Manche Entscheidungen kommen wie aus dem Nichts, unvorhersehbar und überraschend für alle Beteiligten: Dass sich die SpVgg Jahn Forchheim zum Saisonende von ihrem langjährigen Trainer Michael Hutzler trennen wird, fällt genau in diese Kategorie. Am Sonntag verschickte René Hoffmann, Leiter der ersten Mannschaft, eine Mitteilung an die Presse. Nur wenige Zeilen lang, aber mit großer Sprengkraft. "Die Verantwortlichen in Person von Uwe Schüttinger, Rene Hoffmann und Mesut Kimiz haben sich nach langer und reiflicher Überlegung dazu entschlossen, die Position des Cheftrainers der ersten Mannschaft ab der Saison 2017/2018 neu zu besetzen", heißt es darin. Gründe für die Demission des seit 2010 beim Jahn wirkenden Hutzler blieb der Verein darin aber schuldig, Hoffmann wurde auch auf Nachfrage hin nicht konkret. "Das bleibt intern, die Gründe gehen keinem etwas an", sagte der vor rund einem halben Jahr installierte Teammanager, ließ sich aber entlocken, dass der Verein "mal etwas Neues" ausprobieren möchte.


Hutzler: "In Schockstarre"

Für Hutzler kam die Nachricht aus heiterem Himmel, am Freitag wurde er über die Entscheidung des Vorstands telefonisch informiert - und kann sie auch Tage danach noch nicht ansatzweise nachvollziehen. "Ich war völlig überrascht und bin noch immer in Schockstarre, nach so einer langen Zeit beim Jahn ist das sehr schmerzvoll. Damit hätte ich nicht gerechnet, vor allem nicht zu diesem Zeitpunkt. Selbst nach dreimaliger Rückfrage wurde mir kein richtiger Grund für diese Entscheidung genannt", sagt der 47-Jährige am Sonntag. Kurz zuvor hatte der Jahn übrigens sein erstes Testspiel im neuen Jahr bestritten und beim 7:2-Sieg gegen Bezirksligist Cagrispor Nürnberg zu überzeugen gewusst.


Abschied mit Aufstieg?

Obwohl die Hinrunde in der Landesliga Nordwest nicht frei von Leistungsschwankungen war, hat der Jahn als Tabellen-Zweiter weiterhin beste Chancen auf die direkte Bayernliga-Rückkehr. Und jenes Ziel will Hutzler mit der Mannschaft auch erreichen, ein selbstbestimmter und vorzeitiger Abschied kommt ihm nicht in den Sinn.
"Von Abnutzungserscheinungen oder Verschleiß kann bei mir keine Rede sein, ich spüre ja, wie die Mannschaft mitzieht und wie ich selbst ticke. Trainerteam und Spieler haben ein tolles Verhältnis, jeder will hier den Aufstieg packen. Und an diesem Ziel möchte ich bis zum Schluss mitwirken und mich mit dem Aufstieg verabschieden. Wir wollen das Maximale herausholen."

Ob es schon einen Nachfolger für den 47-Jährigen gibt, ließ sich der Verein derweil nicht entlocken. Für Hutzler jedenfalls steht fest, dass er keine Pause vom Fußball braucht und auch in der Saison 2017/2018 wieder an der Seitenlinie stehen möchte, nur eben woanders, das siebenjährige Wirken beim Jahn wird zwangsläufig der Vergangenheit angehören. "Die lange Winterpause hat mir wieder gezeigt, wie sehr ich das Trainerdasein brauche. Ohne das Coachen fehlt mir etwas Essenzielles. Ich bin Trainer und werde es bleiben. Ich habe mich beim Jahn immer sehr wohlgefühlt, ab Sommer heißt es aber, eine neue Aufgabe anzugehen. Mein Plan sah zwar anders aus, mit den geschaffenen Fakten muss ich nun aber umgehen."