Ein niedliches kleines Wesen ist Putzi, ein kleines Rehkitz. Gerade einmal drei Wochen alt. Mit viel Liebe und Geduld wird das hilflose Wildtier nach dem Tod seiner Mutter in der Obhut der Jägerfamilie Rudi Pleischl aus Weilersbach mit der Flasche aufgepäppelt.

Eigentlich kennt fast jeder den Walt Disney-Film "Bambi" und den meisten Zuschauern geht diese Geschichte ans Herz. Das verzweifelte Warten auf die Mutter, die Angst vor dem Alleinsein. Doch auch im realen Leben gibt es immer wieder Rehkitze, die ihre Mutter verlieren. So auch die beiden Rehkitze Bambi und Putzi. Eine ergreifende Tiergeschichte, die Jäger Rudi Pleischl erzählt.

Anfang Mai klingelte das Telefon klingelte und er wurde verständigt , dass in seinem Jagdrevier Pretzfeld II ein Reh liege. Es hatte sich aller Wahrscheinlichkeit nach an einem Wildschutzzaun tödlich verletzt.

Als erfahrener Jäger erkannte Pleischl sofort, dass es sich um eine führende Rehgeiß, ein Muttertier handelte. Ihm war sofort klar, dass irgendwo Kitze liegen. "Dann hörte ich die kleinen Waisen laut fiepen, sie schrien nach ihrer Mutter - es war herzzerreißend."

Beide waren sehr klein. An den Felltupfen erkannte er, dass die zwei Findlingskitze noch sehr jung sind, erst zwei oder drei Tage alt. Außerdem waren die Kleinen völlig dehydriert und ausgehungert. Er entschloss sich, sie im Auto mit nach Hause zu nehmen. "

"Während seiner 50 Jahre als Jäger ist es das erste Mal, dass in seinem Zuständigkeitsbereich elternlose Kitze mit der Flasche großgezogen werden", wusste Ehefrau Anneliese. Was wäre denn mit den verwaisten Jungtieren geschehen? "Die Überlebenschancen wären null gewesen, sie wären dann sofort vom Raubwild gefressen worden", erklärt Pleischl.

Doch auch daheim ist die Aufzucht "risikobehaftet". Schließlich seien die Kitze erst im Mai zur Welt gekommen. "Sie werden jetzt eine schlechte Zeit durchmachen und immer wieder die Mutter suchen", weiß der Jagdpächter, dessen Familie von dem Schicksal dieser Rehkitze sichtlich bewegt ist.

"Sie schrien die ganze Nacht durch nach ihrer Mutter, es war ergreifend" berichtete Tochter Sonja . Doch die Jägerfamilie sagte Ja und hilft zusammen. Die Enkelkinder Hannah (9) und Nele (6) gaben den Kleinen die Namen Bambi und Putzi. Man besorgte Ziegenmilch und eine Aufzuchtflasche für Kleintiere. Eine normale Babyflasche wäre zu groß gewesen. Alle zwei bis drei Stunden mssten die beiden gefüttert werden - auch nachts.

Aber trotz regelmäßiger Fütterung und bester Betreuung kam dann nach gut einer Woche die Krise. Bambi wurde krank, bekam Fieber und musste tierärztlich behandelt werden. Bambi überstand die Virusinfektion leider nicht und wurde nur zwei Wochen alt.

Für Putzi geht inzwischen das Leben weiter. Sie muss jetzt ohne Mama und Geschwisterchen Bambi auskommen. Doch das Rehlein steht schon fest auf seinen Beinen, trinkt seine warme Milch und fängt an, an einem Blatt zu knabbern. Ihr Lieblingsplatz ist ein kleines Gehege mit einer Kiste, die mit einer Decke ausgelegt ist. Dort macht es sich das von allen geliebte Adoptivkind bequem.

Auch die Enkelkinder Hannah und Nele wissen mit dem Kitz umzugehen und finden es schön "dass wir es haben - macht aber auch viel Arbeit". Ihre große Freude ist jedoch, dass das Kitz bereits auf seinen Namen Putzi hört. Die Pleischls mit Tochter Sonja und deren Ehemann Alexander tun seitdem alles, damit Putzi wächst und gedeiht.

Wie es weitergeht, weiß die Jägerfamilie noch nicht. Wichtig ist ihnen aber, dass das Tier ein Tier bleibt und für das inzwischen liebgewonnene Rehkitz die beste Zukunft gefunden wird.