ForchheimDas Nutzungskonzept des Rathauses nimmt Gestalt an. Wiederholt war im Planungsausschuss am Dienstag zu hören, dass man sich nun weitgehend einig sei. Josua Flierl (CSU) sprach gar von "95 Prozent Übereinstimmung".

Nach den heftigen Streitereien um die Sanierung des Rathauses noch vor wenigen Wochen, kooperieren jetzt Planer, Stadträte und Verwaltung. Das Ergebnis der jüngsten gemeinsamen Überlegungen stellte Architektin Sabine Porzel (Architekten-Büro Spindler aus Kronach) vor. Eine wesentliche Neuerung der Sanierung: Es soll einen zweiten Haupteingang des Rathauses in Richtung Kirchplatz geben. Das Treppenhaus und der Aufzug werden in einem Glasanbau untergebracht, wobei das Konzept dieser "Glashalle" von den Denkmalpflegern noch geprüft wird.


Trinken und schauen

Unstrittig ist dagegen, dass es im Keller eine historische Trinkhalle geben wird (für 30 Gäste); und ein Trauungszimmer im Obergeschoss - und den großen Rathaussaal (wie bisher) als Raum für Ratssitzungen und Veranstaltungen.

Verzichten müssen die Bürger künftig auf ihren Oberbürgermeister im Rathaus. Der Platz für ein Bürgermeisteramt reicht nicht. Um die Amtsgeschäfte zu führen, bräuchte der Oberbürgermeister dort Räume für rund zehn Mitarbeiter. "Es wäre Raum für bestenfalls zwei", sagte Architektin Porzel. Daher werde dem Oberbürgermeister lediglich "ein repräsentatives Zimmer" (in der sogenannten Bohlenstube) für Empfänge zur Verfügung stehen.
Nicht einig wurden sich die Räte, ob im Magistratsbau die Tourismus-Zentrale oder ein Integratives Café untergebracht werden sollte. "Wir haben genug Cafés, meinte Holger Lehnard (CSU), während Albert Dorn (SPD) der Meinung war, in der Stadt gebe es "überhaupt keine Cafés mehr".

Manfred Hümmer (FW) stellte fest, dass sich wohl noch niemand so Recht ein klares Bild machen könne, was mit dem "Integrativen Café" gemeint sei. Als Ort, an dem auch sozial Benachteiligte willkommen seien, so deutete Günther Hammer (SPD) den Begriff "Integratives Café". Diese Einrichtung zeuge nicht nur von sozialer Kompetenz, betonte Hammer; das Café versorge zugleich das ganze Rathaus, etwa bei Feiern im Trauungszimmer. "Das Konzept ist durchgängig schlüssig."

Was die Tourist-Info betrifft, forderte unter anderem Sebastian Körber (FDP), sie am Paradeplatz unterzubringen. Auch OB Uwe Kirschstein (SPD) hätte die Tourismuszentrale gerne am Paradeplatz gesehen; schließlich sei der Platz ja als zentrale Ankunftsstelle der Stadt geplant. Andere, wie Reinhold Otzelberger (SPD) sahen das Rathaus und die Tourist-Info als zwingende Einheit. "Das Rathaus ist ohnehin ein Magnet für Touristen."

Im Laufe der Diskussion schälte sich eine Neun-Stimmen-Mehrheit für die Tourist-Information im Rathaus heraus. Kommentar Kirschstein: "Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man." Insgesamt dürfte Kirschstein die Kooperation bei der Rathaussanierung aber als Gewinn empfunden haben. Zumal sich aus Kostengründen eine Mehrheit für die kleine Variante des Glasanbaus aussprach. Allerdings wunderte sich Albert Dorn, dass die Kosten beim Thema "Integratives Café" außer Acht gelassen wurden. Denn im Gegensatz zur Tourist-Info werde ein Café im Rathaus gefördert. Albert Dorn pochte: "Bis zur Entscheidung im Stadtrat will ich wissen: Auf wie viel Geld verzichten wir, wenn die Tourist-Info ins Rathaus kommt?"