Verspätete oder ausgefallene Züge haben Johannes Füngers über 36 Stunden seiner Lebenszeit gestohlen - allein in einem Jahr. Störungen im Bahnverkehr seien nach wie vor eines der größten Ärgernisse für regionale Vielfahrer wie ihn - auch wenn sich die Pünktlichkeit teilweise verbessert habe. Der Zug-Enthusiast ist nicht nur Vorsitzender des Dampfbahn-Vereins Fränkische Schweiz in Ebermannstadt, sondern auch beim Fahrgastverband Pro Bahn aktiv. Der Rentner fährt regelmäßig mit der S-Bahnlinie 1 von Erlangen-Bruck nach Forchheim, wo er in die Agilis-Bahn umsteigt, um nach Ebermannstadt zu fahren. Er kennt die Stärken und Schwachstellen des Forchheimer Schienenverkehrs. "Bei den Taktungen im Zugfahrplan können wir uns eigentlich nicht beklagen", lobt Füngers.

Vier Bahnlinien führen durch den Landkreis Forchheim:

S1: Verbindung mit der Metropolregion

Der Landkreis Forchheim ist mit der S 1 an den Großraum Nürnberg angeschlossen. Die S-Bahn der Deutschen Bahn hält in Eggolsheim, Forchheim und Kersbach. Die Linie S 1 verkehrt zwischen Bamberg und Hartmannshof. Forchheims Zugfahrer können mit der S-Bahn die wichtigen Pendlerziele Bamberg, Erlangen und Nürnberg erreichen. Die S 1 fährt zwischen Bamberg und Forchheim an Arbeitstagen im Stundentakt. Zwischen Forchheim und Nürnberg verkehrt die S-Bahn zweimal in der Stunde im Abstand von 20 und 40 Minuten. In Forchheim-Nord ist ein zusätzlicher S-Bahn-Halt geplant. Mit der S-Bahn-Linie 1 brauchen Pendler vom Forchheimer Bahnhof bis nach Bamberg planmäßig 20 Minuten, nach Erlangen 17 Minuten und nach Nürnberg 42 Minuten.

R 2: Schneller mit dem Express

Die Regionalbahn-Linie R 2 verbindet den Bahnhof Forchheim ebenfalls mit den Städten der Metropolregion im Norden und Süden. Der Regionalexpress fährt zwischen Nürnberg und Lichtenfels hin und her. Die R 2 der Deutschen Bahn Regio fährt im 60-Minuten-Takt. Der Regional-Express hält einmal am Tag auch in Eggolsheim, um 7.04 Uhr können Pendler wie Schülerinnen und Schüler in Richtung Bamberg einsteigen. Bahnfahrer sind mit dem Regionalexpress von Forchheim laut Fahrplan in 15 Minuten in Bamberg, in sieben Minuten in Erlangen und in 26 Minuten in Nürnberg.

R 21: Vorbild und Pannenbahn

Die Zugstrecke vom Bahnhof Nürnberg-Nordost nach Gräfenberg ist als "Gräfenbergbahn" bekannt. Die Bahnlinie R 21, die die Deutsche Bahn betreibt, fährt im Stundentakt bis in den Landkreis Forchheim über Rüsselbach, Igensdorf und Weißenohe bis zur Endhaltestelle in Gräfenberg. Einerseits gilt die Gräfenbergbahn als Vorbild für Bahnstrecken, die in der Region erhalten wurden; andererseits machte sie wegen der häufigen Ausfälle als "Pannenbahn" Schlagzeilen. Eine Fahrt von Nürnberg-Nordost bis nach Gräfenberg dauert planmäßig 40 Minuten.

R 22: Durchs Wiesenttal nach Ebs

Zwischen Forchheim und Ebermannstadt fahren die Züge des Eisenbahnunternehmens Agilis. Auf der eingleisigen Strecke fahren die Züge im Ein-Stunden-Takt und halten an den Bahnhöfen Pinzberg, Gosberg, Wiesenthau, Kirchehrenbach, Pretzfeld und Ebermannstadt. Wegen Ausfällen bei den Zugführern musste die Agilis im vergangenen Sommer auf der Wiesenttal-Strecke mehrere Wochen Schienenersatzverkehr mit Bussen einrichten. Die Regionalbahn fährt in 19 Minuten von Forchheim nach Ebermannstadt. Auf der ehemaligen Bahnstrecke Ebermannstadt-Behringersmühle betreibt der Verein Dampfbahn Fränkische Schweiz die Museumsbahn.

Ärger über Halt weg vom Gleisdach

Der Vereinsvorsitzende Füngers findet das hiesige Schienennetz gut, wünscht sich allerdings eine bessere Abstimmung der Fahrpläne von Bus und Bahn. Den viergleisigen ICE-Ausbau als auch den barrierefreien Umbau des Forchheimer Bahnhofs begrüßt er. Was ihn am neuen Bahnsteig aber zur Weißglut treibt: Hätte die Bahn den Steig anders geplant, würde der Lokführer, um seine Zuglaufmeldung zu machen, nicht so weit südlich halten. "Die Agilis-Bahn hält immer weit vom Bahnsteigdach entfernt. Bei schlechtem Wetter steht der Zuggast dadurch im Regen."

FT-Kommentar: Bahnfahren darf keine Glückssache bleiben!

von Ronald Heck

Züge sind die beste Art zu Pendeln im Landkreis! Viel mehr würden allerdings einsteigen, wenn Bahnfahren zuverlässiger und unkomplizierter wäre. Alle Abwägungen zwischen Auto und Zug (ob Kosten, Zeit oder Bequemlichkeit) münden oft in dem einfachen wie fatalen Gedanken: Erfolgreiche Zugfahrten scheinen Glückssache zu sein. Abgesehen vom großen Glück, alltagstauglich in Bahnhofsnähe zu wohnen und zu arbeiten. Für zu viele beginnt am Bahnsteig und vor dem Fahrkartenautomaten noch immer das ungeliebte Spiel: Kommt mein Zug? Habe ich das richtige Ticket? Von Politik über Verkehrsverbund bis Deutsche Bahn, kennen die Verantwortlichen die Ziele: Pünktliche Züge, kluge Fahrpläne und nachvollziehbare Preise. Die Trümpfe, um mehr Bahnfahrer zu gewinnen, liegen auf dem Tisch.