Der Seriensieger hat wieder zugeschlagen: 2016 scheiterte der 1. FC Nürnberg II beim Raiffeisen-Cup des TSV Gräfenberg im Endspiel am SV Seligenporten, doch heuer ließ sich der Regionalligist nicht erneut die Butter vom Brot nehmen. Die Amateure bezwangen den Landesligisten SpVgg Jahn Forchheim im Finale mit 2:1. Beim ISE-Cup der zweiten Mannschaften triumphierte der FC Dormitz II nach einem ebenfalls knappen Endspiel. Im Sportbündnis-Cup waren zwar zwei erste Mannschaften vertreten, doch auch in diesem Wettbewerb hatte eine Reserve die Nase vorne.


Raiffeisen-Cup

"Extrem schade", entfuhr es Jahn-Trainer Michael Hutzler am späten Nachmittag des Dreikönigstags, als seine Mannschaft im Finale des Raiffeisen-Cups gerade unglücklich vom 1. FC Nürnberg II mit 1:2 bezwungen worden war. Zur Siegerehrung gesellte er sich zu Michael Köllner, dem neuen sportlichen Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim Club, und fachsimpelte ein wenig mit ihm. Köllner hatte die Nürnberger U21 in der Gräfenberger Sporthalle mit der in Franken gern gesehenen Club-Legende Marek Mintal zum Turniersieg gecoacht.

Bereits in der Gruppenphase lief für den Seriensieger aus Nürnberg alles nach Maß. Zuerst revanchierte er sich beim Regionalligisten aus Seligenporten für die letztjährige Finalniederlage (2:1), danach mischte der FCN den Bayernligisten SC Feucht auf (3:2) und absolvierten sein Pflichtprogramm gegen den Ausrichter ohne Probleme (6:0). Die Gräfenberger übertrieben es mit den Gastgeschenken dieses Mal ein wenig und verloren gegen Seligenporten gar mit 0:11, was den Klosterern aufgrund des Torverhältnisses zum Einzug ins Halbfinale verhalf.


Forchheim geht Club aus dem Weg

In der etwas tieferklassig besetzten Gruppe B setzte sich Forchheim souverän und ohne Punktverlust durch. Dadurch vermied es der Zweite der Landesliga-Nordwest, bereits in der Vorschlussrunde auf den Favoriten aus Nürnberg zu treffen, hatte aber mit dessen Ligakonkurrenten keine minder schwere Aufgabe vor der Brust. Früh mussten die Jahnler im K.o.-Duell einem Rückstand hinterherlaufen, schafften es aber, sich in die Partie zurückzukämpfen. Adem Selmani glich aus und Thomas Roas sowie Tobias Eisgrub drehten die Partie in ein 3:1. Allerdings glich der Regionalligist durch seinen Goalgetter Patrick Hobsch und Marco Weber aus.

Im Neunmeter-Schießen hatte der Jahn das Glück, das ihm zuvor bei der Chancenverwertung verwehrt blieb. Mit einem Lattentreffer der Marke Wembley-Tor zog der Landesligist ins Finale ein. Vor einer guten Kulisse mit mehreren hundert Zuschauern hatte sich der "kleine Club" im Halbfinale mit einem souveränen 6:1 gegen den aufstrebenden Landesligisten ATSV Erlangen durchgesetzt. Dieser verabschiedete sich mit einem 8:7 im Spiel um Platz 3 aus Gräfenberg. Für den Club erwies sich der Finalgegner aus Forchheim allerdings als deutlich größere Hürde. Immerhin hatten Hutzlers Jungs im Jahr 2014 die Club-Reserve schon einmal besiegt.


Faire Duelle der Spitzenteams

Im Finale ging viel über den Willen und Kampf, jedoch wussten die gut ausgebildeten Fußballer ihre Kraft kontrolliert einzusetzen, so dass das Endspiel, genauso wie das gesamte Turnier, sehr fair blieb. "Man merkt in der Hinsicht einen deutlichen Unterschied zu den unterklassigen Mannschaften", erklärte Harald Denk, Vorsitzender des TSV Gräfenberg und fleißiger Beobachter der kompletten Turnierserie.

Ihrem Torhüter Marcus Kredel hatten es die Forchheimer letztlich zu verdanken, dass es nach der regulären Spielzeit 0:0 hieß. Sebastian Schäferlein hatte sogar den Siegtreffer auf dem Fuß, scheiterte aber am Torwart. Besser machte es urplötzlich Maximilian Göbhardt in der ersten Halbzeit der Verlängerung und schockte den FCN mit dem 1:0. Forchheim hätte sogar erhöhen können, wenn nicht sogar müssen. Letztlich blieben die Clubberer konzentriert und glichen nach einem Fehlpass durch Eduard Löwen aus. Maximilian Krauß hämmerte 40 Sekunden vor Schluss sogar noch den glücklichen Siegtreffer in den Torwinkel. Immerhin durfte sich der Jahn mit drei Pokalen trösten: Kredel wurde als bester Keeper ausgezeichnet, Selmani und Roas waren mit je fünf Treffern am erfolgreichsten.


ISE-Cup

In der Regel steht Trainer Michael Popp beim FC Dormitz an der Seitenlinie, beim ISE-Cup in Gräfenberg ließ es sich der junge Übungsleiter jedoch nicht nehmen, bei der Reserve selbst auf dem Hallenboden mitzukicken. Ausgerechnet er war es zu später Stunde, der im Finale gegen die SpVgg Effeltrich II den einzigen Treffer erzielte. Die Freude war groß, aber "es hätte ja auch ein anderer treffen können, das können wir uns jetzt noch lange von unserem Coach anhören", flachsten seine Jungs mit dem Siegerpokal in den Händen.


Zweimaliges Aufeinandertreffen

Bereits in der Gruppenphase trafen die beiden späteren Finalgegner aufeinander, Effeltrich gewann 3:2, aber beide schafften den Sprung ins Halbfinale. Offiziell waren die zweiten Mannschaften beim Turnier eingeladen, aber seit jeher, weil es personell im Winter sowieso immer ein wenig knapp ist, werden die Reserven von dem einen oder anderen Spieler der "Ersten" verstärkt. Das tat zumindest dem Niveau des Turniers ganz gut. Im Halbfinale musste Dormitz lange bangen, denn der SV Ermreuth II leistete erbitterten Widerstand. Leonard Rehm traf für den FCD zum 1:0, Erich Eder stellte jedoch auf 1:1, weswegen ein Neunmeter-Schießen folgte, das Dormitz gewann.

Bei den Effeltrichern ging es nicht minder spannend zu. Im Halbfinale hätte der ASV Forth auf 3:2 erhöhen können, allerdings verballerte Pascal Kerzdörfer einen Neunmeter an die Seitenbande. Im direkten Gegenzug traf Stefan Schmidt für Effeltrich, wodurch der Finaleinzug besiegelt war.

Dort kam es zur Wiederauflage des Gruppenspiels und beide zeigten Respekt voreinander. "Wir haben uns nichts zugetraut und zu ängstlich gespielt", bemängelte Effeltrichs Trainer Michael Appelt nachher. So war es ein simpler Standard, der das Endspiel entschied. Bei einem Eckball für Dormitz ließ sich Popp in den Rückraum fallen, um kurz vor der Ausführung an den ersten Pfosten zu sprinten. Dort lenkte er den flach getretenen Ball in die Maschen. Effeltrich hatte zwar über eine Halbzeit lang Zeit, den Spielstand auszugleichen, das wollte der SpVgg jedoch nicht gelingen. So holte sich der FC Dormitz II mit einer ansehnlichen Gesamtleistung den Turniersieg. Den besten Torschützen (5/Sebastian Rackelmann) und Torhüter (Frank Weiland) stellte jeweils der SV Ermreuth.


Sportbündnis-Cup

Nach einem langen Turniertag ließen die Spieler der SG Geschwand/Wolfsberg II ihren Torhüter Patrick Grellner hochleben und warfen ihn gemeinsam mehrmals in die Lüfte. Und das zu Recht, denn der Schlussmann hatte sowohl im Halbfinale als auch im Finale zwei Neunmeter gehalten und sich anschließend den Ball geschnappt, um den jeweils entscheidenden Schuss vom Punkt eiskalt selbst zu verwandeln.

Allerdings konnte sich der Torhüter mitunter auch auf seine Mitspieler verlassen. Nach der überstandenen Gruppenphase war es allen voran Sebastian Egloffstein, der im Halbfinale gegen Weingarts II jeweils in der letzten halben Minute beider Halbzeiten den Ausgleich erzielte. Maigisch hinterließ zwar den reiferen Eindruck, allerdings verlor das Team jeweils in der Schlussphase die Konzentration, so dass nicht mehr als ein 2:2 und ein verlorenes Neunmeter-Schießen heraussprangen.


Eglosffstein zu wenig beachtet

Im Finale sahen die Zuschauer dasselbe Bild. Der SV Kleinsendelbach II hatte sich mit einem souveränen 2:0 gegen Troschenreuth II für das Endspiel qualifiziert. Auch der SVK ließ Sebastian Egloffstein aus den Augen und dieser traf erneut 15 Sekunden vor der Pausensirene zum 1:0. Die Sendelbacher glichen in der zweiten Hälfte per Kopfball von Tobias Holzer aus, doch wieder konnte sich das Gschwonda Wolfsrudel auf Last-Minute-Knipser Egloffstein verlassen. 30 Sekunden vor dem Ende markierte er das 2:1.

Noch kurioser war nur, dass der SVK in den wenigen verbleibenden Sekunden sogar den Ausgleich durch Ralf Hueber zum 2:2 erzielte und sich ins entscheidende Duell vom Punkt rettete. Doch das brachte nichts, denn die SG hatte im Neunmeter-Schießen ja Grellner zwischen den Pfosten. Fast überflüssig zu erwähnen, dass Egloffstein mit fünf Treffern und Grellner gesondert mit einem Pokal belohnt wurden.