Extrem wortkarg und hektisch zeigte sich Christoffer Bohlig beim letzten Anruf von Robert Fleischmann aus Neuses, als dieser sich nach dem Zustand seiner Whisky-Fässer auf Bohligs Austernfarm erkundigen wollte. "Der hat nur etwas von einer Notbergung ins Telefon gerufen und sofort wieder aufgelegt", erzählt Fleischmann.
Der Hintergund: Eines der 30 Liter Fässer, die der Whisky-Experte aus Neuses zusammen mit seinem Geschäftspartner René Bobrink im Frühjahr auf Bohligs 35 Hektar großer Austernfarm mitten im Wattenmeer deponiert hatte, war geplatzt. Irgendwie hatte sich der Deckel des Fasses gelöst und der Whisky ergoss sich ins Meer - ein paar hundert Meter vor der Küste von Sylt entfernt.
"Da gab es Hering blau", scherzt Robert Fleischmann, der den Verlust in die Rubrik Erfahrung einreiht.


Opfer an den Meermann

"Wenn Holzfässer ein halbes Jahr lang in einem Käfig zwischen Ebbe und Flut hin und her
schaukeln und den Kräften der Natur erbarmungslos ausgesetzt
sind, kann so etwas schon einmal
passieren", nimmt Junjorchef Thomas Fleischmann das Opfer an "Ekke Nekkepenn" locker. Der Meermann lebt der Sage nach mit seiner Frau Rahn auf dem Grund der Nordsee und treibt mit Seeleuten und Bewohnern der nordfriesischen Inseln Schabernack. Insgesamt, sind sich die Experten für Whisky, Watt und Werbung einig: Das Experiment hat sich gelohnt.
Julia Nourney (47) aus Oberursel im Taunus, die den Titel "Whisky-Kennerin des Jahres 2007" trägt, verkostete den vier Jahre alten 40-prozentigen Single Malt aus dem Hause Fleischmann nach seinem Nordsee-Bad.
Ihr Urteil über den tief kupferfarbenen "Stoff": "Es paaren sich sonnige weiche Noten mit salzigen Meerwasser-Aromen. Die Beeinflussung durch das Finish auf dem Meeresgrund ist eher subtil und integriert sich hervorragend ins Gesamtbild. Daraus hat sich ein komplexer, angenehm trinkbarer Whisky ergeben, der sich mit Austern ebenso verträgt, wie mit Schokolade." Zu schade also, um diesen edlen Tropfen in einem ganz normales Glas abzufüllen.
Während die Spirituose im Watt reifte, hat Fleischmann bei seinen Partnern auch Flaschen auf dem Meeresgrund versenkt, auf denen sich Seepocken, Muscheln und andere kleine Schalentiere festsetzten.
Durch die unterschiedliche Besiedelung gleicht keine Flasche der anderen. Sie wird - versehen mit einem Siegel, der den Inhalt als Sylter Tide-Whisky ausweist und ein paar erläuternden Worten über die Herkunft des edlen Getränks - in einer Holzkiste verpackt und zum Verkauf angeboten.


Zwischen Austern und Krebsen

Damit es dieses Nischenprodukt auch in Zukunft gibt, hatte Thomas Fleischmann bei seiner jüngsten Fahrt an die Nordsee wieder ein paar Fässer mit dem feinen 40-prozentigen Destillat an Bord. Es soll die kommenden Monate im Wattenmeer reifen. Aber schon jetzt ruht ein weiterer Schatz aus Deutschlands ältester Whisky-Destillerie "Blaue Maus" zwischen Austern, Muscheln und Krebsen.
"Für die nächsten Jahre haben
wir ein paar Fässer unseres Whiskys im Keller eingelagert, wo die Austern überwintern, denen über eine Pipeline täglich frisches Meerwasser zugeführt wird. Mal sehen wie sich diese Feuchtigkeit auf den Geschmack unseres Whiskys auswirkt", erklärt Thomas Fleischmann.