Franken
Coronavirus

Coronavirus: Wie gehen fränkische Unternehmen mit der Epidemie um?

Wie wirkt sich das Coronavirus auf die Unternehmen in Franken aus? Welche Vorkehrungen treffen die fränkischen Firmen zum Schutz vor der neuartigen Lungenkrankheit? inFranken.de hat sich mit diesen Fragen an die größten Arbeitgeber in der Region gewandt.
 
Zum Schutz vor dem Coronavirus: Fränkische Firmen setzen auf Home Office und Hygiene-Vorkehrungen.  Foto: Ronald Heck
Zum Schutz vor dem Coronavirus: Fränkische Firmen setzen auf Home Office und Hygiene-Vorkehrungen. Foto: Ronald Heck

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland immer weiter aus, die Zahl der Infizierten wird regelmäßig nach oben korrigiert. Längst wird über die Absage von Großveranstaltungen diskutiert, weil dort viele Menschen zusammenkommen. Allerdings kann jeder für sich entscheiden, ob er sich in der jetzigen Situation in seiner Freizeit an Orte begibt, an denen sich viele Menschen aufhalten.

Auf die Arbeit trifft das nicht zu, zur täglichen Fahrt ins Büro oder in die Firma gibt es keine Alternative - oder doch? Wie eine Umfrage von inFranken.de unter den größten fränkischen Arbeitgebern ergab, ist "Home Office" nämlich die am meisten genannte Maßnahme, mit der die Unternehmen eine Ausbreitung des Virus unter ihren Angestellten vermeiden wollen. Davon abgesehen berichten mehrere fränkische Firmen von Produktionsproblemen, die mit dem Virus zusammenhängen.

Coronavirus: So reagieren die Unternehmen in Franken

So berichtet ZF Friedrichshafen mit Standorten in Aschaffenburg, Bayreuth, Nürnberg und Schweinfurt von Schwierigkeiten mancher Lieferanten, Teile in der benötigten Stückzahl zu liefern. "Wir können das aber kompensieren, indem wir Lieferungen teils von anderen Lieferanten beziehen oder teils auch selbst aus anderen Werken unseres weltweiten Produktionsnetzwerks liefern - notfalls in Ausnahmefällen per Luftfracht", so das Unternehmen. Der Autozulieferer habe so seine Lieferketten bisher stabil halten und einen Abriss der Lieferkette verhindern können.

Darüber hinaus gelten für die Belegschaft von ZF ebenso Schutzmaßnahmen wie für Gäste: Rückkehrer aus Risikogebieten dürfen das Werksgelände 14 Tage lang nicht betreten. Geschäftspartner und Besucher der Werke werden an den Zugängen zu Selbstauskünften aufgefordert, ob sie sich in den vergangenen Wochen in vom Corona-Virus betroffenen Gebieten aufgehalten haben.

SKF (Sitz in Göteborg/Schweden), mit ca. 4000 Mitarbeitern in Schweinfurt ein weiterer großer Automobilzulieferer, habe dagegen noch keine gravierende Störung in der Lieferkette erkennen können. Allerdings sei ein Corona-Krisenstab eingerichtet worden, der täglich im Austausch stehe, teilt das Unternehmen mit. Für Mitarbeiter gelten Reisebeschränkungen für die vom Robert Koch-Institut bekannt gegebenen Risikogebiete. Beschäftigte, die in betroffenen Krisengebieten waren, bleiben zwei Wochen zu Hause im Home Office.

Wer in Risikogebieten war, soll 14 Tage lang von zuhause aus arbeiten

Siemens ist mit derzeit 43.000 Mitarbeitern (Standorte unter anderem in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Forchheim) größter Arbeitgeber in Franken. Und auch für Siemensianer gilt derzeit: Wer in Risikogebieten war, soll 14 Tage lang von zuhause aus arbeiten. Allerdings biete Siemens bereits seit Jahren die Möglichkeit zum "mobilen Arbeiten" an. Deshalb sei Home Office für die Mitarbeiter nichts Besonders mehr, so Pressesprecher Wolfram Trost, der darüber hinaus von eingeschränkten Dienstreisen und Telefonkonferenzen anstelle von persönlichen Treffen berichtet.

In der Zentrale von Adidas in Herzogenaurach bestehe - unabhängig vom Coronavirus - die Möglichkeit, 20 Prozent der Arbeitszeit außerhalb des Campus zu verbringen und zum Beispiel von Zuhause zu arbeiten, erklärt eine Sprecherin. "Zum Schutz unserer Mitarbeiter ermutigen wir diese aber an allen unseren Standorten persönliche Treffen zu reduzieren, sofern erforderlich, und stattdessen verstärkt Videokonferenztechnologie zu nutzen." Diese sei bei Adidas ohnehin sehr verbreitet, das Unternehmen sehr international sei. Auch Veranstaltungen würden aktuell virtuell abgehalten. Wie am Freitagnachmittag bekannt wurde, ist ein Adidas-Mitarbeiter in Herzogenaurach am Coronavirus erkrankt.

Autozulieferer Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach (rund 18.900 Mitarbeiter an den Standorten Herzogenaurach, Schweinfurt, Erlangen, Nürnberg, Eltmann, Gunzenhausen, Hirschaid, Höchststadt und Kitzingen) hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus seine Vorsichtsmaßnahmen erweitert. Dazu gehört auch, dass Mitarbeitende um eine Selbstauskunft bitten, ob sie in den letzten 15 Tagen in China, Südkorea, Japan, Iran oder Italien waren, da diese Länder derzeit ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben.

Videokonferenz statt persönliches Meeting

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von einer Dienstreise oder privaten Urlaub aus einem der genannten Länder zurückkommen, sollen für einen Zeitraum von 14 Tagen im Homeoffice arbeiten. Auch externe Besucher werden um diese Selbstauskunft gebeten. Wer während der letzten 15 Tage in einem der genannten Länder war, darf das Werksgelände bis auf weiteres nicht betreten. Ohnehin empfiehlt Schaeffler, verstärkt auf persönliche Meetings zu verzichten und Videokonferenzen zu nutzen.

Datev - mit rund 7000 Mitarbeitern einer der bedeutendsten Arbeitgeber in Nürnberg - bemerkt laut Unternehmensangaben derzeit keine wirtschaftlichen Auswirkungen durch das Coronavirus. Dennoch würde die Situation kontinuierlich analysiert. Man könne zügig konkrete Maßnahmen ergreifen, wenn es erforderlich sein sollte. In den meisten Abteilungen gebe es zum Beispiel die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten und den internen Austausch verstärkt über digitale Kanäle zu organisieren.

Ähnlich ist es bei Continental, dessen Antriebssparte Vitesco Technologies einen Standort in Nürnberg mit rund 2500 Mitarbeitern hat: Alle Mitarbeiter, die in den vergangenen 14 Tagen in Ländern waren, die besonders viele Infektionsfälle aufweisen, werden aufgefordert, nach ihrer Rückkehr zwei Wochen lang von zu Hause zu arbeiten. Geschäftsreisen von und nach China, Südkorea, Italien, sowie in den Iran wurden eingeschränkt.

Auch Leoni setzt auf Hygienemaßnahmen und die 14-Tage-Quarantäne für Mitarbeiter, die in Risikogebiete gereist sind. Grundsätzlich besteht bei dem Nürnberger Automobilzulieferer auch die Möglichkeit auf Home Office und Kurzarbeit, um die Ausbreitung des Coronavirus bzw. deren Folgen abzufedern. Zurzeit seien diese Regelungen aber nicht in Kraft, teilt ein Sprecher mit.

Neben der Sicherheit der Mitarbeiter sei auch die Sicherstellung der Belieferung der Kunden ein großes Anliegen. Was die viel zitierten Lieferketten angelangt, weist Leoni auf die Entspannung der Lage in China hin: "Nach dem Ende der von den chinesischen Behörden verhängten vorübergehenden Schließung von Fabriken und öffentlichen Einrichtungen sind alle unsere Produktionsstätten in China wieder geöffnet und arbeiten mit zunehmender Kapazität."

Als Versicherungsunternehmen naturgemäß weniger von Lieferketten abhängig ist die HUK-Coburg (5000 Mitarbeiter alleine am Sitz in Coburg/Oberfranken, über 100 Mitarbeiter an Außenstellen in Nürnberg, Fürth und Würzburg). Dennoch nimmt der Versicherer die Lage "sehr ernst" und habe wichtige Vorbereitungen zur Eindämmung des Coronavirus getroffen, teilt Holger Brendel von der Abteilung Unternehmenskommunikation mit.

Dazu gehören unter anderem Desinfektionsmittelspender und die Absage von Dienstreisen, wenn sie nicht zwingend erforderlich sind. Mitarbeiter, die einen Telearbeitsplatz zuhause haben und normalerweise nur tageweise ins Büro kommen, arbeiten ab sofort vollständig von zuhause aus. "Außerdem prüfen wir die Ausweitung der Arbeiten im Homeoffice, soweit dies möglich ist", so Brendel.

Bosch (Werke in Bamberg, Ansbach und Nürnberg mit insgesamt rund 13.300 Mitarbeitern) berichtet von einem "normalen Betrieb" an seinen deutschen Standorten. "Wir informieren alle Beschäftigten weltweit laufend über unsere internen Netzwerke, Aushänge an den Standorten sowie eine interne Hotline über vorbeugende Maßnahmen, Verhaltensweisen, Reisehinweise und Empfehlungen der WHO", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.