Die Anwohner der Straßen, auf denen derzeit viele Lkw-Ladungen Schotter nach Forchheim transportiert werden, beschweren sich über das hohe Verkehrsaufkommen. Sicher noch bis November 2018 rollen ungefähr 115 Ladungen der Firma Bärnreuther+Deuerlein pro Tag von Gräfenberg über Kunreuth nach Forchheim.

Nur: Wie sonst soll der Schotter dorthin kommen, wo der ICE von München aus nach Berlin fahren soll? "Würden wir nicht liefern, käme eine Firma aus dem südlichen Mittelfranken oder aus dem nördlichen Oberfranken", sagt Werner Steinbrecher, der mit Herbert Bärnreuther die Firma Bärnreuther+Deuerlein leitet. Sie hat den Zuschlag für die Schotter-Lieferungen für den ICE-Ausbau erhalten.


28 Kilomter bis zur Bahnstrecke

Doch: Je länger die Transportwege sind, desto mehr Logistik steckt dahinter. 28 Kilometer fahren die Lastwagen von Bärnreuther+Deuerlein. "Eine Firma, die 80 Kilometer entfernt ist, braucht die dreifache Menge an Lastwagen, um dieselbe Menge zu liefern", erklärt Steinbrecher.

Er sieht vor allem für den Landkreis Forchheim erhebliche Vorteile, wenn auch manche Anwohner verärgert sind: die Wertschöpfung. "Wir beschäftigen in unserer Firma 160 Mitarbeiter und alle eingesetzten Fuhrunternehmen zahlen im Landkreis Steuern", sagt Steinbrecher. Die Firma habe derzeit fünf aktive Steinbrüche und viele andere Baustellen.

Auch die Lkw seien zum Großteil im Landkreis zugelassen. Den Spitzenbedarf für den Großauftrag der Deutschen Bahn deckt Bärnreuther+Deuerlein über Fuhrunternehmer ab, die ebenfalls aus dem Landkreis kommen und hier ihre Steuern bezahlen.

Und wenn dieser Auftrag beendet ist, wurde ein wenig Historie mit verbaut: Denn der ICE wird dann auf der neun Kilometer langen Strecke an Forchheim vorbei über Schotter aus Gräfenberg rauschen. Wobei es sich nicht um herkömmlichen Schotter handelt, sondern um ein Gemisch mit den Bezeichnungen KG1 und KG2 beispielsweise.


Das richtige Korngemisch

"KG bezeichnet ein Korngemisch. Das ist ein spezielles Schotter-Sand-Gemisch, wobei dieser Sand für KG1 alleine aus fünf verschiedenen Sorten Sand besteht, um genau das erforderliche Sandgemisch zu erhalten", erklärt Frank Eichler. Er ist Betriebsleiter der Firma Bärnreuther+Deuerlein in Gräfenberg.

Für das Unternehmen ist es ein Großauftrag. "Es ist eine logistische Meisterleistung", meint Geschäftsführer Werner Steinbrecher. Denn der erforderliche Frachtraum, um die neun Kilometer Gleisarbeiten ausführen zu können, muss erst zur Verfügung gestellt werden. Wobei Bärnreuther+Deuerlein nur den Schotter liefert.

Die Deutsche Bahn selbst hat bei möglichen Firmen angefragt, ob sie in der Lage wären, den Auftrag zu erfüllen, also in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Menge zur Verfügung zu stellen. Sieben Monate kalkulierte und plante Bärnreuther+Deuerlein, bis der Auftrag im April 2016 unterschriftsreif vorlag. Mit der Unterschrift gab die Firma eine Garantie ab: Bei Nichterfüllung droht eine Vertragsstrafe, wie das im Baugewerbe üblich ist.


Material für den Gleisoberbau

Nach dieser Vorlaufphase, die von Mai 2015 an lief, kam das Auswahlverfahren und schließlich der Zuschlag. Die Nähe zur Baustelle spielte wohl eine ausschlaggebende Rolle.

Seitdem fahren viele Laster von Bärnreuther+Deuerlein mit dem benötigten Material für den Gleisoberbau nach Forchheim, Planumschutzschicht genannt. Das erste Korngemisch KG1 dichte die Oberfläche ab, um den Schotteraufbau vor Wasser zu schützen. Das KG2 hingegen muss eine gute Durchlässigkeit haben, um das Wasser schnell abfließen zu lassen. Der nahende Winter ist das Paradebeispiel für die Funktionsweise: Wenn Wasser in den Dammkörper einsickern kann, wird es dort gehalten und friert. Die Gleise würden dadurch angehoben werden. "Genau das muss verhindert werden", erklärt Eichler die Notwendigkeit der Frostschutzschicht und der Schottertragschicht, die als KGs in den 40 Tonnern auf den Landstraßen nach Forchheim transportiert werden.

Zeitlich begrenzt ist dieser zusätzliche Schwerlastverkehr. Dass Bürger unter dem Verkehrsaufkommen leiden, sieht Werner Steinbrecher als Versagen der Politik. Von seinem Schwiegervater, dem inzwischen verstorbenen langjährigen Kreisrat Hans Deuerlein, wisse er, so Steinbrecher, dass einige geplante Umgehungsstraßen aus Geldmangel nicht umgesetzt worden seien. So bleibt den Firmen nur, die Straßen zu nutzen, die zum Zielort führen.