullys und überflutete Straßen in zwei mittelfränkischen Landkreisen

In der Ortsdurchfahrt Gerhardshofen (Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim) konnten die Gully die plötzlichen Wassermassen nicht mehr aufnehmen und sprudelten über. Dabei wurde die Straße geflutet. Ebenfalls wurde die Ortsdurchfahrt in Neundorf, einem Ortsteil der Gemeinde Aurachtal (Landkreis Erlangen-Höchstadt), geflutet. 

Auch in der Erlanger Stadtmitte wurden zahlreiche Straßen geflutet. Eine Unterführung stand komplett unter Wasser. Ein Auto schaffte es nicht mehr durch die Wassermassen und blieb in der Unterführung stecken. Die Feuerwehr war im Dauereinsatz. Allein in Erlangen hatte die Feuerwehr rund 300 Einsätze zu bewältigen.

Aus Sicht der Verkehrspolizei Erlangen verlief der Starkregen auf den Autobahnen "unspektakulär". Zeitweise stand jedoch die linke Fahrspur der A73 in im Bereich der Auffahrt Erlangen-Nord in Richtung Bamberg unter Wasser. Die Autobahnmeisterei sperrte den Bereich kurzzeitig. Schwerwiegende Unfälle ereigneten sich glücklicherweise nicht.

Sturm in Oberfranken hinterlässt Schneise der Verwüstung

Auch am Landkreis Bayreuth ging der vergangene Abend nicht spurlos vorbei. Ohne große Vorankündigung zieht plötzlich ein tosender Wind auf, der sich einmal seinen Weg durch das Ahorntal bis nach Weiher. 

Der Sturm wirbelte die Gartentische und Grills der Vorgärten durch die Luft, ließ Ziegelsteine von den Dächern fallen und knickte mehrere Bäume ab. Der angerichtete Schaden ist groß, obwohl der Windzug nur wenige Minuten geht. Besonders schlimm traf es Familie Gerstacker in Weiher: Der Sturm ließ die 30 Meter lange Maschinenhalle der Familie einstürzen. Fast alle landwirtschaftlichen Maschinen sowie die Werkstatt begrub das eingestürzte Hallendach unter sich. 

Doch nicht nur der Halleneinsturz löste Alarm bei den örtlichen Feuerwehrstellen aus. Auch das Leck eines geschlagenen Dieseltanks musste gesichert werden. Rund 80 Feuerwehrleute der Wehren Kirchahorn, Körzendorf, Oberailsfeld, Reizendorf, Christanz und Waischenfeld waren über sechs Stunden im Einsatz, um alle Schäden abzuarbeiten. Diese umfassten überschwemmte Straßen, umgestürzte Bäume über Fahrbahnen, Gebäuden und Fahrzeugen. Des Weiteren mussten Gartenhäuser, Bauzäune und Fenster gesichert werden.

Auch zahlreiche Einsätze in Unterfranken

Auch Teilen Unterfrankens haben die Gewitter mit Starkregen zugesetzt. Am späten Dienstagabend regnete es in Würzburg innerhalb kürzester Zeit so heftig, dass die Pleichach über die Ufer trat. In der Folge wurden die vier Fahrspuren der Bundesstraße 8 geflutet. Die Feuerwehr musste anrücken und die Straße von den Wassermassen befreien. 

Im Landkreis Schweinfurt verzeichneten die Feuerwehren am Dienstagabend innerhalb von anderthalb Stunden 135 Notrufe. Zu 90 Einsätzen sind die Feuerwehren schließlich wetterbedingt ausgerückt. Alleine in der Ortschaft Röthlein (Landkreis Schweinfurt) hatte die Feuerwehr 58 Einsätze. In den meisten Fällen handelte es sich den Angaben zufolge um vollgelaufene Keller. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch.