Im Winter vor einem Jahr stellte Maier Fiebersäfte selbst her, weil es keinen Nachschub gab. Wegen der Engpässe müssten die Apotheken auch mehr mit den Ärzten kommunizieren, um Lösungen zu finden, wie die Patientinnen und Patienten trotz eines nicht lieferbaren Mittels behandelt werden können. "Manche Kunden fragen dann schonmal: "Bin ich jetzt ein Versuchskaninchen?""
Lauterbachs Reformpläne kommen nicht gut an
Die Pläne von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) stoßen dem Apothekerverband übel auf. Lauterbach will Neueröffnungen von Apotheken in Regionen mit dünnem Netz erleichtern. Ein Vorschlag des Ministers sieht beispielsweise vor, dass künftig kein Apotheker mehr vor Ort sein muss.
Weder Verbandschef Hubmann noch Apothekerin Maier halten diese Pläne für sinnvoll. Die Betreuung einer anderen Apotheke parallel zum Alltagsgeschäft hält Maier für unpraktikabel.
Und Verbandschef Hubmann befürchtet, dass solche "Apotheken-Light", wie er sie nennt, etablierte Apotheken verdrängen könnten. "Einmal abgebaute Strukturen kommen nicht wieder", sagt Hubmann.
Apotheker-Streik: Ministerin Gerlach nimmt Bundesregierung in die Pflicht
Laut Angaben des bayerischen Apothekerverbandes sind die Probleme Grund für viele Apothekenschließungen. Aktuell gäbe es 2820 öffentliche Apotheken - rund 500 weniger als vor zehn Jahren. Deutschlandweit waren es letztes Jahr knapp 400, mit steigender Tendenz für 2023.
Judith Gerlach, die neue bayerische Gesundheitsministerin, zeigte sich aufgrund der Zahlen des Verbands besorgt und warnte vor weiteren Schließungen. Es sei dringend notwendig, dass die Politik schnell geeignete Maßnahmen ergreift. Ein entsprechender Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz liege laut Gerlach vor und die Bundesregierung sei am Zug.
Der Verband rechnet damit, dass sich etwa 90 Prozent der 2820 bayerischen Apotheken an dem Protesttag beteiligen. Die Versorgung mit Medikamenten soll demnach über Notdienste sichergestellt sein. Zusammen mit der Apothekerschaft aus Baden-Württemberg treffen sich die Demonstrierenden in Stuttgart.