Langsam kommen die Senioren in den Gemeinschaftsraum, manche tippeln schnurstracks auf einen Stuhl zu, andere rollen mit ihrem Rollator oder im Rollstuhl an einen freien Platz. Warmes Sonnenlicht fällt in den Raum, durch ein gekipptes Fenster zieht frische Luft herein. Eine Angehörige gibt ihrem Mann einen Kuss und verabschiedet sich von ihm, bevor die Sitzgymnastik beginnt.

In der Mitte des Stuhlkreises steht Betreuerin Nicoleta Schmidt und blickt abwechselnd in alle Richtungen, läuft hin und her und ermutigt die Senioren, das Bein doch noch etwas anzuheben, die Schulter etwas weiter zu kreisen. "Und jetzt die Arme nach oben heben. Bis zu den Sternen greifen", sagt sie und lächelt. Schmidt ist eine von sechs Betreuungskräften im BRK Seniorenzentrum am Königsbad.

Dazu kommen 44 Pflegekräfte, aufgeteilt auf drei Wohnbereiche, die allein für die Pflege zuständig sind: Waschen, Essen anreichen, Bettlägerige bewegen und mehr.

Die Betreuungskräfte dagegen kümmern sich um die psychische Gesundheit der Bewohner. Jedem steht es zu, einmal am Tag besucht und "aktiviert" zu werden. Das kann eine gemeinsame Gymnastikstunde sein, bei Bettlägerigen eine Massage oder gemeinsames Musik hören.

Senioren reagieren auf Musik

"Durch Lachen oder Singen kann man viele Bewohner erreichen. Einfach, weil man da ist", sagt Schmidt. Rund die Hälfte der insgesamt 99 Bewohner ist dement. "Jedes Krankheitsbild ist bei Demenz anders", sagt Schmidt.

Jeden Tag um 10 Uhr trifft sie sich mit den Leiterinnen der drei Wohnbereiche und mit Pflegedienstleiterin Silvia Kuhn zu einer "Blitz"-Besprechung. Konzentriert arbeiten sie eine Liste mit Fragen ab: Wer ist krank, wer hat heute Geburtstag, wessen Pflegegrad wird neu eingestuft?

Dann geht es zurück auf die drei Stationen, eine pro Stockwerk. Wohnbereichsleiterin Anita Dani schaut zuerst im Stationszimmer vorbei, legt Akten zurück in den Schrank und tippt etwas in den Computer ein.

Alles muss dokumentiert werden

Als Leiterin ist sie weniger aktiv in die Pflege eingebunden, sondern muss sich hauptsächlich um administrative Dinge kümmern: Medikamente zusammenstellen, Termine mit Ärzten ausmachen, Angehörige informieren, alles dokumentieren. "Ohne Dokumentation geht gar nichts mehr", sagt Dani.

Pro Station muss immer eine Fachkraft oder Wohnbereichsleitung anwesend sein. Dazu kommen je nach Pflegegrad der Bewohner mehrere Pflegehelfer. Gegen 12 Uhr gibt es Mittagessen, gekocht wird direkt im Haus. Bei der Essensausgabe müssen alle mit anpacken, schließlich möchte niemand lange auf sein Essen warten. Eine Hauswirtschafterin schöpft im Gemeinschaftsraum gerade Nudeln und Soße auf Teller, als Dani dazukommt und sie verteilt.

Täglich können sich die Bewohner zwischen zwei Gerichten entscheiden. Wer nichts findet, für den gibt es ein einfaches Ersatzgericht. Heute mischt sich der Duft von Schinken-Sahne-Soße mit dem von Topfenknödel.

Während eine Hilfskraft einen Mann im Rollstuhl füttert, läuft Schmidt umher und hilft, wo sie gebraucht wird. Einem Mann schneidet sie den Topfenknödel in kleine Stücke, dem anderen ist die Serviette auf den Boden gefallen. Unterdessen schichtet Dani zügig Essenstabletts auf einen Wagen für die wenigen Bewohner, die in ihrem Zimmer essen möchten, Dann wird sie von einem älteren Mann gerufen. "In dem Moment, in dem du beim Bewohner bist, musst du zur Ruhe kommen", sagt Dani und schaut sich im Raum um.

Sie setzt sich zu einer älteren Dame, die heute nichts essen möchte. Energisch schiebt diese ihren Teller von sich weg. "Vielleicht wenigstens einen kleinen Löffel Joghurt?", fragt Dani und hält ihn der Dame hin. Nach ein paar Löffeln möchte sie auch das nicht mehr. Ja, animieren, aufmuntern, das geht. Aber zum Essen zwingen dürfen sie niemanden, betont Dani. Noch etwas ist ihr wichtig: Es heißt nicht füttern, sondern Essen anreichen.

Wie groß ist die Wertschätzung?

Seit 20 Jahren arbeitet sie schon im BRK Seniorenzentrum, erst hat sie eine Ausbildung zur Pflegefachkraft gemacht, dann etliche Weiterbildungen, eine Mentorenausbildung und eine Ausbildung zur Wohnbereichsleitung. Damit hat sie die Verantwortung für 33 Bewohner, aber auch für ihre Kollegen und für Angehörige. Verantwortung, ja, die habe sie. Druck verspüre sie aber nicht, sagt Dani. "Man sieht, dass man etwas bewirken kann."

Dafür fühlt sie sich auch wertgeschätzt, von den Bewohnern, den Angehörigen und den Vorgesetzten. Auch mit ihrem Lohn ist sie zufrieden. "Ich kann noch in Urlaub fahren und meine Kinder unterstützen", sagt sie.

Wie ihr Beruf von der Gesellschaft wahrgenommen wird, das habe sich in den vergangenen Jahren geändert. Mittlerweile bekomme sie Hochachtung für die Arbeit entgegengebracht. Vor zehn Jahren sei das noch anders gewesen. "Das ist im Wandel. Aber es ist noch nicht zu 100 Prozent erreicht", meint Dani.

Sie weiß, dass nicht jeder für diesen Beruf geeignet ist - körperliche Arbeit, Schicht- und Wochenenddienst würden manche abschrecken. In einem anderen Beruf zu arbeiten, könnte sie sich nicht vorstellen. "Wir machen das alle aus Überzeugung."