Fränkisch ist nicht gleich "frängisch". Fünf Kilometer weiter, im nächsten Dorf, kann es Unterschiede in der Aussprache geben. Die Gesamtfränkischen Mundart-Theatertage, die am Wochenende in Kersbach stattfinden, sollen beweisen, dass Mundart nichts Altmodisches, nichts Verstaubtes ist.

Kinder ohne Dialekt

Im Dialekt entstehen neue Wörter, es verändern sich Redewendungen, andere geraten in Vergessenheit: "Die Kinder sprechen heute oft gar keinen Dialekt mehr, obwohl sie es könnten", sagt Marianne Höller, Organisatorin und selbst aktiv in der Theatergruppe Kersbach. Für sie ist Sprache ein Gut, "durch das wir unsere Identität verstärken". Während Mundart im Alltag verloren geht, pflegen Theatergruppen aus den drei fränkischen Bezirken das Heimatliche: das Fränkisch.


Neun Theatergruppen aus Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken geben am kommenden Wochenende ihren Dialekt zum Besten: "Wir erwarten über 100 Akteure, die zwei Tage Mundart in Franken in den Mittelpunkt rücken", sagt Höller. "Alle wollen am Ende das 'Theater-Pärla' gewinnen."

Anrufe über Anrufe, ein überquellender E-Mail-Posteingang, hier noch schnell ein Programmheft ausgelegt, da noch mal eben den Bürgermeister über den neusten Stand informiert: Höller hat nach den Vorbereitungen für die 22. Mundart-Theatertage "100 graue Haare mehr". Dass sich ihr Einsatz lohnt, bezweifelt sie nicht: "Am schönsten wäre es, wenn wir danach 100 neue Theaterfreunde zählen könnten", sagt Höller.

Die 63-Jährige ist in Hamburg geboren, hat in Nürnberg eine Ausbildung gemacht und sich in den Dialekt verliebt: "Mir gefällt die Sprache, die Wesensart wirkt manchmal etwas ruppig, aber die Franken sind herzenswarm." Sie möchte zwar noch nicht zu viel über das Kersbacher Stück "Blaue Zipfl" verraten, aber so viel gibt sie schon mal preis: "Ich darf bei unserem Stück auch zu Wort kommen."

Denn bei der Theatergruppe Kersbach trifft heuer fränkische Mundart auf nord-ost-deutschen Dialekt. Aber was, wenn man weder der fränkischen, noch der norddeutschen Mundart mächtig ist? "Die Stücke kann jeder verstehen. Und wenn ein Ausspruch nicht auf Anhieb übersetzt werden kann, gibt es ja immer noch ein Bild auf der Bühne dazu", sagt Höller.

Studenten-Jury

Bewertet wird jeder Auftritt von der sechsköpfigen Jury aus Studenten der Theaterpädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Maximal 19 Punkte können die einzelnen Theatergruppen erreichen. Wie textsicher sind die Schauspieler, wie ausdrucksstark kommt Gestik und Mimik beim Publikum an? Passen Bühnenbild und Kostüme? Wer strahlt die größte Begeisterung auf der Bühne aus? Jeder Punkt wird darüber entscheiden, wer in diesem Jahr den Wanderpokal, das "Theater-Pärla", mit nach Hause nehmen darf. Titelverteidiger sind die Kulmbacher. Höller erwartet gespannt die Auftritte der Konkurrenz: "Alle sind so richtige Bonbons."

An den beiden Tagen lesen vier Mundart-Autoren: Ein kabarettistischer Kurzspaziergang mit dem Titel "Franken, der Mittelpunkt der Welt" wurde extra von Gerd Fischer für diese Theatertage geschrieben. Zum Abschluss des ersten Theaterabends wird die Künstlerin Anne Klinge aus Weißenohe wie von "Zauberfuß" das Publikum in die Welt von Fußgesichtern entführen. "Ein Fußtheater war für mich der perfekte Ausgleich für den Mundart-Tag", sagt Höller.

Am Sonntag sind alle zu einem Gottesdienst in der Mehrzweckhalle eingeladen: "Es wird zwar keine fränkische Predigt geben, aber in der Lesung kann schon der eine oder andere Akzent untergebracht sein", sagt Höller. Von 13.30 bis 17.30 Uhr geht es nochmal um den Wanderpokal: "Jeder Besucher kann kommen und gehen, wann er will. Zwischendurch einen Kaffee trinken oder einen Sonntagsspaziergang machen", sagt die Organisatorin.
Ob Kersbach, Unterleinleiter oder Bamberg, das "freilich", oder das "Allmächd" der Nürnberger - um 18 Uhr wird gekürt, welches Fränkisch mit dem Mundart-Pokal ausgezeichnet wird.