"Wollt ihr drinnen oder draußen sitzen?" Eine Frage, die Birgit Hempel, Wirtin des Forchheimer Schindlerkellers, ihren Gästen im Moment oft stellt. Denn mit sinkenden Temperaturen ist auch die Freiluft- und Kellersaison vorbei. Viele Gastronomen in der Region blicken deshalb einem düsteren Corona-Winter entgegen. Vor allem, seit die Corona-Ampel im Landkreis Forchheim seit Montag auf Rot steht.

Hempel versucht, trotz allem optimistisch zu bleiben. "Es bringt nichts, nur zu reden und zu jammern." Sie hat sich für ihren Keller ein wintertaugliches Konzept ausgedacht: Den Außenbereich des Schindlerkellers, zumindest dort, wo er überdacht ist, möchte sie den ganzen Winter über bestuhlt lassen. Außerdem will sie zwei kleine Pavillons aufstellen. Mit Heizpilzen und Feuertonnen soll den Gästen nicht kalt werden. Vom Ordnungsamt sei das unter Corona-Aspekten genehmigt worden, sagt sie.

Lieber raus statt rein

"Die Leute setzen sich schon mehr raus", weiß die Wirtin aus eigener Erfahrung. Denn im Freien ist für viele, zumindest subjektiv, die Corona-Ansteckungsgefahr geringer. Freilich kommt es dabei auch auf die Einstellung der Gäste an. "Die Leute müssen natürlich wollen." Deshalb ihr Appell: "Bringt euch Kissen mit, zieht euch warm an."

In der Gaststube hat Hempel zwischen den Tischen Klarsicht-Scheiben einbauen lassen. So würden immer noch bis zu 35 Gäste in den Raum passen. Sonst hat sie Platz für 50 Gäste.

Eigentlich hatte Hempel für diesen Freitag ein "Open-Air-Wirtshaussingen" geplant, damit zumindest auf diese Tradition nicht verzichtet werden muss. Doch nachdem der Landkreis Forchheim seit Montag den roten Ampelwert erreicht hat, verzichtet sie darauf lieber. "Das ist zu gefährlich. Hier ein Hotspot wäre das Schlimmste überhaupt", sagt sie.

Auch wenn seit einigen Tagen ein zweiter Lockdown nicht mehr auszuschließen ist, sagt Hempel: "Wir geben nicht auf und stecken den Kopf nicht in den Sand."

Lüften und Mitnahme-Angebot

Auch andere Gastronomen in Forchheim versuchen, sich für den Corona-Winter zu wappnen. In ihrer Kaffee-Rösterei bietet Constanze Bogatz ein Mitnahme-Angebot an, wie bereits während des ersten Lockdowns im Frühjahr. Auch den Online-Shop für ihre Produkte betreibt sie fleißig weiter.

Eine aufwendige Außenbestuhlung mit Heizpilzen wird es im Winter aber nicht geben. Dafür gilt in der Kaffee-Rösterei, wie in allen Gastronomie-Betrieben: lüften, lüften, lüften. "Wir setzen auf Innen und Lüften", sagt Bogatz. Dafür kann sie die Fenster in der Kaffee-Rösterei komplett öffnen. Durch die Eingangstüre solle den ganzen Tag frische Luft kommen.

In Forchheims Nachbarstadt Bamberg setzen derweil viele Gastronomen ihre Hoffnung auf Freiluft-Konzepte und Heizpilze. Damit sie Gäste weiter an der frischen Luft willkommen heißen können, will ihnen die Stadt Bamberg ausnahmsweise Heizpilze im öffentlichen Raum erlauben. Ein Konzept auch für den Landkreis Forchheim?

Georg Hötzelein, Kreisvorsitzender des Branchenverbandes Dehoga, sieht das Konzept eher für Restaurants in der Stadt geeignet. In der Fränkischen sei es dagegen schlecht umsetzbar. "Das geht vielleicht in der Stadt, wenn man einen geschützten Hinterhof hat", sagt er.

Er hofft, dass die Wirte zumindest mit den geltenden Auflagen ihre Gaststätten weiter öffnen dürfen. "Ich bin sehr skeptisch durch die letzten Tage. Wir gehen auf eine schwere Bürde zu. Ich hoffe sehr, dass wir vor dem Lockdown die Kurve kriegen."

Diese Regeln gelten für Restaurant-Besuche im Landkreis Forchheim

Anzahl Weil der Landkreis am Montag die 7-Tage-Inzidenz von 50 überschritten hat, steht die Corona-Ampel auf Rot. Es dürfen sich deshalb maximal fünf Personen oder zwei Hausstände bei Kontakten, privaten Feiern und im öffentlichen Raum treffen.

Sperrstunde Eine Sperrstunde gilt ab 22 Uhr, Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ab 22 Uhr, Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen ab 22 Uhr.

Geltende Maßnahmen Wie bisher muss beim Restaurantbesuch, außer am Platz, ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Zwischen den Tischen muss ein Abstand von 1,50 Meter sein, Wirte müssen die Kontaktdaten ihrer Gäste notieren.