"Es ist lustig, was die Vögelchen so zwitschern", schmunzelte Torsten Oehrl vor einigen Wochen noch auf Nachfrage über den den Wahrheitsgehalt seines Umzugs nach Oberfranken. "Aber es stimmt, dass ich seit kurzem in Forchheim wohne." Dabei spielten Kalkül und Zufall eine Rolle. Da fortwährende Sprunggelenksprobleme aktuell keine fußballerische Aktivität des 32-Jährigen möglich machen, stellte sich der aus Bodelstadt im Itzgrund stammende Oehrl die Sinnfrage. "Meine große Tochter kommt in die Schule", erzählt der 55-fache Bundesligaspieler, "und da wollten wir heimisch werden."

Die Wahl der neuen Heimat warf aber einige Fragen auf, zuletzt spielte er für den FC Bayern München II. "Zu München haben wir als Familie aber keinen wirklichen Bezug gehabt", sagt Oehrl. Und sondierte den Wohnungsmarkt in der Heimat. "Im Itzgrund ist einfach nichts", stellte er fest. Weshalb die Region um Erlangen und Forchheim in den Fokus geriet. "Du bist schnell daheim im Itzgrund, hast einen guten Personennahverkehr, den Bahnhof und den Flugplatz vor der Nase", so Oehrl über seine Beweggründe. Und dann war da dieses Haus im schmucken Forchheimer Stadtteil Reuth. "Das hat perfekt gepasst", freut sich der einstige Bundesligakicker über das neue Domizil.


In der Reha fit machen

Mit seiner Frau und den beiden Kindern ist er in der neuen Heimat angekommen. Wie es fußballerisch mit dem 1,93 m großen Mittelstürmer weitergeht, steht dagegen noch in den Sternen. Derzeit quält er sich durch ein Rehaprogramm, will sich noch einmal fit machen für größere Aufgaben. "Ob es klappt, muss man abwarten", sagt er sachlich. Der DFB-Pokalsieger mit Werder Bremen in der Saison 2008/09 kennt die Tücken der Verletzung, mit der er sich mittlerweile seit fast vier Jahren herumschlägt. Just als er sich in seiner zweiten Periode beim frischgebackenen Bundesligisten Eintracht Braunschweig in die Startelf gespielt hatte, zog er sich einen Sehnenriss im rechten Sprunggelenk zu, kickte nach einer fast halbjährigen Pause am finalen Spieltag noch einmal für die Niedersachsen, verlor an der Seite des heutigen Nationalspielers Karim Bellarabi bei der TSG Hoffenheim mit 1:3.

Ein versöhnlicher Abschluss für Oehrl, der 2015/16 beim SV Wehen-Wiesbaden in der 3. Liga noch einmal eine starke Phase erlebte. "Nach der Verletzung kriegst du die Verfassung von vorher aber nicht mehr", gibt er heute unumwunden zu. Und doch: In 24 Partien knipste der Oberfranke achtmal. Heiko Vogel, Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, blieb das nicht verborgen und holte ihn zu den "kleinen Bayern" in die Regionalliga. Es sollte seine letzte Station sein, seit Juli 2017 ist Oehrl ohne Verein.

Allzu viele Worte will der Neu-Forchheimer über alte Zeiten gar nicht verlieren. Der einstige Juniorennationalspieler genoss viele Phasen, erlebte auch bittere Rückschläge. "Es ist ein hartes Geschäft", sagt er. Ein Geschäft, das schon früh sein Ziel war. Er, der im frühen Jugendbereich beim SV Hallstadt, in Memmelsdorf und beim TSV Eintracht Bamberg kickte, hatte nur ein Ziel: Fußballprofi werden. Er wechselte zum Kleeblatt nach Fürth, wo er erste Schritte im Profibereich gehen durfte.
Just als der Schnupperkurs erfolgreich zu sein schien, warf den Jungspund eine Schambeinentzündung zurück. "Wie man die richtig behandelt, wusste keiner so recht."

Nach neunmonatiger Pause verliehen die Fürther ihren Rohdiamanten an Kickers Offenbach, im Januar 2007 war das, wo er im viel zu früh verstorbenen Wolfgang Frank einen exzellenten Coach genoss. "Ein richtig guter Mensch", erzählt er über Frank, den nicht umsonst Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel als ihren Mentor ansehen. "Sicherlich nicht umsonst", schwärmt der gelernte Industriekaufmann Oehrl.


Gelernter Industriekaufmann

Die abgeschlossene Ausbildung könnte dem Wahl-Forchheimer nun in die Karten spielen. Als der einstige Gymnasiast nach eingesackter mittlerer Reife die Schule sausen ließ, zog er die Ausbildung parallel zum Traum des Fußballprofis durch. Heutzutage bietet sich die Möglichkeit, damit ein Studium aufzunehmen.

Im Hinterkopf spukt bereits Plan B, sollte die Rückkehr auf die Profibühne nicht mehr klappen. "Mit dem Gedanken muss man sich natürlich befassen. Dann würde ich wahrscheinlich eine Umschulung und ein Studium in Angriff nehmen", gewährt er Einblick in seine Gedanken.

Und fußballerisch? "Der Trainerjob würde mich schon auch reizen", gibt er zu. Ein ambitionierter, gut geführter Klub in der Kreis- oder der Bezirksliga wäre in etwa das, was er sich vorstellen würde. "Ich habe da schon einmal ein bisschen geschaut", sagt er. "Und wenn sich ein Verein meldet, wäre ich nicht abgeneigt."

Eine klare Aufforderung an die Klubs in und um Forchheim, sich Gedanken zu machen. Aber auch ein Verein in erreichbarer Nähe wäre für ihn optional denkbar. "Es muss halt passen", sagt er kurz und knapp.

Für ihn schließt sich damit ein Kreis. Einst begann er im beschaulichen Oberfranken seine Karriere, die ihn 13 Jahre lang durch die oberen vier Ligen Deutschlands führte, an der Seite von Claudio Pizzaro & Co. kickte er mit Werder sogar im Europacup. Aber auch national feierte er Höhepunkte, darunter der Aufstieg mit dem FC Augsburg in die Bundesliga. "Das war mit die coolste Zeit", blickt er auf die Saison bei den Schwaben unter Jos Luhukay zurück. Was er dabei nie verloren hat, war der Bezug zur Heimat.


Uwe Fippl ist Oehrls Schwager

In eine Fußballer-Familie hat Oehrl auch eingeheiratet. Sein Schwager ist Uwe Fippl. Dessen Sohn Jannik feierte vor kurzem seinen 18. Geburtstag. Uwe Fippl kickte beim VfL Frohnlach, der SpVgg Jahn Forchheim und dem SC 04 Schwabach in der Bayernliga. Sohnemann Jannik wechselte gerade in der Winterpause aus der U19 des FC Ingolstadt zum 1. FC Nürnberg.