Schach ist langweilig? Von wegen. Das Spiel der Könige ist wie richtige Leben. Zwar gilt es, den König schachmatt zu setzen, dennoch hat die Dame das Sagen. "Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau", lacht Axel Krüger. Letztendlich ist es der Spieler selbst, bei dem alle Fäden zusammenlaufen.

Wie jeder Mensch seine Fähigkeiten und Stärken hat, punktet auch jede Holzfigur auf dem Spielbrett mit ihren spezifischen Eigenschaften. Diese nun an der richtigen Stelle einzusetzen, mit jedem Spielzug die anderen Figuren zu unterstützen, das ist der Nervenkitzel bei diesem Strategiespiel.


Spannung in der Luft

Spannung liegt in der Luft. Es ist totenstill. Zehn Köpfe beugen sich über das schwarz-weiß karierte Spielfeld. Hier mal ein Räuspern, dort mal ein entsetzter Ausruf - aber nur, wenn einer fürchtet, doch den falschen Zug gespielt zu haben. Schach ist mehr als nur Sport und Strategie. Schach ist eine Leidenschaft. Trotzdem sind immer weniger Leute für einen Schachverein zu begeistern. "In der Hochphase so gegen 1975 konnten wir mit 25 aktiven Mitgliedern eine erste und zweite Mannschaft stellen und hatten außerdem eine Jugendmannschaft, bei der auch die Damen mitspielten", sagt Vereinsvorsitzender Andreas Hofmann.

Sein Schwiegervater Reinhard Göldner nickt, bevor er einen Zug gegen das jüngste Mitglied, seinen Enkel Tom, zieht. Göldner war eines der Gründungsmitglieder im Jahr 1965, als der Schachclub Gräfenberg von dem Weißenoher Klaus Klemenz gegründet wurde. 40 Jahre lang war Gerhard Gundelfinger, der Stadtchronist, mit viel Herzblut Vereinsvorsitzender. Eine Mark pro Monat wurde damals als Mitgliedsbeitrag kassiert. Ganz schön teuer war das Vergnügen, sich in dem strategischen Spiel mit anderen zu messen.

Denn sicher möchte jeder gewinnen. Dennoch assoziieren viele Menschen den Begriff "Intelligenz" mit dem Spiel und das wiederum als Hemmnis, in die geheimnisvolle Welt der Springer, Läufer, Türme und Bauern einzusteigen. "Man braucht nicht superintelligent sein", beschwichtigen die Gräfenberger Schachspieler. Beim Schach gibt es viele Möglichkeiten, Folgen auszudenken, um das Spiel zu entwickeln und den Kampf auf dem Brett zu führen. Weniger abschreckend scheint da das Brettspiel Dame zu sein.


Geschicktes Endspiel

Ein falscher Zug bedeutet allerdings nicht, dass die Partie bereits verloren ist. Standardsituationen, Eröffnungsspiele, den schwierigen und bei vielen Spielern ungeliebten Übergang ins Mittelspiel oder das geschickte Endspiel - alle wertvollen Tipps erhalten die Mitglieder des Schachclubs von den erfahrenen Spielern.

Für jede Spielstärke oder Schwierigkeitsstufe ist ein erfahrener Schachspieler vor Ort. Albert Schlegel ist einer der sehr guten Vereinsspieler. Er spielt gleich gegen zwei Gegner, einen Jugendlichen und einen Erwachsenen. Sie konzentrieren sich auf ihre Figuren, Schlegel gibt einen Ratschlag, als er ahnt, dass sein Gegner einen fatalen Spielzug setzen möchte. "Ein Springer am Rand ist eine Schand'" lautet eine seiner lehrreichen Eselsbrücken.
Es gibt kein trockenes Pauken der Regeln und auch kein anonymes Gepiepe eines Computers. Obwohl der Computer das Schachspiel schon revolutioniert hat, darin sind sich die Gräfenberger Spieler einig. "Er steht immer bereit und bietet immer den besten Zug an, ohne ihn verstehen zu müssen", sagt Krüger. Doch der Computer hat dem königlichen Spiel auch den Charme genommen, findet Hofmann. Es fehlt das Rascheln eines Papierstücks oder das erleichternde Lachen und Gespräch nach einer gewonnenen oder verlorenen Partie. "Schach ist gesellig und unkompliziert", ist Hofmann überzeugt.

Heute wird kein Beitrag mehr erhoben. Die Mitgliedschaft ist ebenso kostenlos wie die Getränke frei. "Unser großes Ziel ist es, wieder zehn Aktive für eine Mannschaft zu gewinnen", sagt Hofmann.
Ein Höhepunkt im laufenden Vereinsjahr ist das Schachturnier gegen den Schachclub Pottenstein. Die beiden Vereine traten vor 50 Jahren schon gegeneinander an. Heuer, wenn beide Vereine ihr 50. Vereinsjubiläum feiern, steht das Turnier wieder auf dem Programm.