Welche Folgen hat die Corona-Krise für die Vereine in der Region Forchheim? Was waren die großen Erfolge und kleinen Niederlagen in der Vereinsgeschichte? Zu unserer Themenwoche "Vereinsleben" hat der Fränkische Tag Forchheim in einem Doppelinterview sechs Fragen an Birgit Greif, Gremiumsprecherin beim Gesangverein Liederkranz und Kirchenchor Pinzberg, und an Edmund Knauer, Gremiumsprecher Fußball beim SV Buckenhofen, gestellt.

Was war in den vergangenen Jahren das größte Erfolgserlebnis für den Verein?

Birgit Greif: Sehr schöne Erlebnisse waren die großen Konzerte mit dem Frankenchor. Dieser besteht aus Mitgliedern verschiedener Chöre, die von unserem Dirigenten Alexander Ezhelev geleitet werden. Seit zehn Jahren dirigiert er den Liederkranz Pinzberg und wir sind sehr glücklich, mit ihm als Profimusiker arbeiten zu dürfen.

Doch auch die örtlichen Feste, wie die musikalische Begleitung einer Hochzeit im vergangenen Jahr oder die Festgottesdienste, Jubiläen oder Jubelkommunion und viele mehr machten großen Spaß.

Edmund Knauer: Aus meiner Sicht als Gremiumssprecher Fußball war es der Doppelaufstieg unserer 1. und 2. Herrenmannschaft in der Saison 2017/18. Als weitere Erfolge sehen wir auch, dass wir der einzige Verein in Stadt- und Landkreis Forchheim sind, der eine dritte Fußball-Herrenmannschaft im Spielbetrieb hat sowie dass in diesen drei Teams überwiegend Spieler aus unserer eigenen Jugend aktiv sind.

Was war in den vergangenen Jahren ein Rückschlag für den Verein?

Birgit Greif: Wie so oft kommt das schleichend: Unser Vereinslokal, das nicht mehr durchgehend geöffnet hatte, war ein Rückschlag für uns. Die Familie Eger/Hack hat viel zum Gemeinschaftsgefühl und der Geselligkeit beigetragen. Wir sind für ihre Großzügigkeit sehr dankbar. Außerdem haben Sänger und Sängerinnen durch Krankheit oder auch altersbedingt aufgehört. Der Ausgleich mit neuen Stimmen fehlte leider.

Edmund Knauer: Gravierende Rückschläge? Gab es nicht! Und kleinere sind wir gewohnt wegzustecken.

Worunter leidet der Verein aufgrund der Corona-Krise besonders?

Birgit Greif: Singen in Chören bereitet Freude und ist ein Teil unserer Kultur. Dies ist leider nicht durch die digitalen Möglichkeiten zu ersetzen. Unsere Mitglieder leiden darunter, nicht mehr im Chor zu singen und auch die Gemeinschaft fehlt allen ungemein. Auch Feste konnten nicht mehr stattfinden, die wichtige Teile des Dorfgeschehens darstellen. Ende März hatten wir zu unserem 70. Jubiläum einen besonderen Sängersonntag mit Ehrungen geplant, doch dann kam alles anders. Auch das Weihnachtskonzert muss ausfallen. Gerade mit den Liedern der Advents- und Weihnachtszeit kann der Chorgesang besonders glänzen.

Edmund Knauer: Durch die Schließung der Turnhallen sind die Gymnastik- sowie unsere Handballabteilung natürlich besonders betroffen. Kurse und Trainings können nicht stattfinden. Dies wirkt sich alles kontraproduktiv auf die Mitgliedergewinnung aus. Im Jugendbereich birgt die derzeitige "sportfreie" Zeit die Gefahr, dass sich der ein oder andere vom aktiven Sport auf Grund der fehlenden gemeinschaftlichen Übungs- und Spielzeiten verabschiedet. Sport im Verein lebt von der Gemeinschaft und dem positiven Miteinander.

In finanzieller Hinsicht fehlen in den ballspielenden Abteilungen die Eintrittsgelder sowie die Einnahmen aus den Pausenverkäufen. Fehlende Kursgebühren in der Gymnastikabteilung sowie die verminderten Pachteinnahmen aus der Gaststättenvermietung machen die Situation nicht einfacher.

Die besonderen Höhepunkte gesellschaftlicher Art wie Sportlerkerwa oder Johannisfeuer in den Sommermonaten fanden heuer nicht statt. Ebenso müssen unsere geplanten Jahresabschlussfeiern, bei denen Eltern, Ehrenmitglieder und viele fleißige Helfer als Dankeschön eingeladen werden, entfallen.

Was tut der Verein, um Nachwuchs/neue Mitglieder zu bekommen?

Birgit Greif: Wichtig ist es, immer Präsenz zu zeigen. Der Verein ist im Dorf mit vielen Aktionen zu sehen. Dabei scheuen wir uns auch nicht, neue Wege zu gehen. Mit dem Musikverein zusammen haben wir Maifeste gestaltet. Seit einigen Jahren wird der Faschingsball des Vereins mit den Ortsvereinen Freiwillige Feuerwehr und Wintersport und Wanderfreunde zusammen durchgeführt. Das Ziel sollte immer die gute Gemeinschaft sein.

Genauer betrachtet gibt es im Verein einen großen Anteil älterer Mitglieder. Ich wünsche dem Verein mehr jung gebliebene Sänger und Sängerinnen und, dass sie von der Ausdauer und Treue der älteren Generation lernen können.

Edmund Knauer: Wir bieten möglichst viele Aktivitäten bereits für Kinder im Kindergartenalter an, wie "Mutter-/Vater-Kind-Turnen", "Bambinis" in Handball und Fußball sowie "Bewegungskünste" als Anfängerangebot im Bereich Jugendzirkus.

Das ehrenamtliche Engagement in Vereinen wird immer weniger, Vorstände zu finden, wird immer schwieriger, so das Vorurteil. Was ist Ihre Meinung dazu?

Birgit Greif: Man muss sich trauen, etwas Neues zu probieren. Seit fünf Jahren proben wir mit dem Gesangverein Dobenreuth gemeinsam. Das ist für beide Seiten eine Bereicherung. Es wird im Vereinsleben noch viele Veränderungen geben. Mein Fazit: Wo ein Wille, da ein Weg.

Edmund Knauer: Das ist kein Vorurteil, sondern eine Tatsache. Wir versuchen mittels unseres Jugendausschusses und durch gezieltes Ansprechen in den Mannschaften junge Mitglieder für diese Aufgaben zu gewinnen.

Wenn Ihr Verein plötzlich doppelt so viele (Liederkranz Pinzberg) oder nur noch halb so viele (SV Buckenhofen) Mitglieder hätte: Wie würde sich der Verein verändern?

Birgit Greif: Das wäre großartig, dann könnten wir mehrere Gesangsrichtungen anbieten. Es gäbe vielleicht einen Gospelchor, Jugendchor und Kinderchor. Aber auch ein reiner Männerchor wäre mit genügend Stimmen denkbar. Träumen darf man.

Edmund Knauer: Dies hätte ziemlich sicher zur Folge, dass besonders im Handball- und Fußballbereich viele Mannschaften nicht mehr aus eigener Kraft - also nicht ohne mit benachbarten Vereinen Spielgemeinschaften zu bilden - am Spielbetrieb teilnehmen könnten.