Der Kellerwald ist der heilige Berg der Forchheimer. Und wenn dort schon neue Geländer angebracht werden müssen, dann sollen die sich auch möglichst schön in das historische Erbe einfügen.

Die bestehenden, meist x-förmigen Holzgeländer an den Kellern müssen ausgetauscht werden, weil sie nicht sicher genug sind. Kinder könnten beim Spielen durch oder über die Holzbalken klettern und herunterstürzen, Feierwütige zu Annafestzeiten könnten über die Brüstung stürzen. Deshalb brauchen die Keller neue, einheitliche Geländer, die hoch genug sind und genug Last aushalten (ein Kilonewton).

Für die neuen Geländer war ursprünglich eine Variante aus Stahl vorgesehen, nun soll eine Geländervariante aus Holz und Stahl die Kellerbesucher absichern (siehe Skizze). Das haben die Mitglieder des Planungs- und Umweltausschusses entschieden. Zehn Räte stimmten für die Holz-Stahl-Variante, vier dagegen. Endgültig entscheiden muss noch der Stadtrat.

Drei Varianten zur Auswahl

Drei Varianten standen zur Auswahl: Erstens die ursprünglich vom Architektenbüro vorgestellte Stahlvariante (siehe Foto oben). Zweitens eine Mischform aus Holz- und Stahlgeländer (siehe Skizze) und drittens ein modifiziertes Stahlgeländer mit Holz am Handlauf. Ob das Holz nun aus Fichte oder Lärche gefertigt wird und wie breit die unterschiedlichen Holzlatten letztlich werden, daraus könne man noch "Feinarbeiten erarbeiten", meint Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD).

Das Problem mit den Geländern beschäftigt die Stadt schon lange. Bereits zum Annafest 2019 wurden provisorische Sicherheitsgeländer an den Kellern installiert. Im November 2019 haben die Stadträte im Planungsausschuss beschlossen, dass der zuständige Erlanger Bauingenieur Markus Gräßel und sein Team ein 1-zu-1-Modell entwerfen soll.

Im Mai dieses Jahres konnten sich die Stadträte bei einer Besichtigung dann ein Vorort-Bild von dem Modell gegenüber dem Hofmanns-Keller machen. Die Stahlkonstruktion sei einzigartig und prädestiniert für den Kellerwald. Außerdem versperre das filigrane Design nicht die Sicht, sagte Gräßel. Sein Büro gestaltete auch den Geländer-Umbau auf dem Erlanger Bergkirchweih-Gelände.

Doch die Meinungen gingen auseinander, der Wunsch nach einer Variante mit mehr Holz wurde laut. Eine eben solche hat das Architekturbüro nun als Skizze erarbeitet. "Ich sehe die Stahlvariante als Auffrischung", sagt Markus Gräßel auf FT-Nachfrage. Das Holz sei zudem pflegeaufwendiger. Er betont: Auch an der Holz-Stahl-Variante werde es noch Modifikationen geben, welches Holz gewählt wird, wie breit und hoch die Holzlatten werden. "Das ist noch nicht die letzte Fassung."

Ein Meter der nun gewählten Geländervariante kostet rund 1469 Euro, inklusive Bodenverankerung. Die ursprüngliche Stahlvariante wäre auf 1508 Euro pro Meter (inklusive Verankerung) gekommen. Bei rund 1100 Meter Kellergeländer, die neu montiert werden müssen, kommt so schnell eine Millionensumme zusammen.

Wer muss zahlen?

Dabei ist noch ungeklärt, wer überhaupt für die Kosten und den Unterhalt der Geländer zuständig ist: Die Stadt oder die ansässigen Pächter oder Eigentümer? Denn die Frage der Besitzverhältnisse im Kellerwald ist seit Jahren eine schwierige. Die Rechtslage ist verzwickt: Bei manchen Kellern haben gleich mehrere Parteien ein Mitspracherecht, vom Eigentümer über den Pächter, bis hin zu den Brauereien und möglichen Subunternehmern.

In einer überarbeiteten Kellerwaldsatzung, die momentan erarbeitet wird, sollen die Besitzverhältnisse geklärt werden. "Die Frage der juristischen Einigung ist noch nicht herbeigeführt", betont auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD).

Kommentar: Eine lange Odyssee

Mit der Entscheidung für die Holz-Stahl-Variante scheint nun: Was lange währt, wird endlich gut.

Doch die Prozedur, die diesem Beschluss vorausgegangen ist, gleicht einer Odyssee. Vor einem Jahr haben die Räte im Planungsausschuss mehrere leicht unterschiedliche Geländervarianten präsentiert bekommen.

Zur besseren Vorstellung wurde dann vom Wunschgeländer ein Modell angefertigt, das bei einer Ortsbesichtigung im Mai so gar nicht überzeugt hat, weil zu wenig Holz. Warum nicht schon vor einem Jahr ein Geländer mit mehr Holz-Anteil als Alternative oder gar als Modell gefordert wurde, bleibt unklar.

Und nun haben sich die Räte, ganz ohne Modell und ohne Ortsbesichtigung, für die Variante mit mehr Holz entschieden. Leichte Modifikationen, wie die Holzart, sollen aber noch möglich sein. Ein Schelm, wer nun Böses dabei denkt.