Es ist ein Notfall: Marion Bienwald möchte eine Bekannte im Klinikum abliefern. Die Autofahrerin ist aufgeregt und stellt ihr Fahrzeug ab, bringt die Dame, die Kreislaufprobleme hat und nur schwer bis zur Notfallambulanz kommt, dorthin. Als sie zu ihrem Auto zurück kommt, hat sie ein Knöllchen an der Windschutzscheibe. "Das Ganze hat sechs Minuten gedauert", schreibt sie in einem Leserbrief, "registriert und fotografiert von Mitarbeitern des Ordnungsamts." Marion Bienwald hatte versehentlich auf einem Behinderten-Stellplatz geparkt. Dass bis zum vergangenen Herbst dieser Behindertenparkplatz ein Ambulanz-Stellplatz war, zählt für die Politesse als Argument nicht.

Für Marion Bienwald ging der Fall gut aus, sie legte beim Ordnungsamt Einspruch ein und musste den Strafzettel nicht bezahlen. "Wer glaubhaft versichert, dass es nicht anders ging, bei dem lässt sich schon etwas machen", sagt Roland Brütting, Leiter des Sachgebiets Straßenverkehrsamt der Stadt Forchheim.


Keine Toleranz

Bei anderen Fällen lasse er aber nicht mit sich reden. "Die Toleranzschwelle ist sehr niedrig", sagt er. Auch das auf dem Gehsteigparken sei für ihn ein rotes Tuch, da die Rolli-Fahrer oft nicht mehr vorbei kämen. Eine Ausnahme macht er auch nicht, wenn der Fahrer noch im Auto sitzt oder in Sichtweite steht. "Der Behinderte sieht nicht auf den ersten Blick, dass jemand in der Nähe ist und das Auto wegfahren würde", weiß Brütting. Die Strafe für das Parken auf dem Behindertenparkplatz beträgt 35 Euro. "Es gibt da auch keinen Spielraum", versichert Brütting, "wer das Auto verlässt, der parkt."

Marion Bienwald tut es leid, dass sie auf dem Behindertenparkplatz stand. Sie sagt aber auch, dass ihrer Meinung nach der Parkplatz unzureichend gekennzeichnet gewesen sei, denn es steht zwar ein Schild dort, der Boden ist aber nicht markiert. In der Hektik und Aufregung bei einem Notfall könne man das übersehen.
"Ein Schild mit der entsprechenden Kennzeichnung reicht. Eine Markierung am Boden ist nicht notwendig", erklärt Brütting. Damit hat er recht, wie auch Ursula Schmidt, Behindertenbeauftrage des Landkreises Forchheim, bestätigt.

Allerdings entsprechen die Behindertenparkplätze am Klinikum trotzdem nicht ihren Wünschen beziehungsweise den rechtlichen Vorgaben. "Sinn und Zweck eines Behindertenparkplatzes ist, dass der Behinderte ohne fremde Hilfe klar kommt", betont sie. Dazu gehöre auch eine vorgeschriebene Breite von 3,50 auf 5 Meter. Vor öffentlichen Gebäuden und auch zum Beispiel vor Einkaufsmärkten müssen Behinderten-Stellplätze ausgeschrieben sein. Das wird schon bei der Planung der Parkplätze vorausgesetzt. Ein Prozent der Stellplätze muss als Behinderten-Stellplatz ausgeschrieben sein.

"Wenn ein Behinderter aussteigen möchte, muss er genug Platz haben, um die Türe ganz zu öffnen." Die Einrichtung der Behindertenparkplätze dort, wo früher die Ambulanzparkplätze waren, sei zwar gut gemeint, aber nur unzureichend umgesetzt. "Einfach ein Schild aufstellen reicht halt nicht", findet sie. Obwohl für dieses Schild lange gekämpft wurde. Auch Roland Brütting erinnert sich an viele Beschwerden wegen des Mangels an Behindertenparkplätzen. Daraufhin wurde ein Teil der Ambulanzparkplätze umfunktioniert.


Auch Schranken behindern

"Die alten Behindertenparkplätze waren hinter der Schranke", weiß die Behindertenbeauftragte Schmidt, "aber das ist natürlich ein weiteres Hindernis. Häufig sieht man, wie Nichtbehinderte nicht richtig an die Knöpfe von Park-Schranken kommen und die Türe aufmachen müssen. Das können Behinderte nicht so einfach."

Ihr Ziel sei es, zu verhindern, dass sich einfach jeder auf diese neuen Behindertenparkplätze stellt. Roland Brütting betont: "Der Schwerbehinderten-Ausweis vom Versorgungsamt berechtigt nicht zum Parken." Dazu muss nämlich der Parkausweis direkt vom Ordnungsamt ausgestellt werden. "Besonders der Ausweis mit der Kennzeichnung AG, also außergewöhnlich gehbehindert, ist schwer zu bekommen", sagt er. Darunter fallen zum Beispiel auch Menschen, denen aufgrund von Organ-Erkrankungen keine längeren Strecken zugemutet werden können. "Diesen Leuten sieht man zum Beispiel nicht an, dass sie wirklich berechtigt sind dort zu parken", erklärt Brütting.

"Der Leidtragende ist immer der Behinderte", resümiert Schmidt und appelliert deshalb: "Behindertenparkplätze werden dringend benötigt. Ich bitte alle Nicht-Gehbehinderten, sich nicht drauf zu stellen. Ein Behinderter sieht schließlich nicht, wann der Parkende zurückkommt."