Lange Gesichter im Landratsamt. Seit Wochen steht die Behörde Kopf wegen des für Donnerstag geplanten Besuchs des Ministerpräsidenten in Forchheim und Hiltpoltstein: Doch nun kommt die plötzliche Absage aus der Staatskanzlei. Auf Grund der Hochwasserkatastrophe müsse Horst Seehofer nach Straubing und Deggendorf fahren, teilt die Sprecherin des Landratsamtes, Kathrin Schürr, mit.

Erst am vergangenen Dienstag hatte sich unsere Redaktion bei der Pressestelle des Landratsamtes erkundigt, ob das Besuchsprogramm wie vorgesehen stattfinde. Da konnte Kathrin Schürr noch berichten: Alles läuft nach Plan. Dies habe ihr die Staatskanzlei , trotz andernorts bereits abgesagter Besuche, tags zuvor nochmals versichert.


Angesichts der außergewöhnlichen Umstände sei die kurzfritige Stornierung der Visite in Forchheim zwar verständlich, "aber ärgerlich ist es zugleich schon", gesteht die Pressebeauftragte unverblümt ein. "Für die fünf Stunden Ministerpräsidenten-Besuch haben wir schon einiges an Vorbereitungszeit investiert", erklärt Katrin Schürr.


Akribische Planung umsonst

Seit der relativ knapp erfolgten Besuchsankündigung durch die Staatskanzlei Ende April/Anfang Mai sind die Mitarbeiter im Büro des Landrats mit der akribischen Planung der Stippvisite beschäftigt. Zuerst seien verschiedene Vorschläge des Landrats zu möglichen Besuchsstationen gefragt gewesen, schildert Katrin Schürr das Prozedere. Dann habe ein Referentengremium am 17. Mai eine Entscheidung getroffen: Zuerst die Besichtigung der Firma Waasner in Forchheim, dann eine Führung durch die Süßkirschenversuchsanlage des Landkreises in Hiltpoltstein.Am 22. Mai sei ein Referent der Staatskanzlei im Landratsamt erschienen und habe die Besuchsstationen mit der Polizei und ihr vor Ort inspiziert. Dabei sei der komplette Besuchsablauf festgelegt worden, berichtet Kathrin Schürr: "Der Plan ist minutiös festgelegt - nichts wird dem Zufall überlassen". Nach der Begrüßung um 11 Uhr in der Firm Waasner (10 Minuten) sei ein Rundgang durch die Produktion (20 Minuten) vorgesehen gewesen. Um 11.30 Uhr hätte eine kurze Diskussionsrunde mit Ministerpräsident Seehofer, der Geschäftsführung sowie Vertretern aus Politik und Wirtschaft stattfinden sollen. Von 12.30 bis 12.45 Uhr hätte die Presse Zeit für ein Interview mit Horst Seehofer gehabt. Anschließend war ab 13.45 Uhr eine Führung durch die Süßkirschenanlage des Landkreises in Hiltpoltstein vorgesehen.

"Es waren Tage dabei, wo wir 80 Prozent der Zeit mit der Besuchsplanung verbracht haben", betont Kathrin Schürr und verweist darauf, dass das übliche Tagesgeschäft ja auch noch zu erledigen gewesen sei. Gestern hätte für den Ministerpräsidentenbesuch in Hiltpoltstein eigentlich ein komplettes Veranstaltungszelt aufgestellt werden sollen - mit Catering, Toiletten und allem Drum und Dran. Das sei notwendig gewesen, so erklärt Kathrin Schürr, weil sich das Obstinformationszentrum noch in der Bauphase befinde. Man habe sich schon Gedanken gemacht, ob man im Falle weiterer Regengüsse das Zelt auf dem schlammigen Boden überhaupt errichten könne. Doch dieses Problem hat sich gelöst: Nach der plötzlichen Absage des Ministerpräsidenten konnte der Zeltaufbau noch in letzter Minute abgeblasen werden.

Auch die Firma Waasner kann sich trösten. Statt des Landesvaters hat sich geistlicher Beistand angekündigt: Am kommenden Dienstag besucht Erzbischof Ludwig Schick den Betrieb.