Arbeiten zu müssen, stört Kristina Nastalny nicht. Im Gegenteil: "Man muss das erleben. Es ist so herzlich, wenn die Bewohner der beiden Wohnbereiche im Speisesaal zusammensitzen. Sie haben einen besonders liebevollen Blick und wenn sie sich die Hand geben, freuen sie sich, nicht alleine zu sein", erzählt die Altenpflegerin mit vor Rührung belegter Stimme. "Man ist am Heiligen Abend nie allein, man ist immer unter Menschen", bestätigt auch Pauline Dorscht, die Wohnbereichsleiterin St. Johannes des Alten- und Pflegeheims St. Elisabeth in Forchheim.

Wie eine zweite Familie

Für die beiden Frauen sind die alten Menschen ihre zweite Familie. Die Bewohner haben oft niemanden außer den Schwestern und Pflegern. Im Heim wird am Nachmittag Weihnachten gefeiert. Mit Plätzchen, Stollen, Glühwein oder Kaffee, je nach Geschmack.
Heimleiter Paul Schlund und die Pflegedienstleiterin verteilen wie an Nikolaus Geschenke an die Bewohner. Meist Pflegeartikel, was sie gut brauchen können.
Gemeinsam singen sie Lieder, etliche Angehörige feiern mit. Dann sind auch viele Schüler und Ehrenamtliche da, unterhalten sich oder lesen den alten Menschen Geschichten vor. "Alles, was man den Menschen gibt, bekommt man zurück", beteuern Pauline Dorscht und Kristina Nastaly.

Die Angehörigen warten

Nastaly ist vor 25 Jahren von Polen nach Deutschland gekommen, lebt in Hirschaid und arbeitet seit sieben Jahren in dem pflegerischen Beruf. Gerade in Polen sei der Heilige Abend von besonderer Bedeutung, weil die die gesamte Familie zusammen feiert. Nastalys Kinder sind bereits erwachsen, aber die Familie, auch die Schwester, warten auf die Pflegerin. Sie sind in Deutschland. Gegessen wird dann erst, wenn Kristina ihren Schichtdienst beendet hat. Dann feiern auch alle zusammen Bescherung.

Auch auf die Heroldsbacherin Pauline Dorscht wartet die Familie zu Hause. Im Heim achten die Angestellten darauf, dass die Mitarbeiter mit kleinen Kindern den Heiligen Abend dienstfrei haben.

Wenn die Menschen aus den Seniorenheimen den Heiligen Abend gegen 19 Uhr ausklingen lassen, fängt für die beiden Oberkommissare Klaus Steinhübel und Jürgen Krahulec der Dienst erst richtig an. Statt der Christmette besuchten die beiden Kriminalbeamten mit ihren Familien am Nachmittag die Kindermette und feierten anschließend Bescherung. Auch in der Dienststelle weihnachtet es ein bisschen. Im Sozialraum steht ein Christbaum. Zusammen essen die Diensthabenden eine Kleinigkeit, auch ein paar Plätzchen werden genascht. Dass Heiliger Abend ist, bleibt im Hinterkopf, man versucht, alles ein wenig ruhiger anzugehen. Aber: "Wir fahren Streife und auch Einsätze gibt es", meint Krahulec, denn obwohl es das Fest der Liebe sei, gebe es auch Streitigkeiten in der Familie.

Brisante Zeit gegen 22 Uhr

"Aber bis jetzt ist es sehr ruhig", erzählen die beiden Oberkommissare gegen 20 Uhr. Noch zwei Stunden, dann ist die heikle Zeit, in der am häufigsten die Polizei gerufen wird, in der Regel vorbei.

Auch die Rettungsassistenten Jana Nendel, Leticia Krauß, Ramona Stümpfel und Armin Gebhardt des ASB Gräfenberg bei der Rettungswache in Neunkirchen wissen nie, wann ein Einsatz kommt. Als Abendessen am Heiligen Abend in der Rettungswache gibt es daher meist Raclette oder Fondue. "Kochen ist eine Risikosache. Wenn ein Einsatz kommt, müssen wir in maximal zwei Minuten hin. Beim Raclette nehmen wir einfach die Pfännchen runter und ziehen den Stecker raus", erklärt die Rettungsassistentin Leticia Krauß das Weihnachtsessen.
Die Einsätze am Land können aufgrund der Entfernung, gerade wenn auch noch ins Krankenhaus gefahren werden muss, durchaus zwei Stunden dauern. Von 8 bis 20 Uhr müssen die Frauen und Männer dienstbereit sein. Wenn zehn Minuten vor 20 Uhr noch ein Anruf eingeht, kann es auch vorkommen, dass erst gegen 22 Uhr der Dienst am Heiligen Abend beendet wird.

Ramona Stümpfel hat sich freiwillig gemeldet. "Es ist für uns selbstverständlich, auch an Feiertagen Tag und Nacht für die Menschen, die Hilfe brauchen, bereit zu sein", lautet ihr Resümee.