Noch am Nachmittag hatten sich die Kandidaten für das Landtagsmandat gemeinsam in der Westernstadt des Freizeitparkes Schloss Thurn, im Info-Mobil der CSU, den Besuchern präsentiert - und dabei über ein Duell nach Cowboy-Art gescherzt. Dass Michael Hofmann abends beim Show-Down im prall gefüllten Kersbacher Sportheim seine Kontrahenten quasi mit dem ersten Schuss von der politischen Bühne putzen würde, ahnte da noch niemand.

Neben ihm hatten Graf Benedikt von Bentzel, Konrad Rosenzweig und - in Abwesenheit - Birgit Kaletsch den Hut in den Ring geworfen. Im Vorfeld hatte die Vorsitzende der Kreisfrauenunion mit einer Beschwerde beim CSU-Generalsekretär für Unruhe gesorgt, weil sie sich wegen der kurzfristigen Wahlterminierung ausgeschlossen fühlte und ein "Männerkartell innerhalb der CSU" mutmaßte. Dafür bekam Kaletsch aber schon zum Auftakt des Wahlabends, selbst aus den Reihen des eigenen Geschlechts, eine "Klatsche". Gisela Steinlein, die seit kurzem dem Kreisvorstand angehört, stellte klar: "Ein Männerkartell sehe ich nicht." Dafür habe sie aber registriert, dass Birgit Kaletsch bei vielen Versammlungen der Frauenunion gefehlt habe.



Auch Walter Sieburg aus Ebermannstadt machte seiner "inneren Aufgewühltheit" über den Zustand in der Partei Luft, geißelte die Presseäußerungen von Birgit Kaletsch und sprach sich klar für Michael Hofmann als Direktkandidaten aus. Einen Fürsprecher fand der Bewerber aus Eggolsheim-Neuses auch in Marco Friepes, dem CSU-Ortsvorsitzenden aus Weilersbach. Man habe sich für Michael Hofmann ausgesprochen, weil der sich gegen Thorsten Glauber (FW) durchsetzen könne, keine Scheu habe Unbequemes deutlich auszusprechen , gut vernetzt sei und den Landkreis in München vertreten könne.

Der Muggendorfer Hotelier Andreas Bugl machte sich für Rosenzweig stark, den er als geradlinigen Menschen und erfahrenen Kommunalpolitiker kenne. Der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Stefan Förtsch hingegen plädierte für den Kreisvorsitzenden Benedikt Graf Bentzel. Man brauche einen Kandidaten, der von allen Bevölkerungsschichten akzeptiert werde.


Bentzel setzt auf Außenwirkung
"Heute entscheiden Sie, welches Bild der Landkreis auf den Wahlplakaten abgeben wird", sagte Graf Bentzel zu Beginn seiner Rede. Er stellte sich als Menschen vor, dessen Facetten noch nicht allen bekannt seien: beispielsweise, dass seine Wurzeln seit über 250 Jahren im Landkreis liegen ("Ich bin ein Heimatgewächs"), dass er von seiner Klosterschülerzeit bei den Benediktinern in Ettal geprägt sei und als Unternehmer gelernt habe, Ideen zu verwirklichen.

Er versprach, den Mittelstand zu stärken ("Steuern runter, Schulden abbauen") und sich für soziale Gerechtigkeit und Bildung einzusetzen. "Ich würde gerne als Botschafter der Forchheimer Bürger das Land voranbringen", betonte Bentzel. Er stehen für Bodenständigkeit, Menschennähe, Weitblick, Weltoffenheit, Natürlichkeit und die Devise "Verbinden statt Polarisieren".


Kein Weg zu weit für Rosenzweig
Konrad Rosenzweig hatte eigens für die Delegiertenwahl seinen Griechenlandurlaub unterbrochen und bekannte: "Die CSU und der Landkreis liegen mir am Herzen - und dafür ist mir kein Weg zu weit!" Er habe keinen großen Namen, aber einen schönen, er sei Landwirt und er stehe dazu: "Ich bin aufgewachsen wie viele von Euch und bin einer von Euch!" Auf dem Lande sei eines wichtig: Zusammenhalt - und dies gelte auch für die CSU. Wenn man ihm vorhalte, er lebe in Wiesenttal am Rande des Landkreise, dann könne er mit Blick auf die anderen Kandidaten auch nur sagen: "Wir alle wohnen am Rande." Aber wenn er nach München fahre, so Rosenzweig, "dann fahre ich durch den ganzen Landkreis und sehe, was dort los ist".

Gleichzeitig gab Rosenzweig aber auch ein Plädoyer für die Stadt ab. Von Forchheims Gewerbeansiedlung und den Arbeitsplätzen profitiere auch das Umland. "Ich stehe für einen Neuanfang in der CSU" betonte Rosenzweig sein Alleinstellungsmerkmal und hatte mit seinem Schlussmotto die Lacher auf seiner Seite: "Die Rose blüht, die Rose sticht - wer sie wählt, bereut es nicht!"


Hofmann spricht Klartext
"Ich sage, was ich denke - und ich denke, was ich sage." Dies ist sein Lieblingssatz und den stellte Hofmann auch an den Beginn seiner Vorstellungsrede, die er aber nicht in der gewohnten Scharfzüngigkeit sondern eher in leiserer Tonart hielt. Es ging ihm darum, das Verbindende herauszustellen. Auch auf Eduard Nöth, der wegen der sogenannten "Familienaffäre" von seiner Landtagskandidatur zurückgetreten war, ging Hofmann ein. Nöth habe Fehler gemacht, aber auch die Konsequenzen gezogen. Nachzutreten sei nicht richtig, betonte Hofmann unter Beifall.

Er spreche dies an, "weil sein Vater von 1998 bis 2003 seine Mutter angestellt habe". Dieser habe damals nichts verkehrt gemacht, "und auch ich habe nichts falsch gemacht", stellte Hofmann klar. Dann listete er auf, was ein Abgeordneter mit sich bringen müsse: die Fähigkeit sich Dinge selbst zu erarbeiten, dicke Bretter zu bohren und gut vernetzt zu sein. Wer meine, dass man den Wahlkampf mit einem Lächeln und einem schönen Gesicht auf den Wahlplakaten gewinne, sei auf dem Holzweg. "Was zählt, ist die richtige, erfolgreiche Politik".


Gruppenbild ohne Dame
Eine Person fehlte bei der Kandidatenvorstellung: Birgit Kaletsch. Sie sei verhindert, teilte Gabriele Oost mit, die stellvertretend die Vita der Kreisfrauen unions-Vorsitzenden verlas. Dies sei für eine Qualifikation ausreichend, meinte Oost und setzte noch eins drauf: "Frauen sind gut vernetzt, aber weniger verfilzt."


Das Wahlergebnis
Michael Hofmann erhielt 85 von 164 Delegiertenstimmen und lag damit schon im ersten Wahlgang über der absoluten Mehrheit. Für Benedikt Graf Bentzel votierten nur 45 Wähler. Konrad Rosenzweig flog mit 29 Stimmen zurück in den Griechenlandurlaub. Und Birgit Kaletsch bekam die Quittung mit fünf Stimmen.


Der Hintergrund
Dass 164 von insgesamt 176 Delegierten gekommen waren, um über den aussichtsreichsten Kandidaten abzustimmen, zeigt die Bedeutung der Wahl. Doch kaum jemand hatte angesichts der Qualitäten, die zumindest drei der Kandidaten mit sich brachten, mit einer so klaren Entscheidung gerechnet. Die meisten rechneten mit einem Stechen im zweiten Wahlgang: zwischen Michael Hofmann und Benedikt Graf Bentzel. Als Hofmann aber auf Anhieb gewann, reagierte Bentzel merklich "konsterniert" und erklärte: "Ich stehe für eine Listenkandidatur auf Grund dieses Wahlergebnisses nicht zur Verfügung." Des einen Leid, des anderen Freud: Glück für Hermann Greif. Der war am 15. Februar im Kampf um den Listenplatz gegen Hofmann gescheitert. Jetzt hat er sein Ziel erreicht. So überraschend, dass er den "Selbstbinder" vergessen hatte.