Wie marode das Kanalnetz der gesamten Gemeinde Hallerndorf mit all ihren Ortsteilen wirklich ist, hat nun der Ingenieur Leonhard Zöbelein den Mitgliedern des Gemeinderats vor Augen geführt. Er präsentierte ihnen das Kanalkataster, in dem der gesamte Zustand des Kanalnetzes festgehalten ist.

Sämtliche Abwasserleitungen wurden dabei systematisch untersucht und in die einzelnen Schadensklassen eingeteilt. "Das war nicht immer einfach, da nicht jeder Kanalabschnitt korrekt in die Karten eingetragen war", erklärte Zöbelein.

Während die Druckleitungen alle dicht sind, und keine Schäden aufweisen, bereitet der Kanal beispielsweise in der Hallerndorfer Schulstraße einige Probleme. Bunt eingefärbt sind die Kanalabschnitte, an denen im Lauf der kommenden Jahre etwas getan werden muss.

Abschnitte der Schadensklasse 0 beispielsweise sind tiefrot: "Hier muss im Prinzip sofort etwas passieren", erläuterte Zöbelein. Auch die Kanäle der Schadensklasse 1 müssten relativ kurzfristig saniert werden. Dagegen könne sich die Gemeinde bei den Kanälen der Schadensklassen 2, 3 und vier noch etwas mehr Zeit lassen. Erfreulich sei, dass mehr als die Hälfte, nämlich 59 Prozent des ganzen Kanalsystems, völlig ohne Schäden sei.

"Das kann nicht sein"

In den einzelnen Orten selbst seien die Schäden eher unregelmäßig verteilt. Das Gros der Schäden gehe auf die Rechnung unfachgemäßer Anschlüsse von Leitungen.

Dabei steht die Erstellung des Katasters am Anfang einer derartigen Maßnahme, bevor erst zum Schluss über Geld geredet werden könne. In den kommenden fünf Jahren könnten auf die Gemeinde Hallerndorf Kosten in Höhe von etwa 2,3 Millionen Euro zukommen, schätzte Zöbelein.

Zwar hat die Erstellung des Katasters einige Zeit gedauert, Hallerndorfs Bürgermeister Torsten Gunselmann (F'WG) ist dennoch froh, dass sich die Gemeindevertreter jetzt ein genaues Bild vom Zustand des Kanalsystems machen können - gerade auch im Hinblick auf die noch ungeklärte Einleitung von 800 000 Kubikmeter in das Abwassersystem. Während in Pautzfeld mit der Sanierung bereits im Zuge der Dorferneuerung und Straßensanierung begonnen worden ist, gilt es jetzt zu entscheiden, welche Leitungen elementar wichtig sind. Zöbelein wies noch einmal darauf hin, dass der enorm hohe Wert an Fremdwasser, das über die Abwasserkanäle in die gemeinsam mit Eggolsheim betriebene Kläranlage geleitet wird, separat betrachtet werden müsse.

Vielleicht sei der Wasserdurchfluss auch einfach falsch gemessen, mutmaßte er: "Sicherlich kann durch Risse und Scherben Grundwasser in die Abwasserleitungen gelangen. Aber das kann nicht in dieser Menge sein." An einem Schacht, an dem das Abwasser von Eggolsheim und von Hallerndorf zusammen geleitet wird, kurz vor der Kläranlage, soll ein neues Zählwerk eingebaut werden. Damit soll die Abwassermenge neu bestimmt und darüber hinaus überprüft werden, ob die einzelnen Zählwerke in den Pumpwerken korrekt funktionieren.

90 Liter pro Tag

Bisher war lediglich in neue Schaltschränke investiert worden, jedoch kaum in Pumpwerke. Michael Kraus, ein Mitarbeiter des Abwasserzweckverbands, zeigte, wie verstopft manche Pumpen immer wieder sind: Da sich der Zellstoff, der beispielsweise von Feuchttüchern herrührt, im Wasser nicht vollständig auflöst, bildet er durch die Bewegung Klumpen.

Claudia Kraus (WG Trailsdorf) will die Hallerndorfer im Gemeindeblatt deutlich darauf hinzuweisen, dass kein Zellstoff in den Toiletten entsorgt werden soll. "Wir müssen ganz genau hinschauen", versicherte Gunselmann den Gemeindevertretern.

Werner Fischer (WG Hallerndorf) fragte nach, ob es Richtwerte gebe, wie viel Abwasser pro Mensch in einer Gemeinde entsteht. In einer Großstadt fielen pro Einwohner und Tag etwa 220 Liter Abwasser an, in einer ländlichen Gemeinde seien es dagegen nur etwa 90 Liter pro Tag. Bei 4000 Einwohnern käme Hallerndorf ungefähr auf 400 000 Liter Abwasser - und nicht auf die 800 000 Liter, die gemessen und abgerechnet worden sind, überschlug Fischer.