Das Phänomen, mit den Wimbledon-Siegen von Boris Becker und Steffi Graf einen Tennis-Boom auszulösen, gelingt den internationalen Hochkarätern Timo Boll, Christian Süß und Dimitrij Ovtcharov im Tischtennis nicht. "Den Boom erlebten wir in Oberfranken Anfang der 90er, nach der Wiedervereinigung", weiß Martin Distler, Vorsitzender des Tischtennisverbands Kreis Forchheim. Und obwohl es momentan oberfranken- oder gar bayernweit im Tischtennis vor allem bei den Frauen nicht so gut aussieht, hält sich die Lage im Kreis relativ konstant. Dennoch: "Die Situation ist nicht einfach", meint Distler.

Es gibt weniger Mannschaften und weniger Spielerinnen, und die Quote ist gerade bei den weiblichen Tischtennisspielern rückläufig. Stark rückläufig in Oberfranken, weiß der Kreisvorstand, der diesen Effekt unter anderem in der demografischen Zwiebel sieht.
Für den Kreis kann er mit 950 Spielern und Spielerinnen eine konstante Zahl nennen, wenngleich die aktiven Mädchen eher rückläufig sind. Doch längst nicht im bayernweiten Ausmaß.

Zu viel Konkurrenz

Einen speziellen Grund für diese Entwicklung kann man nicht nennen. Doch sicher sind auch modernere Sport- und Fitness-angebote wie Zumba, Walking oder Triathlon hier als Ursache mit zu erwähnen. Dafür ist Damenfußball seit Jahren modern und erhält laufend Zuwachs. Zuwachs, den die örtlichen Tischtennismannschaften der Damen auch gerne hätten, wie die Weißenoher Tischtennisfrauen beispielsweise. Sie versuchten bereits über die amtlichen Nachrichten, Frauen für diesen Individualsport zu gewinnen. Recht mager ist die Bilanz. "Eine Frau, deren Kind nun groß ist, kam dazu", berichtet die Abteilungsleiterin Inge Langenhan. Acht Spielerinnen zählt die Stammmannschaft. Sicher gab es einige begeisterte Mädchen, die nun auch in der Damenmannschaft den Ball übers Netz ziehen könnten, aber "wir sind altersmäßig in der Damenmannschaft ab 40 Jahren", nennt Langenhan die Entscheidung einiger dieser jungen Frauen, eher nicht zur Frauenmannschaft zu wechseln.

Den Wechsel nahm die 16-jährige Johanna Antes, eine der besten Spielerinnen, vor. Sie wechselte nicht nur in eine andere Mannschaft, sondern verließ den Kreis Forchheim. Johanna Antes, die vor acht Jahren mit diesem Sport begann, stieß eher zufällig zum Tischtennis. Bei der DJK Weingarts wurde aber die Damenmannschaft aufgelöst, weshalb sie anfangs zu den Herren wechselte und dann zum Landkreis Coburg, um schließlich in der Bayernliga spielen zu können. "Es gibt kaum Gegnermannschaften", meinte Inge Langenhan. Deshalb spielten sie bereits in der Vorrunde Hin- und Rückrunde, also Doppelrunden, um genügend Spiele zu haben. Als auch die Dürrbrunner Damenmannschaft wegfiel, wurde es noch schlimmer. Mit der Auflösung der Kreisliga wurden erstmal alle Kreisligamannschaften in die Bezirksliga hochgezogen.

Weite Wege

Doch das bedeute neben einem schlechteren Abschneiden auch einen längeren Fahrweg, teils bis nach Altenkunstadt oder Coburg. "Wir fuhren eineinhalb Stunden, spielten eine Stunde und fuhren wieder eineinhalb Stunden zurück", erzählt die Weißenoher Abteilungsleiterin von diesen Konsequenzen. Zu aufwendig für einige Frauenmannschaften, die dann ein anderes Angebot annahmen: gegen die Herren antreten.

Die Tischtennisspielerinnen aus Hallstadt handeln genau wie die Weißenoher Damen, die Eggolsheimer treten gemischt an und bei der Dürrbrunner Mannschaft hörten manche ganz auf, andere wechselten den Verein und spielen gegen die Herren. "20 Prozent haben aufgehört, die anderen sind in Herrenmannschaften integriert", beziffert Distler diese Entwicklung. In den Kreismannschaften gibt es gemischte Turniere. "Wir haben ein Punktesystem, das sagt, wie stark die Damen und wie stark die Herren sind. Die Damen können die Herren schlagen. Es kommt nicht auf die Kraft an. Tischtennis ist ein Motoriksport", erklärt Martin Distler. "Wir haben das Training intensiviert", sagt Inge Langenhan lachend und fügt hinzu, "denn Frauen spielen ganz anders." Distler hat einen anderen Blick auf diese Entwicklung. "In welchem Sport gibt es gemischte Teams?", fragt er und beantwortet selbst: nicht beim Volleyball, nicht beim Fußball. "Tischtennis ist ein Sport, bei dem es nicht auf das Geschlecht ankommt", meint er abschließend zu dieser würzigen Lösung.