Im Festzelt neben dem kernsanierten und neu in Betrieb genommenen Wasserkraftwerk in Wellerstadt begrüßte RSV-Vorstand Reinhold Müller das Festpublikum mit einem Rückblick auf die Geschichte der RSV. Als Alternative zur Kohleverstromung, so Müller, sei zu Zeiten der RSV-Gründung die Wasserkraft in den Blickpunkt des Interesses gerückt. Denn gleichermaßen für die Entwicklung der Industrie wie auch des Wohlstands sei der elektrische Strom unabdingbar, ohne den es den heutigen Lebensstandard nicht geben würde.

Für die durch den Strom einem modernen Mehrpersonenhaushalt ermöglichten Annehmlichkeiten, so griff Müller weit in die Geschichte zurück, hätte eine Patrizierfamilie zu römischer Blütezeit sechzig Sklaven schuften lassen müssen.

Das "bescheidene kommunale Unternehmen" der RSV erzeuge nicht nur, sondern beschaffe auch Strom, wovon nicht nur Erlangen und
Forchheim, sondern inzwischen auch die Städte Fürth, Zirndorf und Herzogenaurach profitierten. Dies verdanke sich nicht zuletzt der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen den Stadtwerken Forchheim und Erlangen sowie dem Konzern E.ON Bayern. Wenn man die gefühlt teuren 25 Cent Kosten für eine Kilowattstunde Strom technisch-physikalisch umrechne, so Müller weiter, lasse sich der Energieaufwand mit dem 1600maligen Hochtragen eines Kasten Mineralwassers aus dem Keller in den dritten Stock vergleichen. Und wer wolle dies für 25 Cent schon tun?

RSV-Vorstand Wolfgang Geus meinte, die beiden Geschäftsfelder der RSV - Stromerzeugung und Strombeschaffung - spielten eine entscheidende Rolle im Rahmen der Energiewende, indem sie nämlich einen unverzichtbaren Stabilitätsfaktor im Mix der regenerativen Energien wie Photovoltaik, Windkraft und Erdwärme darstellten. Denn während beispielsweise Sonne und Wind in ihrer Ergiebigkeit extrem schwankten, sei die Wasserkraft während 90 Prozent des Jahres verfügbar und somit äußerst verlässlich. Und erbrächten die beiden Turbinen des Wellerstädter Kraftwerks 660 Kilowatt Nennleistung, so müsste eine vergleichbare Photovoltaikanlage 4,7 Megawatt Leistung haben und eine Fläche von rund 10 Hektar benötigen, was etwa 13 Fußballfeldern entspräche.

Nicht nur Gewinnmaximierung

Allerdings stünde diese nur 1000 bis 1300 Stunden im Jahr zur Verfügung, während das Wasserkraftwerk 8000 Stunden arbeitet. Auch trage das Kraftwerk mit seiner Stromerzeugung zur Vermeidung von fünfeinhalb Tonnen CO²-Ausstoß bei. Durch die neue, größere Fischtreppe mit 22 Becken sei außerdem die Durchgängigkeit für Fische gewährleistet.

Franz Stumpf, Oberbürgermeister von Forchheim und Aufsichtsratsvorsitzender, wies darauf hin, dass die RSV bei ihrer Gründung die Strombeschaffung nicht unter den Gesichtspunkt der Gewinnmaximierung gestellt habe, sondern beabsichtigt habe, den erworbenen Strom bei relativ geringer Gewinnmarche den Bürgern der beteiligten Städte zugute kommen zu lassen. Daran möge sich die RSV heute nach wie vor orientieren - ebenso wie an "vernunftdominierter, vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Partnern". Zu erinnern sei allerdings auch daran, dass das sogenannte Bauernkraftwerk als Genossenschaft einige Bauern in den Ruin geführt habe, da ihnen der Strom nicht abgenommen worden sei, sodass sie sich hoch verschulden und einige sogar Häuser und Grund hätten versteigern müssen. Die RSV könne also "keine reine Erfolgsgeschichte" aufweisen und habe, wie der Heimatdichter Franz Schmolke schreibe, Wellerstadt "zu etwas zweifelhaftem Ruhm verholfen".

Zwar sei auch bei den regenerativen Energien "nicht alles Gold, was glänzt", nahm Siegfried Balleis, Oberbürgermeister von Erlangen und Aufsichtsratsvorsitzender, den Faden auf, er selbst plädiere jedoch klar für die Wasserkraft. Für die Zukunft erhoffe er, dass es gelingen möge, "weitere derartige Kraftwerke an der Regnitz zu bauen", was im Erlanger Stadtteil Bruck auf Grund massiver Bürgerproteste leider nicht durchführbar gewesen sei.

Ludwig Schiebler, Mitglied der Geschäftsleitung von E.ON Bayern und ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzender der RSV, sicherte zu, sein Energiekonzern werde die RSV "auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien weiterhin kräftig unterstützen".

Zwei Wochen Stillstand

Wie Peter Bähr bei einer Führung durch das Kraftwerk erläuterte, produziert dieses jetzt 4,2 Millionen kWh Strom pro Jahr, das sind 600.000 kWh mehr als vor der Sanierung. Die beiden leistungsstarken und zugleich wartungs- und verschleißarmen Turbinen seien technisch auf dem neuesten Stand. Während der starken Regenfälle der vergangenen Zeit habe das Kraftwerk fast zwei Wochen stillgestanden, da durch die großen Wassermassen nicht mehr genügend Gefälle zwischen Ober- und Unterwasser bestanden habe, das nötig sei, damit sich die Turbinen drehen könnten.