Heute sind Bayerns Apotheken wegen Protest dicht - Wo bekomme ich wichtige Medikamente her?

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Apotheken-Protest in Süddeutschland
Heute sollen sämtliche fränkische Apotheken dicht bleiben.
Apotheken-Protest in Süddeutschland
Anna Ross/dpa
Apotheken mit Nachwuchssorgen
Andrea Maier, Apothekerin, steht in ihrer Apotheke. Am Mittwoch bleiben viele Apotheken in Bayern zu.
Apotheken mit Nachwuchssorgen
Armin Weigel/dpa
Am Mittwoch (22. November 2023) haben in Franken einen ganzen Tag lang fast alle Apotheken wegen eines Streiks zu.
Protest
Bernd Thissen/dpa

Tausende Apotheken in Bayern planen einen Protesttag am heutigen Mittwoch, dem 22. November 2023. Wer krank wird oder dringend Medikamente benötigt, wird diese nur mit deutlich mehr Aufwand bekommen.

Erst im Juni haben Apotheker in ganz Deutschland ihre Arbeit für einen Tag niedergelegt. Jetzt wurden erneut Proteste für Mittwoch, dem 22. November 2023, angekündigt. Gemeinsam protestieren die Apothekerinnen und Apotheker am 22. November unter anderem für die Erhöhung ihres Honorars.

Sorgen bereitet ihnen aber nicht nur die finanzielle Situation. Laut Landesapothekerverbänden stehen vor allem Lieferengpässe, gestiegene Kosten und Personalsorgen auf der Agenda. Deshalb sollen mehrere Tausend Apotheken in Franken und ganz Bayern geschlossen bleiben. 

Apotheker-Streik in ganz Franken - "mit dem Rücken zur Wand"

Aufgrund der wachsenden Probleme stehen viele Pharmazeuten "mit dem Rücken zur Wand", beschreibt die Präsidentin des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg Tatjana Zambo beispielsweise die Situation vieler ihrer Kollegen und Kolleginnen.

Ein großes Thema sei dabei das Honorar. Der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes Hans-Peter Hubmann fordert "endlich einen Inflationsausgleich für unser Honorar". Der gesetzlich festgelegte Zuschlag pro verschreibungspflichtigen Medikament sei seit über zehn Jahren nicht mehr erhöht worden. Die fehlende Vergütung ist laut Hubmann in allen Bereichen spürbar. Schon jetzt gerieten viele Apotheken in Personalnot und in eine finanzielle Schieflage und schreiben rote Zahlen. Die Mitarbeiter, die man dringend bräuchte, könne man nicht angemessen vergüten, so Hubmann weiter.

Ein Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen dagegen findet die Forderung hingegen unbegründet. Es gebe Erhöhungen, etwa bei der Dokumentationsgebühr oder der Vergütung von Notdiensten. "Für zusätzliche Honorarsteigerungen an die Apotheken sehen wir keinen sachlichen Grund."

Manche Kunden fragen schonmal: "Bin ich jetzt ein Versuchskaninchen?"

Doch nicht nur der finanzielle Druck belastet. Es seien auch die Lieferengpässe bei vielen Medikamenten, sagt Verbandschef Hubmann. Das bestätigt auch die Apothekerin Maier aus Hengersberg: "Die letzten zwei Jahre war es extrem".

Fünf Firmen habe sie Mitte November wegen eines Medikaments angerufen. Teilweise hätten sie ihr nicht einmal ein Lieferdatum geben können oder die Lieferung sei erst nächstes Jahr wieder möglich gewesen. Das sei mittlerweile Alltag.

Im Winter vor einem Jahr stellte Maier Fiebersäfte selbst her, weil es keinen Nachschub gab. Wegen der Engpässe müssten die Apotheken auch mehr mit den Ärzten kommunizieren, um Lösungen zu finden, wie die Patientinnen und Patienten trotz eines nicht lieferbaren Mittels behandelt werden können. "Manche Kunden fragen dann schonmal: "Bin ich jetzt ein Versuchskaninchen?""

Lauterbachs Reformpläne kommen nicht gut an

Die Pläne von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stoßen dem Apothekerverband übel auf. Lauterbach will Neueröffnungen von Apotheken in Regionen mit dünnem Netz erleichtern. Ein Vorschlag des Ministers sieht beispielsweise vor, dass künftig kein Apotheker mehr vor Ort sein muss.

Weder Verbandschef Hubmann noch Apothekerin Maier halten diese Pläne für sinnvoll. Die Betreuung einer anderen Apotheke parallel zum Alltagsgeschäft hält Maier für unpraktikabel.

Und Verbandschef Hubmann befürchtet, dass solche "Apotheken-Light", wie er sie nennt, etablierte Apotheken verdrängen könnten. "Einmal abgebaute Strukturen kommen nicht wieder", sagt Hubmann.

Apotheker-Streik: Ministerin Gerlach nimmt Bundesregierung in die Pflicht

Laut Angaben des bayerischen Apothekerverbandes sind die Probleme Grund für viele Apothekenschließungen. Aktuell gäbe es  2820 öffentliche Apotheken - rund 500 weniger als vor zehn Jahren. Deutschlandweit waren es letztes Jahr knapp 400, mit steigender Tendenz für 2023. 

Judith Gerlach, die neue bayerische Gesundheitsministerin, zeigte sich aufgrund der Zahlen des Verbands besorgt und warnte vor weiteren Schließungen. Es sei dringend notwendig, dass die Politik schnell geeignete Maßnahmen ergreift.  Ein entsprechender Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz liege laut Gerlach vor und die Bundesregierung sei am Zug.

Der Verband rechnet damit, dass sich etwa 90 Prozent der 2820 bayerischen Apotheken an dem Protesttag beteiligen. Die Versorgung mit Medikamenten soll demnach über Notdienste sichergestellt sein. Zusammen mit der Apothekerschaft aus Baden-Württemberg treffen sich die Demonstrierenden in Stuttgart.