Zu neugierig, um daheim zu bleiben, war am Samstagmorgen ein kleiner Junge: Kurz nach sieben Uhr haben Passanten beobachtet, wie der Zweijährige alleine, mit einem Schlafanzug bekleidet und mit einer Nuckelflasche in der Hand eine Entdeckungstour über den Paradeplatz unternahm.

"Als ich die Blumen rausgefahren habe, kam ein Mann zu mir und bat mich, die Polizei zu rufen", erzählt Reinhold Skotnik, der Manager des dortigen Rewe-Marktes. Der Mann hatte den Jungen vom Auto aus entdeckt und angehalten.


Autofahrer machte sich Sorgen

"Er hat sich Sorgen gemacht, dass er vor ein Auto läuft", sagt Skotnik, der dem kleinen Ausreißer eine Breze brachte, auf der er dann herumkaute, bis die Polizei kam. Der Zweijährige hatte seine Entdeckungstour in der nahegelegenen Burgerhofstraße begonnen und war bis zum Kreisverkehr am nördlichen Paradeplatz gelangt.

Da keiner der Anwesenden wusste, wer der Junge war, nahmen ihn die Beamten mit aufs Präsidium. "Ich habe ihn schon mal gesehen, wusste aber nicht genau, zu wem er gehört", sagt Skotnik.


Smarties und Saft bei der Polizei

Auf der Polizeiwache versuchten die Beamten den mittlerweile verängstigten Kleinen, der zunächst nur nach Mama und Papa rief, abzulenken. "Er wurde bespaßt, hat Smarties bekommen und in die leer getrunkene Nuckelflasche kam ACE-Saft", erinnert sich Polizeikommissar Christian Heinzel. "Später hat er uns dann seinen Namen gesagt und wir konnten den Vater benachrichtigen." Dieser habe seinen Sohn umgehend abgeholt.


Geschichte geht gut aus

"Der Junge schrie total auf vor Freude", erinnert sich Polizist Heinzel an das Happy End. Der Grund für das Ausbüxen des Jungen: Während der Vater nach einer Nachtschicht schlafend im Bett lag, hatte die Mutter wohl vergessen, die Tür abzuschließen, als sie morgens zu ihrer Arbeit ging.

"Es ist Gott sei Dank nichts passiert. Die Familie ist auch nicht negativ bekannt, das war eine Ausnahme", sagt Christian Heinzel. Eine Meldung ans Jugendamt gab es trotzdem.

"Das ist Standard. Wir bekommen die Daten der Familie, die gegen die Aufsichtspflicht verstoßen hat", sagt Nicole Liebe, Sozialpädagogin am Forchheimer Jugendamt. "Die Eltern werden sich das wahrscheinlich gut merken. Dennoch wird es ein ergebnisoffenes Gespräch geben, um solche Situationen künftig zu verhindern."

Was dann geschehe, hänge vom Einzelfall ab. Oft bleibe es beim einmaligen Kontakt, manchmal würden auch Gesprächsangebote oder sozial-pädagogische Familienhilfen aufgezeigt.

Für Fälle, in denen die Eltern nicht gefunden werden, gibt es zudem einen 24- Stunden-Bereitschaftsdienst, der sich um die Inobhutnahme oder die Suche nach weiteren Familienangehörigen kümmert.