Das ist in der Serie auch beim Wiesn-Anstich so, bei dem der Ministerpräsident und CSU-Chef die erste Maß Bier vom Münchner Oberbürgermeister bekommt. Burkandt ist dabei, aber nur im Hintergrund: "Ich hab' zugeschaut und gelächelt, aber mein Vater hat mich nicht gesehen."
"Durch meinen Vater kam wirklich gar nichts."
Zwar seien öffentliche Auftritte auch an der Seite ihres Vaters sehr wichtig für sie und die eigene Karriere. Eigentlich aber wolle sie aus dem Schatten ihres Vaters treten, denn: "Mir hat niemand irgendwo geholfen", sagt Burkandt. "Durch meinen Vater kam wirklich gar nichts."
Ob das nun alles so stimmt oder nicht: Dass sich ein deutscher Spitzenpolitiker in dieser Form, im Reality-Fernsehen, in seiner Elternrolle zeigt, ist durchaus ungewöhnlich. Ihm sei kein ähnlicher Fall bekannt, sagt Borwin Bandelow, Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen, der das Buch "Celebrities. Vom schwierigen Glück, berühmt zu sein" geschrieben hat.
Aus seiner Sicht gilt ganz allgemein: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. "Generell kann man sagen, dass die Persönlichkeiten von Politikern einerseits und Fernsehstars, Influencern oder Models sehr ähnlich sind", sagt Bandelow. "Es geht um Ehrgeiz, Narzissmus und Geltungsdrang. Dahinter steht der Wunsch, von möglichst vielen Menschen geliebt und verehrt zu werden. Solche Persönlichkeitseigenschaften vererben sich auch, sodass es keine Überraschung ist, wenn die Kinder den gleichen Hang zur Öffentlichkeitsdarstellung haben."
"Born Famous" - Drama und Emotionen
Die Medienwissenschaftlerin Anne Ulrich von der Uni Tübingen sagt: "Letztlich geht es bei solchen Auftritten weder um familiäre Werte noch um politische Inhalte, sondern ausschließlich um die affektgesteuerte Produktion von Prominenz." Dabei sei es auch gar nicht schlimm, dass die Beziehung zwischen Söder und seiner Tochter nicht so eng und alltäglich zu sein scheint wie bei den anderen Teilnehmern der Sendung - darunter Verona Pooth und ihr Sohn Diego.
"Bei Reality-TV oder Doku-Soaps wie "Born Famous" geht es um Dramatisierung und Emotionalisierung, die vorzugsweise durch vermeintlich authentische Bekenntnisse erzielt wird. Es ist in diesem Sinne sogar "besseres" Fernsehen, wenn die Beziehung zwischen Vater und Tochter nicht uneingeschränkt harmonisch oder liebevoll erscheint", sagt Ulrich.
Manchen Zuschauern könne es zwar unangenehm sein, das distanzierte Verhältnis zu betrachten, anderen aber "mag es angenehm erscheinen, dass auch Landesväter aus angestammten CSU-Territorien nicht mehr das Modell der nuklearen Kernfamilie vorleben".
Söder nutzt die Bühne, um gegen die Grünen zu ätzen
Ob unangenehm oder angenehm - in jedem Fall bemerkenswert ist, wie Söder sich zu den Karriereplänen seiner Tochter äußert: "Wenn ich mich jetzt über alles aufrege, was jeden Tag jemand sagt oder denkt oder macht - mei - dann wäre ich schon im Grab. Und deswegen versuche ich, darüber dann hinwegzugehen, aber wenn es was Lebensbedrohliches wäre, wenn sie krank wäre oder so - oder sie wär' bei den Grünen oder bei der Linkspartei, das würde mich schon schocken."
Er sagt auch: "Bei der Gloria ist alles möglich." Viel Positives sei dabei, manchmal stelle er sich aber auch auf einen "Sanitätereinsatz" ein. Vieles, was sie tue, werde auf ihn projiziert, sie beide seien aber jeweils eigenständige Persönlichkeiten.
Eine Forderung stellt er dann doch noch an seine Tochter, die einst Schlagzeilen produzierte, weil sie in "Deutschlands dümmster Promi" keine ganz glückliche Figur machte und Helmut Kohl nicht erkannte. Söders Maßgabe lautet: "keine komischen Shows".
"Irgendwann würde ich schon gern Opa werden"
Auch für ihr Privatleben hat der 59 Jahre alte CSU-Chef Wünsche: Er hätte nämlich gern Enkelkinder. "Irgendwann würde ich schon gern Opa werden", bekennt Söder in der zweiten Folge der Serie. Wie viele Enkel er sich wünscht? "Da ist der Güte Gottes keine Grenze gesetzt", sagt er. "Ich fänd' viele schon toll."
Und zum Abschied gibt er seiner Tochter mit: "Schatzi, ich wünsch Dir viel, viel Erfolg". "Bleib anständig", sagt er ihr noch. Und: "Schreib mir mal, wie's geht."