Nur ein Torwarttrainer? Nein, Dirk Schrott war viel mehr bei der SpVgg Jahn Forchheim, ein Mädchen für alles, die helfende Hand, wo auch immer sie gebraucht wurde. Vom Aufstellen der Hütchen bis zum Schleppen der Wasserkästen. Wenn es sein musste, setzte er sich auch als zweiter Torhüter auf die Bank oder spielte gleich in der Reserve. Eine unverzichtbare und verlässliche Größe über viele Jahre hinweg, und eben weit mehr als nur ein Torwarttrainer. Das ist jetzt vorbei, urplötzlich und auf einen Schlag.

Am Samstag vor dem letzten Heimspiel in der regulären Landesliga-Saison gegen den TSV Unterpleichfeld (3:0) wurde Schrott neben einigen Spielern offiziell verabschiedet. Manch Zuschauer mag sich verwundert die Augen gerieben haben, als auch Schrott im Kreise der Verabschiedeten stand. Das ist insofern bemerkenswert, weil es dafür nach außen hin überhaupt keine Anzeichen gegeben hatte. "Ich möchte mich ehrlich gesagt gar nicht groß dazu äußern", sagt Schrott auf die Gründe der Trennung angesprochen: "Ich hatte hier eine sehr schöne Zeit und wünsche den Jungs von ganzem Herzen, dass sie den Aufstieg in die Bayernliga schaffen. Für mich persönlich folgt ein neues Kapitel. Das ist jetzt so."

Für Forchheim steht in den kommenden Wochen die alles entscheidende Saisonphase mit der Relegation zur Bayernliga an. Inklusive dem letzten Landesliga-Spiel am Samstag in Lichtenfels hat der Jahn noch bestenfalls fünf Partien zu absolvieren, es geht um alles. Schrott wird man dann allerdings auf der Jahn-Bank vergeblich suchen. Der 40-Jährige hat sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt und wird von nun an nicht mehr dem Trainerteam angehören.

Heißt natürlich: Forchheim hat in dieser wichtigen Phase der Saison mit Marcus Kredel nur noch einen Torhüter. Sollte er sich verletzen oder eine Rote Karte kassieren, bleibt nur die Hoffnung, dass Alex Schulz einspringen kann - wenn er beruflich oder familiär überhaupt noch zur Verfügung steht. Damit hat der Jahn eine Baustelle geöffnet, die sich jetzt nicht mehr schließen lässt.


Keine Zeit für ein Gespräch

Die plötzliche Trennung von einem Tag auf den anderen lässt natürlich Raum für Spekulationen über die genauen Hintergründe. Wie Sportvorstand Uwe Schüttinger sagt, sei es aus terminlichen Gründen für ihn schwer gewesen, das Vier-Augen-Gespräch mit Schrott zu suchen. "Das ist im Nachhinein sicherlich etwas blöd gelaufen. Mit einem klärenden Gespräch haben wir vielleicht etwas zu lang gewartet", sagt der beruflich stark eingespannte Schüttinger, der aber auch die Verdienste des 40-Jährigen hervorhebt: "Dirk hat sehr gute Arbeit geleistet und sich um viele weitere Dinge gekümmert. Wir waren mit seiner Arbeit in höchstem Maße zufrieden." Warme Worte, die in der momentanen Situation aber zu verhallen scheinen.

Schrott jedenfalls, der schon vergangene Saison mit etwas Neuem kokettiert hat, ist nun frei für andere Aufgaben. "Ich bin dahingehend offen und gesprächsbereit. Entschieden ist noch nichts", sagt der Torwart-Trainer, für den auch eine Aufgabe als hauptverantwortlicher Coach in Frage kommt: "Das hat natürlich seinen Reiz." An Spekulationen, ob er nicht seinem langjährigen Trainer-Kollegen Michael Hutzler zum FC Eintracht Bamberg folgen würde, möchte sich Schrott aber nicht beteiligen: "Ich muss erst einmal diese Angelegenheit mit Forchheim verdauen."

Die Trennung von Schrott hat für Forchheim zur Folge, dass es Stand jetzt für die kommende Saison weder Torhüter noch Torwarttrainer gibt, da auch Kredel und Schulz den Verein verlassen. Mit möglichen Torhütern ist der Jahn schon in Verhandlungen, auch mit einem Torwarttrainer wurde gesprochen. Bislang sind diese Gespräche aber nicht über den Status eines Gerüchts hinausgewachsen. "Wir hoffen aber, zumindest einen Torhüter noch in dieser Woche präsentieren zu können", sagt Schüttinger.