Die Letzten werden die Ersten sein. Um an diesen Spruch zu glauben, ist Jan Schindzielorz zu erfahren. Da er die Qualifikationsnorm über 110 Meter Hürden für die deutschen Leichtathletikmeisterschaften nur um eine Hundertstelsekunde (14,49) unterbot, steht er auf der Liste der 14 Teilnehmer ganz unten. "Ich bin danach zwar noch 14,46 Sekunden gelaufen, aber das erste Ergebnis zählt für die Meldung", erklärt der 39-Jährige, für den am Samstag im Nürnberger Max-Morlock-Stadion eher das Motto Dabeisein ist alles gilt.

"Es ist das Sahnehäubchen auf meiner Saison", sagt Schindzielorz, der bei dem Wettkampf, der vermutlich um 17.15 Uhr mit zwei Vorläufen beginnt, mit Abstand der Älteste sein wird. "Der Zweitälteste ist Jahrgang 1986", berichtet der Dietzhofer, der am 8. August seinen 40. Geburtstag feiert. Auch ein 2000er mischt über die 110 Meter Hürden mit.

Als dieser noch durch den Kindergarten rannte, war Schindzielorz auf dem Höhepunkt seiner Karriere: EM-Teilnehmer im Münchner Olympiastadion 2002; deutscher Hallenmeister über 60 Meter Hürden 2004. "Ich freue mich darauf, nochmal diese Atmosphäre zu erleben", sagt der Oldie, der beim Heimspiel von zahlreichen Teamkollegen der LG Forchheim sowie von Freunden und Familienmitgliedern angefeuert wird.


Babinja Wirth vertritt Ebs

Auch der TSV Ebermannstadt ist in Nürnberg mit einer Athletin vertreten. Babinja Wirth startet am Sonntag (16.55 Uhr) mit 2016-Europameisterin Gesa Felicitas Krause über die 3000 Meter Hindernis. Ihre Chance auf eine Medaille ist indes noch geringer als bei Schindzielorz, denn ein Quartett um Krause ist mit über einer Minute besser gemeldet als die 23-Jährige aus Betzenstein. (10:53, Norm: 11:05). "Ich hoffe, dass ich gut durch die Hindernisse komme und mich an eine Gruppe dranhängen kann", sagt Wirth, die schon 2015 bei der DM in Nürnberg startete, obwohl sie erst seit diesem Jahr das Alter für die Erwachsenenklasse erreicht hat.


Martin Grau ist Titelfavorit

Als Favorit in derselben Disziplin bei den Männern geht Martin Grau ins Rennen. "Ich will den Titel und werde alle fairen Mittel nutzen, um dieses Ziel zu erreichen", sagt der Höchstadter, der vor drei Jahren an selber Stelle triumphierte. Graus Siegerzeit von 8:31,50 Minuten bei seinem jüngsten Wettkampf lässt ihn für Samstag (14.15 Uhr) hoffen. Da seine größten Konkurrenten Patrick Karl und Johannes Motschmann nur wenige Zehntelsekunden Rückstand hatten, bleibt der Höchstadter aber wachsam: "Ich weiß, was die beiden leisten können. Bei einem Rennen gibt es viele Unwägbarkeiten. Aber ich fühle mich richtig gut."

Vor allem das Trainingslager in der Schweiz habe dem körperlich schon bestens vorbereiteten Grau die Möglichkeit gegeben, an Technik und Koordination zu feilen und ein Gefühl der Unbeschwertheit zu entwickeln. LSC-Vereinskamerad Niklas Buchholz für taktische Zwecke einzuspannen, kommt für Grau nicht in Frage: "Jeder läuft sein eigenes Rennen. Ich hoffe, dass bei Niklas der Knoten platzt und er sein Potenzial ausschöpfen kann."